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BA-Bericht zu Entwicklungen in der Zeitarbeit
20.07.2021

Feste Größe am deutschen Arbeitsmarkt

Der neueste Bericht der Bundesagentur für Arbeit (BA) zu den Entwicklungen in der Zeitarbeit bestätigt die Faktoren, die zu einer starken Abwärtsbewegung in der Branche geührt haben: „Nach einer langen Wachstumsphase setzte im Jahr 2018 in der Zeitarbeit ein Beschäftigungsrückgang ein, der zunächst auch mit den gesetzlichen Regulierungen zusammenhängen dürfte. Die im zweiten Halbjahr 2018 einsetzende Abschwächung der konjunkturellen Dynamik dürfte diesen jedoch verstärkt und abgelöst haben. Ab 2019 ist die Ursache überwiegend in der konjunkturellen Entwicklung zu sehen“, zieht die BA im Juli-Bericht Bilanz.

Die Grafik zeigt es: Ab 2018 führten mehrere Faktoren zu einer Abwärtsbewegung der Beschäftigtenzahlen in der Zeitarbeitsbranche.
Die Grafik zeigt es: Ab 2018 führten mehrere Faktoren zu einer Abwärtsbewegung der Beschäftigtenzahlen in der Zeitarbeitsbranche.

Auch in der Zeitarbeit spiegele sich die Corona-Krise wider. Für den ge-samten Wirtschaftszweig der Zeitarbeit zeigten sich laut BA seit Jahresbeginn 2020 bereits deutliche Einbußen. Gegen Ende des Jahres habe sich allerdings bereits eine positivere Tendenz abgezeichnet. Im Jahresdurchschnitt 2020 waren 783.000 Zeitarbeitnehmer sozialversicherungspflichtig oder ausschließlich geringfügig beschäftigt. Ihr Anteil an der Gesamtbeschäftigung liege bei 2,1 Prozent.

Feste Größe am Arbeitsmarkt

„Der Bericht der Bundesagentur für Arbeit bestätigt, dass die Entwicklung in der Zeitarbeit in den vergangenen drei Jahren aufgrund verschiedener Ursachen zu einer starken Abschwächung geführt hat. Es wird höchste Zeit, dass die Politik endlich auf weitere Restriktionen wie etwa das sektorale Verbot in der Fleischwirtschaft verzichtet, damit wir die Branche zukunftssicher gestalten können. Nicht umsonst hat die BA festgestellt, dass Arbeitnehmerüberlassung eine feste Größe am deutschen Arbeitsmarkt ist und ein enger Zusammenhang zwischen der Arbeitskräftenachfrage in der Zeitarbeit und der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung besteht“, kommentiert iGZ-Hauptgeschäftsführer Werner Stolz die Zahlen.

Kurzarbeit

Als positiv werte er den von der Politik ermöglichten Einsatz von Kurzarbeit in der Branche: In der Zeitarbeit  stieg die Zahl der Kurzarbeiter mit Ausbruch der Corona-Pandemie massiv an. Im März 2020 bezogen laut BA 61.000 Beschäftigte der Branche Kurzarbeitergeld. Ihre Zahl stieg bis Mai 2020 auf 141.000 an. Ab Juni 2020 gingen die Kurzarbeiterzahlen in der Arbeitnehmerüberlassung kontinuierlich zurück und erreichten im November 2020 mit 34.000 Kurzarbeitern den vorläufig niedrigsten Wert seit Beginn der Coronakrise. Anfang 2021 stieg die Zahl der Beschäftigten in der Zeitarbeitsbranche, die verkürzt arbeiten mussten, noch einmal an. Im März 2021 sank ihre Zahl dann wieder auf 34.000, neben November 2020 der niedrigste Stand seit Beginn der Krise, so der Bericht.

Erhebliche Unterschiede

Vor Milchmädchenrechnungen in Sachen Pay Gap warnt die BA in ihren eigenen Ausführungen: „Bei Entgeltvergleichen muss beachtet werden, dass sich Leiharbeitnehmer – etwa in ihren soziodemographischen Eigenschaften oder in der Stabilität ihrer individuellen Erwerbsbiographien – von Beschäftigten in anderen Branchen teils erheblich unterscheiden. Darüber hinaus könnte eine Rolle spielen, dass die tarifvertragliche Wochenarbeitszeit in der Zeitarbeit 35 Stunden beträgt.“ Berücksichtige man zusätzlich die systematischen Unterschiede zwischen den beiden Gruppen, verringere sich die Lohndifferenz deutlich.

Statistische Zwillinge

„Wer einen realistischen Vergleich der Löhne von Zeitarbeitnehmern und Stammbeschäftigten erhalten möchte, braucht identische Arbeitnehmer, von denen die einen in der Zeitarbeit tätig sind und die anderen nicht“, erläutert Stolz. „Die Statistiker nennen das „statistische Zwillinge“. Ohne dieses Vorgehen erfährt man nicht, welchen Einfluss der Faktor Zeitarbeit auf Löhne hat“. Stolz betont, dass die Zeitarbeit längst eine hochkomplexe Branche mit vielfältigen Aufgaben und einer vielschichtigen Beschäftigungsstruktur ist, die sich nicht in einfache Pauschalstrukturen pressen lässt.

Helfertätigkeiten

Der mittlere Verdienst der Zeitarbeitnehmer war mit 1.954 € um 43 Prozent (3.427 €) niedriger. Dies, so die BA, hänge zu einem großen Teil damit zusammen, dass sich die Beschäftigungsstruktur in der Arbeitnehmerüberlassung von der der Beschäftigten insgesamt merklich unterscheidee. In der Zeitarbeit übe mehr als die Hälfte aller Vollzeitbeschäftigten (ohne Auszubildende) eine Helfertätigkeit aus (54 Prozent), die mit einer niedrigeren Entlohnung verbunden sei. Mit überdurchschnittlichen Verdiensten verbundenen Spezialisten- und Expertentätigkeiten kommen laut Bericht in der Arbeitnehmerüberlassung mit zehn Prozent hingegen vergleichsweise selten vor. (WLI)

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