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Zeitarbeit in Deutschland | Unternehmen für Zeitarbeit

Zeitarbeit zieht wieder an

Christian Salge ist sich sicher. Das Tief sei bald schon durchschritten, die Nachfrage werde schnell wieder anziehen. "Der Bedarf ist da, gerade nach der Krise. Die Firmen wollen für die Phase des Aufschwungs auf Zeitarbeit vertrauen, um sich Flexibilität und Fachkräfte zu sichern."

Mehr Flexibilität heißt für die Unternehmen in den Augen des Geschäftsführers von Manpower Deutschland: mehr Zeitarbeitnehmer. (…) Bei Manpower rechnet man mittelfristig wieder mit einem Anstieg der Zeitarbeiternehmer von aktuell rund 500 000 auf über 1 Million. Die Prognose der Gewerkschaft müsste Salge und seine Kollegen aus anderen Zeitarbeitsfirmen geradezu euphorisch stimmen. IG Metall-Vize Detlef Wetzel befürchtet ein Anstieg auf rund 2,5 Millionen.

Teil strategischer Planung

Längst würden Zeitarbeitnehmer nicht mehr nur eingesetzt, um Auftragsspitzen abzuarbeiten. "Sie sind heute Teil der strategischen Planung der Unternehmen", sagt der Metaller. Vor der schwersten Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit waren Mitte 2008 in Deutschland rund 800 000 Zeitarbeitnehmer beschäftigt. Auch das waren nach Ansicht der Gewerkschaft schon viel zu viel. "Wären die Leiharbeiter fest angestellt gewesen, hätte es diesen Personalabbau nicht gegeben", behauptet Wetzel. Die IG Metall wird die Entwicklung freilich kaum aufhalten können.

Nachfrage wird wachsen

Nach den Worten von Manpower-Chef Salge wird die Nachfrage nach Zeitarbeitnehmern auch unabhängig von der aktuellen Krise weiter überproportional wachsen: "Fünf mal so schnell wie die reguläre Beschäftigung." Ohnehin hinkt Deutschland im Vergleich auch zum europäischen Ausland hinterher. Hierzulande liegt der Anteil der Zeitarbeiter bei rund 1,7 Prozent, im Schnitt sind es in Europa 2,5 Prozent. Trotz der Bankenkrise etwa sucht die Manpower-Tochter Bankpower aktuell mehrere hundert Banker.

Öffentlicher Dienst

Daneben entdecke jetzt auch der öffentliche Dienst die Vorzüge der Leiharbeit, sagt Salge. Länder und Kommunen fehlten aktuell die Fachleute, um die Konjunkturprogramme umzusetzen. Im Baugewerbe, im Telekom-Bereich und in der Luftfahrt seien zeitlich befristet einsetzbare Arbeitnehmer schon seit Jahren immer stärker gefragt, jetzt wachse auch der Bedarf in der Medizintechnik. Da geht es längst nicht nur um einfache Tätigkeit, sondern um Fachkräfte und hoch qualifizierte Ingenieure. Manpower hat deshalb schon vor Jahren auf diese Branchen spezialisierte Tochterunternehmen gegründet. (…)

Tarifverträge

Zwar gibt es für Zeitarbeitnehmer seit mehreren Jahren zwischen dem DGB und den großen Branchenverbänden Interessengemeinschaft Deutscher Zeitarbeitsunternehmen (iGZ) und BZA Tarifverträge, die die 35-Stunden-Woche, Arbeitsbedingungen, Urlaub und Sonderzahlungen und Tarifverdienste regeln. Gleichwohl kann nach Angaben der Gewerkschaften von gleicher Bezahlung keine Rede sein. Nach den aktuell gültigen Tabellen liegt der Stundenverdienst je nach Tätigkeit und Qualifikation für Zeitarbeitnehmer im Westen zwischen 7,31 EUR und maximal 17,73 EUR, in Ostdeutschland schwanken sie zwischen 6,36 EUR und 15,38 EUR (...). (Tagblatt, 08.09.´09)