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iGZ-Mitglied reagiert auf Zeitungsartikel
15.12.2020

Pflegekräfte komplett an ihrer Kapazitätsgrenze

„Das ist nicht nur angesichts der aktuellen Situation ein Schlag ins Gesicht aller Zeitarbeitskräfte, die in der Pflegebranche arbeiten“, reagiert Sven Rösler, Geschäftsführer des iGZ-Mitgliedsunternehmens "ICC Medical", auf einen mit „Kliniken wütend auf Leiharbeitsfirmen“ getitelten Text des Tagesspiegels in Berlin. Darin wurde unter anderem behauptet, dass sich Zeitarbeitnehmerinnen und Zeitarbeitnehmer teilweise weigerten, auf Intensivstationen mit Coronakranken zu arbeiten.

iCC-Geschäftsführer Sven Rösler (2.v.l.), hier beim Besuch des iGZ-Hauptstadtbüros im Jahr 2019, reagierte entsetzt auf die Darstellung der Arbeit von Zeitarbeitskräften im Pflegebereich.
iCC-Geschäftsführer Sven Rösler (2.v.l.), hier beim Besuch des iGZ-Hauptstadtbüros im Jahr 2019, reagierte entsetzt auf die Darstellung der Arbeit von Zeitarbeitskräften im Pflegebereich.

Was folgte, so Rösler, war eine Welle der Empörung seitens der Pflegekräfte. Kurz darauf folgte ein weiterer Artikel zum Thema. Darin heißt es unter anderem: „Pflegekräfte aus Leasingfirmen haben den Vorwurf von Berliner Klinikleitern zurückgewiesen, Corona-Einsätze lieber zu meiden. Man sei über den Tenor aus den Krankenhäusern empört, sagten Mitarbeiter von Leih- und Zeitarbeitsfirmen dem Tagesspiegel.“

Völlig ausgebucht

Das kann Rösler nur bestätigen und liefert direkt ein Beispiel aus der Praxis: In der vergangenen Nacht musste einer meiner Mitarbeiter sechs Covid-19-Patienten betreuen“, schildert er das Ausmaß der Pandemie. Sein Unternehmen sei bis Februar völlig ausgebucht. Die Mitarbeiter machen laut Rösler oft noch mehr Überstunden als die Kollegen in den Krankenhäusern. „Meine Mitarbeiter sind in jeder Hinsicht fix und fertig, sie können eigentlich nicht mehr“, ist der Geschäftsführer frustriert.

Hohe Ansteckungsgefahr

Sein Team stecke sich mittlerweile sogar trotz Schutzes mit Corona an. Zehn Mitarbeiter seien derzeit in Quarantäne, drei seien positiv auf das Coronavirus getestet worden. Das seien zusätzlich Ausfälle, die sein Unternehmen und die anderen Kollegen ebenfalls noch mit schultern müssen. Da sei es auch nicht mehr verwunderlich, „dass andere Mitarbeiter nach den Schichten erschöpft und wütend weinend nach Hause fahren.“

Arbeitskräfte alleingelassen

Erschwerend hinzu komme, dass der Pflegekräftemarkt komplett leergefegt sei. Die Pflegebranche sei in den vergangenen Jahren vollkommen vernachlässigt worden, und nun müsse man mit den Konsequenzen fertig werden: „Insbesondere die Zeitarbeitskräfte in der Pflege fühlen sich zu hundert Prozent alleingelassen“, unterstreicht Rösler die Situation. Sein Bestreben, wenigstens eine Zulage für seine Mitarbeiter zu bekommen, „wurde unter der Androhung, man werde mein Unternehmen aus dem Pool streichen, abgesagt“. Er habe dann um Streichung gebeten, „denn ich bin mit Leib und Seele Krankenpfleger und weiß, was eine kleine Anerkennung bedeutet“.

Raus aus dem Job

Von den Stammmitarbeitern habe er inzwischen häufig gehört, „dass sie nach der Corona-Pandemie aus dem Job raus wollen.“ Seiner Ansicht nach müsse die Struktur der Pflege komplett anders aufgezäumt werden, wenn sich etwas ändern solle. Das fange etwa schon bei der Strukturierung der Schichtdienste in den Einrichtungen an.

Unverständliche Verbotsforderung

Völlig unverständlich sei dann das geforderte Verbot von Zeitarbeit in der Pflege, wie es Senatorin Kalayci, Krankenhausleiter und einige Fachleute fordern. „Das“, betont Rösler, „wird zu noch größerem Pflegenotstand führen.“ (WLI)

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