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Zeitarbeit unter vollen Segeln

Vor rund 450 Teilnehmern distanzierte er sich auch von jenen, „die Zeitarbeit allein unter Kostengesichtspunkten betrachten und nicht als Flexibilitätsinstrument und Teil modernen Personalmanagements begreifen und nutzen“. An Gewerkschaften und Politik appellierte er: „Nehmt uns bitte als ganz normale Branche - wie jeden anderen Wirtschaftszweig - wahr und lassen Sie uns in Ruhe unsere Arbeit machen.“

iGZ-Bundesvorsitzende Ariane Durian im Interview während des Landeskongresses Nord in Hamburg.

Brennglas gewerkschaftlicher Beobachtung

Ariane Durian, iGZ-Bundesvorsitzende, legte mit Blick auf die Vorurteile gegen die Zeitarbeit ebenfalls den Finger in die Wunde: „Ich finde es schon einigermaßen unanständig, wenn uns von Gewerkschaftsseiten noch vor dem Inkrafttreten der neuen Branchenzuschlagsregelungen vorgeworfen wird, wir würden diese doch sowieso nicht einhalten.“ Seit dem 1. November liege die Branche noch mehr als bisher unter dem Brennglas gewerkschaftlicher und medialer Beobachtung. Bei den Branchenzuschlagstarifen sei man indes auf einem guten Weg – mittlerweile seien Abschlüsse für sieben Branchen getroffen worden, und mit ver.di, so Durian, finden derzeit Sondierungsgespräche statt.

Zeitarbeit 2.0

Dass mit den Branchenzuschlägen für die Zeitarbeit eine neue Ära – Zeitarbeit 2.0 – angebrochen ist, wurde spätestens mit dem Beitrag des iGZ-Hauptgeschäftsführers Werner Stolz offensichtlich. Er zählte die Vorteile der Branchenzuschläge auf, gestand aber auch ein, dass man einige Nachteile in Kauf nehmen müsse: „Für Geringqualifizierte sowie Langzeitarbeitslose wird es wahrscheinlich schwieriger, sich auf dem Arbeitsmarkt zu behaupten“, gab Stolz zu bedenken. „Andererseits ist die weitgehende gesellschaftspolitische Befriedung gut für das Image und die Akzeptanz der Branche.“

Diskutierten zum Thema "Hart am Wind oder im ruhigen Fahrwasser?" (v.l.): Uwe Grund, Bettina Schiller, Herbert Schalthoff, Thomas Lambusch und Dr. Rolf Kroker.

Podiumsdiskussion

Das Thema „Hart am Wind oder im ruhigen Fahrwasser?“ stand im Fokus einer Diskussionsrunde, in der Dr. Rolf Kroker (IWK), Thomas Lambusch (Nordmetall-Vorstand), Bettina Schiller (iGZ-Landesbeauftragte Bremen und iGZ-Bundesvorstandsmitglied) sowie Uwe Grund (DGB-Vorsitzender Hamburg) debattierten. Moderiert von Journalist Herbert Schalthoff, stellte Bettina Schiller zunächst die aktuelle Situation in Zeiten stagnierender Märkte dar. Thomas Lambusch verdeutlichte, dass jetzt auch die Kundenunternehmen angesichts der Branchenzuschläge über das künftige Procedere mit der Zeitarbeit und ihre Alternativen nachdenken. Einigkeit herrschte über den hohen Stellenwert der Zeitarbeit als Flexibilisierungsinstrument und als Chance für sowohl Arbeitslose als auch Geringqualifizierte.

Blick nach Europa

„Unter gleicher Flagge“ segelte Ulf Posé, Präsident des Ethikverbandes der Deutschen Wirtschaft, und referierte mit seinem gleichnamigen Beitrag über Ethikgrundsätze in der Zeitarbeit. Den Blick über den deutschen Tellerrand in die europäische Wirtschaft richtete Dr. Rolf Kroker (IWK) und sprach sowohl über wirtschaftliche Perspektiven als auch Herausforderungen. Die Arbeitnehmerfreizügigkeit hat Einzug gehalten – Europäische Arbeitskräfte auf dem deutschen Arbeitsmarkt thematisierte Peter Grünheid, Bildungswerk der Niedersächsischen Wirtschaft, bevor Sönke Fock, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit, dem Plenum die Themen Rekrutieren, Fördern und Qualifizieren zum Schluss des Landeskongresses erläuterte. Begleitet wurde die Veranstaltung von der Messe „Dienstleister der Zeitarbeit“. (WLI)

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