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Kontakt- und Schlichtungsstelle vor zehn Jahren gegründet
03.05.2022

Ein Jahrzehnt Wogen glätten

Unternehmen müssen mehr gesellschaftliche Verantwortung übernehmen. Diesen Zeitgeist griff der iGZ bereits 2012 auf und führte einen verpflichtenden Ethik-Kodex ein. Damit dieser auch gelebt und praktiziert wird, brauchte es zeitgleich eine neutrale und unabhängige Einrichtung außerhalb des Verbandes: die Kontakt- und Schlichtungsstelle (KuSS). Die KuSS feiert nun zehn Jahre Erfolgsgeschichte.

Die Beschwerdestelle setzt sich aus drei Experten zusammen: Prof. Franz Josef Düwell, vorsitzender Richter am Bundesarbeitsgericht a.D., Holger Dahl von Holger Dahl Konfliktmanagement und Torsten Oelmann von Oelmann Consulting.
Die Beschwerdestelle setzt sich aus drei Experten zusammen: Prof. Franz Josef Düwell, vorsitzender Richter am Bundesarbeitsgericht a.D., Holger Dahl von Holger Dahl Konfliktmanagement und Torsten Oelmann von Oelmann Consulting.

„Mit der Kontakt- und Schlichtungsstelle haben wir einzigartige Branchenstandards zur Qualitätseinhaltung guter Zeitarbeit geschaffen und sind insoweit auch für andere Wirtschaftsbereiche ein Vorreiter.“, zieht iGZ-Hauptgeschäftsführer Werner Stolz Bilanz. Die Beschwerdestelle setzt sich aus drei Experten zusammen: Prof. Franz Josef Düwell, vorsitzender Richter am Bundesarbeitsgericht a.D., Holger Dahl von Holger Dahl Konfliktmanagement und Torsten Oelmann von Oelmann Consulting.

Schwierige Telefonate

Im Mai 2012 nahm die Schlichtungsstelle ihre Arbeit auf – es dauerte, bis die Stelle bei den Mitgliedern Bekanntheit erlangte. Torsten Oelmann erinnert sich noch an schwierige Telefonate in der Anfangszeit. Zuerst begegneten ihm einige noch mit Skepsis und Unverständnis: „Schlichtungsstelle? Kenne ich nicht. Wir sind Ihnen keine Auskunft schuldig!“ Doch diese Zeiten seien glücklicherweise vorbei. Mittlerweile kenne ein Großteil der Mitgliedschaft die KuSS und wisse ihre Leistungen zu schätzen. Gerade bei den Arbeitnehmern brauche es manchmal einfach einen neutralen Ansprechpartner, berichtet der Schlichtungsexperte Oelmann. Dabei nehme er fast schon eine therapeutische Funktion ein: „Die Menschen sind froh und dankbar, ihren Ärger und Frust loszuwerden.“ Allein dadurch ließen sich Konflikte lösen und einfacher Kompromisse finden.

5.000 Anfragen

In zehn Jahren konnte die KuSS bei mehr als 5.000 Anfragen helfen, Konflikte zu schlichten und zu vermeiden. Dabei werden nahezu alle Beschwerden außergerichtlich beigelegt. Von rund 500 Fällen im Jahr müssen im Schnitt nur etwa sechs von einem Richter geschlichtet werden. Dabei blieb die Zahl der Anfragen im Laufe der Jahre konstant – die Dienste der Schlichtungsstelle sind auch nach einem Jahrzehnt weiterhin sehr gefragt.

Besorgte Eltern

„So richtig lustig ist diese Arbeit nicht, aber es gibt Momente, in denen man schmunzeln kann.“ Als Beispiel nennt der Vermittler Anrufe von besorgten Eltern. Wenn das Gefühl entsteht, der Sohnemann oder die Tochter werde im Zeitarbeitsbetrieb ungerecht behandelt, greift das Elternteil selbst zum Hörer – auch wenn das Kind schon 30 Jahre alt ist. Oft heiße es dann aus der Leitung: „Ich hab‘ selber mal in der Personalabteilung gearbeitet.“ Meist sind die Einsätze jedoch zehn Jahre her. „Dann muss man vorsichtig erklären, dass sich die Umstände geändert haben“, erklärt Oelmann. „Aber die meisten sind da durchaus aufnahmefähig.“

Neutralität wahren

Was der professionelle Schlichter zu Beginn seiner Karriere bei der KuSS selbst lernen musste: Neutralität wahren und sich selbst von scheinbar eindeutigen Sachverhalten nicht beeinflussen lassen. „Es ist nicht wichtig, was ich darüber denke, sondern zu vermitteln und einen für beide Parteien tragbaren Kompromiss zu finden.“

Schnelle Lösung

In manchen Fällen geht das erstaunlich schnell: Ein Mitarbeiter beschwerte sich über einen Fehler in der Lohnabrechnung. Kaum hatte der Schlichter den Sachverhalt dem iGZ-Mitgliedsunternehmen beschrieben, kam bereits ein Dank für den Hinweis mitsamt der korrigierten Lohnabrechnung als Antwort zurück. Bereits eine Viertelstunde nach Eingang der Beschwerde konnte Oelmann den Beschwerdeführer anrufen und ihm mitteilen, dass sich der Verhalt geklärt hatte. „Der war natürlich positiv überrascht und total zufrieden mit seinem Arbeitgeber, dass es jetzt so schnell und unkompliziert ging“, erinnert sich Oelmann.

Erfolgserlebnisse

Das Erfüllende an seiner Arbeit seien eben diese Erfolgserlebnisse, wenn ein Konflikt befriedet und eine Lösung gefunden werden kann. „Das sind die schönen Momente, wenn man aus den Rückmeldungen hört, dass die Sache für alle gut geklärt worden ist.“ Oelmann ist stolz auf die Glaubwürdigkeit und Akzeptanz der Schlichtungsstelle in der Branche. Dabei war es wichtig, von Anfang an klar zu kommunizieren, dass die Stelle neutral arbeitet und nicht für den Verband oder Mitgliedsunternehmen spricht.

Erfreuliche Entwicklungen

Diesen Ruf musste sich die KuSS im Laufe der zehn Jahre erst erarbeiten. Doch auch in der Branche als Ganzes konnte Oelmann erfreuliche Entwicklungen beobachten. „Nicht nur das Image der Zeitarbeit, aber auch das der iGZ-Mitglieder hat sich positiv verändert – da ist viel passiert. Das liegt nicht nur am Ethik-Kodex und der KuSS, sondern auch viel daran, wie die Mitglieder arbeiten.“ Den Ethik-Kodex leben und soziale Verantwortung übernehmen – das passt in die moderne Arbeitswelt und die Anforderungen an die Corporate Social Responsibility (CSR) der Unternehmen.

Offener Umgang

Dennoch sieht Oelmann bei den Mitgliedern noch Luft nach oben. Er wünscht sich für die kommenden zehn Jahre einen offenen Umgang mit der Schlichtungsstelle gegenüber Bewerbern und Angestellten, denn auf Seiten der Arbeitnehmer lasse sich die Bekanntheit noch ausbauen. Dabei seien gerade diese Menschen sehr angetan von dem Angebot. Sich im Bewerbungsgespräch selbstsicher und kritikoffen zu präsentieren, hält der Experte für einen klaren Vorteil: „Die richtige Einstellung ist, die Probleme nicht als Angriff zu empfinden, sondern als Anregung, etwas zu ändern und zu verbessern.“ (GB)

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