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iGZ-Kongress: NRW-Minister Laumann bezieht Position zu Berliner Forderung
19.02.2020

"Wir werden einem Zeitarbeitsverbot in der Pflege nicht zustimmen"

„Das ist kein Szenario, bei dem ein Systemwechsel von Stammmitarbeitern in Zeitarbeit herbeigeredet werden kann. Wir werden von Nordrhein-Westfalen aus dem Verbots-Vorstoß des Berliner Senats nicht zustimmen“, reagierte Karl-Josef Laumann, Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes NRW, auf das geforderte Verbot der Zeitarbeit in der Pflegebranche. Und er lieferte den rund 180 Zuhörern beim iGZ-Landeskongress „PERSONAL.PRAXIS.WEST“ in Dortmund die Begründung gleich mit:

Als Dankeschön überreichte iGZ-Hauptgeschäftsführer Werner Stolz (r.) dem Gastredner des Kongresses in Dortmund, Karl-Josef Laumann, Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes NRW, eine Skulptur für dessen Vortrag.
Als Dankeschön überreichte iGZ-Hauptgeschäftsführer Werner Stolz (r.) dem Gastredner des Kongresses in Dortmund, Karl-Josef Laumann, Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes NRW, eine Skulptur für dessen Vortrag.

Aktuell seien 34.000 Zeitarbeitnehmer in der Pflegebranche beschäftigt, das seien gerade einmal 1,2 Prozent vom Gesamtvolumen. „In NRW sind das 6.000 Beschäftigte“, zeichnete der NRW-Minister die Dimensionen nach. Laumann stellte außerdem die Frage nach der Alternative, die es seiner Meinung nach nicht gebe.

Personalnotstand

Wenn das Pflegepersonal von einer Grippewelle erfasst werde, sei eben sonst niemand da, der die Arbeit übernehmen könne, nannte der NRW-Arbeitsminister ein Beispiel. Ein solcher Personalnotstand lasse sich eben nur durch Zeitarbeit kompensieren. Dennoch solle Zeitarbeit in der Pflege die Ausnahme bleiben, „aber verbieten ist zu einfach“, betonte Laumann. Das was Zeitarbeit mehr koste, müssten „sich die Einrichtungen halt ans Bein binden und selbst finanzieren.“

Integrationsfaktor

Karl-Josef Laumann ordnete die Branche zudem als wichtigen Integrationsfaktor in der Wirtschaft ein: „Zeitarbeit leistet bei der Integration Geflüchteter und ehemals Beschäftigungsloser einen Beitrag, und das muss man immer mit erwähnen.“ Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels könne Zeitarbeit sowohl für die Unternehmen als auch für Arbeit suchende Menschen attraktiv sein.

Flexibilität

„Unternehmen können kurzfristig einen akuten Mangel an Fachkräften ausgleichen. Und Zeitarbeit kann auch helfen, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. 70 Prozent der neu abgeschlossenen Zeitarbeitsverhältnisse werden mit Menschen vereinbart, die zuvor keine Beschäftigung ausgeübt haben“, erläuterte Laumann die Vorteile der Branche.

Faire Bedingungen

„Zeitarbeit wird oft kritisch gesehen. Ich bin jedoch kein grundsätzlicher Gegner von Zeitarbeit, solange es für die Beschäftigten fair zugeht. Also kein Lohndumping und keine Umgehung von Arbeitnehmerrechten. Der Verband iGZ engagiert sich für faire Arbeitsbedingungen bei seinen Mitgliedsunternehmen“, honorierte er die Arbeit seines Gastgebers in den Westfalenhallen. (WLI)

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