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IAB untersuchte Auswirkungen von Corona
08.07.2021

Mindestlohnsektor von Pandemie stärker betroffen

Unter anderem ist auch der Mindestlohnsektor der Zeitarbeitsbranche wegen des flexiblen Beschäftigungseinsatzes etwa in der Produktion überdurchschnittlich häufig negativ von den Auswirkungen der Corona-Pandemie betroffen. Zu diesem Ergebnis kommt das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in seiner jüngsten IAB-Stellenerhebung 12/2021.

Viele mussten in der Krise den Hut nehmen - im Mindestlohnsektor lag die Zahl höher als in den anderen Bereichen.
Viele mussten in der Krise den Hut nehmen - im Mindestlohnsektor lag die Zahl höher als in den anderen Bereichen.

Mindestlohnbetriebe seien aktuell überdurchschnittlich häufig in den Branchen tätig, in denen auch die Krisenbetroffenheit am stärksten ausgeprägt sei. Die meisten Mindestlohnunternehmen ortete das IAB im Gastgewerbe, im Bereich Kunst, Unterhaltung und Erholung sowie in der stark eingeschränkten Reisebranche. Rund 40 Prozent der Betriebe gaben laut IAB-Pressemitteilung an, negativ von der Krise betroffen zu sein, wobei sich zwischen den einzelnen Branchen deutliche Unterschiede zeigen.

Weniger offene Stellen

In Mindestlohnbetrieben wurden durchschnittlich rund 0,32 Beschäftigte weniger gesucht als im vierten Quartal 2019, während alle anderen Unternehmen, so das IAB, 0,12 offene Stellen weniger hatten als vor der Krise. Im dritten Quartal zeigte sich bereits kein signifikanter Unterschied mehr zwischen Mindestlohnbetrieben und den anderen Firmen. Mindestlohnbetriebe gaben um etwa 13 Prozent häufiger an, negativ von der Krise betroffen zu sein als andere. „Das ist insbesondere darauf zurückzuführen, dass sich Mindestlohnbetriebe vergleichsweise häufiger in Wirtschaftszweigen befinden, die von der Corona-Krise stärker betroffen sind, wie etwa das Hotel- und Gastgewerbe“, erklärt IAB-Forscher Mario Bossler.

Höhere Kurzarbeit

Die Inanspruchnahme von Kurzarbeit lag unter den Mindestlohnbetrieben um rund elf Prozent höher als im übrigen Teil der Wirtschaft. Bossler betont: „Auch wenn die Mindestlohnbetriebe stärker von der Corona-Krise betroffen waren, lässt sich nicht nachweisen, dass der Mindestlohn dafür verantwortlich ist.“ Bei den Zukunftsaussichten gibt es kaum Unterschiede zwischen den Unternehmen. „Mit etwa 94 Prozent geht der Großteil der Betriebe davon aus, zum Ende des Jahres 2021 nicht mehr im Krisenmodus zu sein“, so IAB-Forscher Erik-Benjamin Börschlein.

Belastungstest

Bis zur deutlicheren Anhebung auf 10,45 Euro, die für Mitte 2022 beschlossenen sei, erwarte der Großteil aller Mindestlohnbetriebe, die Krise überwunden zu haben. Der Mindestlohn könne damit den ersten Belastungstest in einer Arbeitsmarktkrise bestehen, erwartet das IAB. (WLI)

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