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Zeitarbeit in der Pflege

Der wachsende Fachkräftemangel und die eher schlechten Arbeits- sowie Verdienstbedingungen in der Pflegebranche entfachten in jüngster Zeit eine Diskussion über den Einsatz von Zeitarbeit in der Pflege – in erster Linie deshalb, weil die Zeitarbeitsbranche dank ihrer Flexibilität den Mitarbeitern nicht nur eine bessere Work-Life-Balance, sondern gelegentlich auch attraktivere Entgelte bieten kann. Dadurch sind Fachkräfte aus ihrer (Pflege-)Branche in Richtung Zeitarbeit abgewandert.

Verbot gefordert

Unter anderem Forderungen nach einem Verbot von Personaldienstleistung in der Pflege sollen die Branche für Arbeitnehmer wieder interessanter machen, obwohl es logisch wohl wesentlich sinnvoller wäre, einfach die Arbeits- und Lohnsituation in der Pflegebranche zu ändern. Außerdem wird dabei mit Blick auf einen Anteil von knapp zwei Prozent der Zeitarbeit in der Pflege ganz offenbar mit Kanonen auf Spatzen geschossen, um von den eigentlichen Problemen abzulenken. Das zeigt auch und vor allem der Blick in die offiziellen Zahlenwerke.

1,19 Prozent Anteil

Im März 2019 waren von insgesamt 1.650.656 in der Pflege Beschäftigten gerade einmal 19.632 Arbeitnehmer über ein Zeitarbeitsunternehmen im Einsatz. Davon waren 8.678 in der Altenpflege und 10.954 Beschäftigte in der Krankenpflege tätig. Dies entspricht einem Anteil von 1,19 Prozent.

Flexibilität via Zeitarbeit

Das Interesse der Zeitarbeitsunternehmen in der Pflege ist es nicht, den Fachkräftemangel zu verstärken. Im Gegenteil - sie helfen, deren Folgen zu lindern, denn: Zeitarbeitnehmer werden hoch effizient immer in den Einrichtungen und Kliniken eingesetzt, in denen die Personalknappheit am größten ist. Dies sichert eine optimale Zuweisung professionell Pflegender.  Durch die individuellen Beschäftigungsmodelle, die Zeitarbeit bietet, werden Pflegekräfte im Pflegeberuf gehalten, die ansonsten aufgrund von Überlastung dem Beruf den Rücken kehren würden.

Individuelle Einsatzplanung

Die Option der individuelleren Einflussnahme auf Dienstpläne sichert die Beschäftigung von Pflegenden, die sich in herausfordernden Lebensphasen befinden: alleinerziehende Mütter, pflegende Angehörige oder Pflegende in Weiterbildungen sowie im Studium.

Weiterbildung

Zeitarbeit bietet zudem Möglichkeiten zur Qualifizierung und Weiterbildung: In der Altenpflege beispielsweise beträgt der Anteil der Hilfskräfte 46 Prozent. Durch Förderung und Betreuung der Arbeitnehmer ebnet die Zeitarbeitsbranche zahlreiche Wege in eine konventionelle Berufsausbildung zu professionellen Pflegefachkräften – ein weiterer Schritt zur Linderung des Fachkräftemangels.

Internationalität

Zeitarbeit rekrutiert international. Der Anteil an in der Zeitarbeit Beschäftigten mit Migrationshintergrund, auch im Bereich der Pflege, ist deutlich erkennbar überproportional im Vergleich zu konventionellen Betrieben. Dies liegt an der Reduzierung der Zugangsbarrieren in den Beruf, strukturierter Qualifizierung, gesteuerter und begleiteter Anerkennungsunterstützung sowie insbesondere internationaler Rekrutierung. Diese kann durch konventionelle Betriebe nahezu gar nicht betrieben werden. Zeitarbeit geht diesen schwierigen Weg.

Kein Lohngefälle

Zeitarbeit in der Pflege steigert die Kosten nicht, denn: Dass Pflegefachkräfte über Zeitarbeit mehr verdienen als Festangestellte, lässt sich in dieser Pauschalität nicht belegen. Die Bundesagentur für Arbeit wertet im neuesten Bericht zum „bereinigten Pay Gap“ (Lohngefälle) aus, dass das Gehalt von Zeitarbeitnehmern und Festangestellten vielfach gleichwertig ist. Die vorliegenden Zahlen stimmen überein.

Einsatzkosten

Einrichtungen zahlen lediglich die Produktivstunden. Eine korrekte Vergleichsrechnung würde auf Kundenseite nicht nur die Produktivstunden beinhalten, sondern auch Krankstunden, Weiterbildungszeiten, Arbeitgeberanteile Sozialversicherung, Einarbeitungen, Lohnersatz- und Lohnnebenleistungen wie Fahrkartenerstattungen, Kantinenermäßigungen und Trennungskosten. Ebenso dazu gehören Rekrutierungskosten, die bei konventionellen Kundenunternehmen beträchtlich ausfallen, Verwaltungskosten (Abrechnungen, Vertragswesen etc.), Kosten für Maßnahmen der Personalentwicklung und viele weiter. Würden diese Kosten, die bei der Beschäftigung von Stammmitarbeitern entstehen, in den Vergleich mit einbezogen, wäre sehr schnell deutlich, dass die Kosten beim Einsatz von Zeitarbeit aufgrund der Professionalität und Kernkompetenz der Zeitarbeitsunternehmen maximal gleich hoch ausfallen. (WLI)