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BA-Monatsbericht veröffentlicht
01.07.2020

Coronakrise: Zeitarbeitsmarkt bricht ein

Auch die Zeitarbeitsbranche musste der Coronakrise im April einen hohen Tribut zollen: Im Vergleich zum Vormonat sank die Zahl der Zeitarbeitnehmer um 31.200 (minus 4,6 Prozent) von 674.100 auf 642.900 Zeitarbeitskräfte. Im Vorjahresvergleich fallen die Zahlen des Statistischen Amtes der Bundesagentur für Arbeit (BA) noch wesentlich heftiger aus: Im April 2019 waren in der Zeitarbeitsbranche noch 752.500 Mitarbeiter beschäftigt – das bedeutet zu 2020 ein Minus von 109.600 (14,6 Prozent) Zeitarbeitnehmern. Im Vergleich zu 2019 schlagen sich die Auswirkungen der Konjunktureintrübung und der zusätzlichen Beschränkungen durch die Reform des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes (AÜG) nieder.

Die Wartebereiche der Arbeitsagenturen füllen sich - die BA veröffentlichte den Monatsbericht für Juni 2020, die Arbeitslosigkeit ist gestiegen. Foto: BA
Die Wartebereiche der Arbeitsagenturen füllen sich - die BA veröffentlichte den Monatsbericht für Juni 2020, die Arbeitslosigkeit ist gestiegen. Foto: BA

Die Situation spiegelt sich auch im Bereich der Stellenmeldungen wider: Ausschlaggebend für den Rückgang waren laut BA-Statistik weniger Stellenmeldungen aus der Arbeitnehmerüberlassung (minus 92.000 oder 53 Prozent), aus dem Handel (minus 26.000 oder 45 Prozent), aus dem Gastgewerbe (minus 18.000 oder 70 Prozent) und von Qualifizierten Unternehmensdienstleistern (minus 17.000 oder 39 Prozent). Fasse man die einzelnen Monate seit April zusammen, wurden seit Verschärfung der Corona-Krise 294.000 Stellen neu gemeldet, 251.000 oder 46 Prozent weniger als vor einem Jahr.

Nachfragerückgang

Fast die Hälfte des Rückgangs geht also auf die abnehmende Nachfrage von Zeitarbeitsunternehmen und dem Verarbeitenden Gewerbe zurück. Aus diesen Wirtschaftszweigen wurden jeweils rund ein Drittel weniger Stellen gemeldet als im Vorjahr. Im Juni waren 570.000 Arbeitsstellen bei der BA gemeldet, 227.000 weniger als vor einem Jahr.

Arbeitsmarkt unter Druck

„Der Arbeitsmarkt ist wegen der Corona-Pandemie weiterhin unter Druck. Der massive Einsatz von Kurzarbeit stabilisiert aber den Arbeitsmarkt“, erläuterte der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit (BA), Detlef Scheele, die Gesamtzahlen im BA-Monatsbericht für Juni 2020. Die Arbeitslosenzahl sei von Mai auf Juni infolge der Corona-Krise deutlich gestiegen, wenn auch erneut schwächer als im Vormonat. Mit 2.853.000 liege sie um 40.000 höher als im Vormonat. Saisonbereinigt entspreche das einem Zuwachs um 69.000. Gegenüber dem Vorjahr hat sich die Arbeitslosenzahl laut BA-Pressemitteilung um 637.000 erhöht. Die Arbeitslosenquote steigt um 0,1 auf 6,2 Prozent und verzeichnet im Vergleich zum Juni des vorigen Jahres ein Plus von 1,3 Prozent. Die nach dem ILO-Erwerbskonzept vom Statistischen Bundesamt ermittelte Erwerbslosenquote belief sich im Mai auf 4,4 Prozent.

Erhöhte Unterbeschäftigung

Die Unterbeschäftigung, die auch Veränderungen in der Arbeitsmarktpolitik und kurzfristiger Arbeitsunfähigkeit berücksichtigt, hat sich saisonbereinigt gegenüber dem Vormonat um 56.000 erhöht. Damit wächst die Unterbeschäftigung weniger stark als die Arbeitslosigkeit. Dies liegt zu einem großen Teil daran, dass wegen der Kontaktbeschränkungen Angebote der Arbeitsmarktpolitik nicht zum Einsatz kamen. Insgesamt lag die Unterbeschäftigung im Juni 2020 bei 3.604.000 Arbeitnehmern. Das waren 439.000 mehr als vor einem Jahr.

Kurzarbeit

Nach aktuellen Daten zu geprüften Anzeigen wurde vom 1. bis einschließlich 25. Juni für 342.000 Beschäftigte konjunkturelle Kurzarbeit angezeigt, nach 1,14 Millionen im Mai und zusammen 10,66 Millionen im März und April. Aktuelle Daten zur tatsächlichen Inanspruchnahme stehen bis April zur Verfügung. Nach vorläufigen hochgerechneten Daten der BA wurde im April für 6,83 Millionen Arbeitnehmer Kurzarbeitergeld gezahlt, nach 2,49 Millionen im März. Die Inanspruchnahme von Kurzarbeit lag damit weit über den Werten zur Zeit der Großen Rezession 2008/2009.

Erwerbstätigkeit gesunken

Die Corona-Krise habe auch zu einem Rückgang der Erwerbstätigkeit und der Beschäftigung geführt. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lag die Zahl der Erwerbstätigen (nach dem Inlandskonzept) im Mai bei 44,71 Millionen Beschäftigten und fiel im Vergleich zum Vorjahr um 531.000 niedriger aus. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung verzeichnet im April im Vergleich zum Vorjahr noch einen geringfügigen Zuwachs. Insgesamt sei sie in diesem Monat im Vergleich zum Vorjahr um 30.000 auf 33,41 Millionen Beschäftigte gestiegen. Von März auf April ergebe sich saisonbereinigt ein deutlicher Rückgang um 276.000. Ein Großteil hiervon gehe im Zusammenhang mit den coronabedingten Schließungen von Gaststätten und Hotels auf das Gastgewerbe zurück.

Ausbildungsmarkt verlangsamt

Der Ausgleich auf dem Ausbildungsmarkt habe sich im Zuge der Corona-Krise verlangsamt. Aktuell sei noch eine Verzögerung von etwa sechs bis acht Wochen zu erkennen. Von Oktober 2019 bis Juni 2020 meldeten sich bei den Agenturen für Arbeit und den Jobcentern 417.000 Bewerber für eine Ausbildungsstelle, 43.000 weniger als im Vorjahreszeitraum. Von diesen waren 210.000 im Juni noch auf der Suche. Gleichzeitig waren 479.000 betriebliche Ausbildungsstellen gemeldet, 47.000 weniger als vor einem Jahr. Auffällig zurückgegangen sind im Vergleich zum Vorjahr vor allem gemeldete betriebliche Ausbildungsstellen in Gastronomie- und Hotellerieberufen, in Metall- und Elektroberufen, im Friseurhandwerk, in kaufmännischen Berufen sowie in Informatikberufen. Im Juni waren noch 229.000 Ausbildungsstellen unbesetzt. (WLI)

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