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IAB: Betriebe wollen Rentenberechtigte zunehmend halten
03.09.2020

Nachfrage nach älteren Mitarbeitern gestiegen

Der Anteil der rentenberechtigten Mitarbeiter, den Betriebe halten wollen, ist zwischen 2015 und 2018 von 26 Prozent auf 58 Prozent gestiegen. Dies zeigt eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) auf Grundlage der IAB-Stellenerhebung, einer repräsentativen Befragung von Betrieben in Deutschland. Im Jahr 2015 sollten von den 650.000 Beschäftigten mit Rentenberechtigung 171.000 Personen im Betrieb gehalten werden, 2018 waren es 470.000 der insgesamt 810.000 Rentenberechtigten. Bei den Rentenberechtigten sind auch Beschäftigte enthalten, die bereits in den Vorjahren von den Betrieben gehalten wurden.

Laut IAB-Bericht ist der Anteil der rentenberechtigten Mitarbeiter, den Betriebe halten wollen, ist zwischen 2015 und 2018 von 26 Prozent auf 58 Prozent gestiegen.
Laut IAB-Bericht ist der Anteil der rentenberechtigten Mitarbeiter, den Betriebe halten wollen, ist zwischen 2015 und 2018 von 26 Prozent auf 58 Prozent gestiegen.

Erfahrung ist gefragt, das gilt auch für die Zeitarbeitsbranche, für die allerdings nur Zahlen zur Altersstruktur existieren: Im Jahresdurschnitt waren im Jahr 2019 insgesamt 895.472 Beschäftigte in der Zeitarbeitsbranche tätig. Davon waren 166.167 (18,5 Prozent) unter 25 Jahre alt, 273.077 (30,5 Prozent) zwischen 25 und 35 Jahre alt, 180.531 (20,1 Prozent) waren 35 bis 45 Jahre alt, 156.047 (17,4 Prozent) zwischen 45 und 55 Jahre alt, und 119.650 (13,3 Prozent) Zeitarbeitnehmer waren über 55 Jahre alt. Fünf Jahre zuvor, 2014, waren im Schnitt 898.041 Beschäftigte in der Zeitarbeit tätig, davon waren 107.824 (12 Prozent) über 55 Jahre alt. Beim Blick über alle Jahre hinweg zeigt sich, dass sich diese Zahlen auf einem stabilen Niveau bewegen.

Haltewünsche gestiegen

Kleine Betriebe haben mit 60 Prozent laut IAB ein deutlich größeres Interesse daran, ihre rentenberechtigten Beschäftigten zu halten als große Betriebe, die dies nur bei durchschnittlich 30 Prozent der Beschäftigten versuchen. Eine Differenzierung nach Branchen zeigt, dass die Haltewünsche der Betriebe in allen Wirtschaftszweigen gestiegen sind.

Chemiebranche deutlich zugelegt

Insbesondere die Chemiebranche und das Baugewerbe, in denen 2015 solche Wünsche noch eher selten waren, haben deutlich zugelegt. Am stärksten weiche die öffentliche Verwaltung mit 20 Prozent vom allgemeinen Durchschnitt ab. Aber auch dort gehen die Zahlen nach oben und haben sich zwischen 2015 und 2018 sogar vervierfacht.

Erfolgsquote gestiegen

Auch die Erfolgsquote beim Versuch, rentenberechtigte Beschäftigte zu halten, sei zwischen 2015 und 2018 gestiegen: von durchschnittlich 83 auf 91 Prozent. Allerdings sei es wahrscheinlich, dass Betriebe nur dann versuchten, rentenberechtigte Beschäftigte zu halten, wenn dies auch Aussicht auf Erfolg habe, merken die Forscher Christian Westermeier und Mario Wolf an.

Minijobs

Unter den Maßnahmen, die Betrieben zur Verfügung haben, um ihre Beschäftigten zum Bleiben zu bewegen, nutzten die Betriebe, so das IAB, mit 51 Prozent am häufigsten den Wechsel in einen Minijob. Auf diesem Weg könne betriebsspezifisches Humankapital kostengünstig gehalten und die Einarbeitung neuer Beschäftigter organisiert werden, erläutern Westermeier und Wolf. Weiter gaben 27 Prozent der Betriebe an, den neu geregelten Hinzuverdienst zur vorgezogenen Altersrente in Anspruch genommen zu haben, der seit der Flexi-Renten-Reform im Jahr 2017 möglich ist.

Paradigmenwechsel

„Die Analyse zeigt, dass der in der Rentenpolitik bereits vollzogene Paradigmenwechsel hin zu einer Verlängerung der Lebensarbeitszeit mittlerweile in der Personalpolitik der Betriebe angekommen ist. Befördert wurde dieses Umdenken durch Fachkräfteengpässe in manchen Branchen, die sowohl aus der demografischen Entwicklung als auch aus dem Aufwärtstrend der letzten Jahre am deutschen Arbeitsmarkt resultieren“, schreiben Westermeier und Wolf. Ob sich durch die Corona-Krise etwas an diesem grundsätzlichen Trend zur Verlängerung der Lebensarbeitszeit ändere, werde sich in den kommenden Jahren zeigen. (WLI)

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