iGZ-Mitgliedsunternehmen befragte Mitarbeiter

AÜG-Reform verunsichert Zeitarbeitnehmer

Es ist nicht alles Gold, was glänzt – und schon gar nicht glänzt die Reform des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes (AÜG), die wohl eher so überflüssig wie ein Kropf ist. So jedenfalls könnte das Fazit einer Umfrage lauten, die das unabhängige Marktforschungs- und Analyseunternehmens Lünendonk im Auftrag des iGZ-Mitgliedsunternehmens Orizon unter dessen Zeitarbeitnehmern durchführte.

Entgegen den Absichten des Gesetzgebers beschere die AÜG-Reform vielen Zeitarbeitnehmern zwar ein Gehaltsplus durch Equal Pay, gleichzeitig herrsche aber auch Angst vor häufigeren Einsatzwechseln mit Gehaltsrückgang oder einem Jobverlust. Generell, so Orizon in seiner Pressemitteilung, herrsche eine größere Unsicherheit.

Arbeitsverträge befristet

Einer der Hauptfaktoren sei die Art des Arbeitsvertrages: Rund zwei Drittel der von den Kundenunternehmen übernommenen Zeitarbeitnehmer erhielten lediglich einen befristeten Arbeitsvertrag. Zum Vergleich: In der Zeitarbeitsbranche sind rund 90 Prozent aller Arbeitsverträge unbefristet.

Einsatzwechsel

Weiterhin, so das Ergebnis, erwarten die Teilnehmer der Studie, dass Zeitarbeitnehmer als Folge der AÜG-Reform häufiger „ausgewechselt“ werden und durch diese häufigeren Einsatzwechsel auch stärkeren Schwankungen beim Gehalt ausgesetzt sind. Auch eine generell höhere Angst vor einem Jobverlust treibe die Befragten um.

Unsicherheit

Und die Stimmung sei durchaus kritisch: Rund 54 Prozent der Befragten stimmen zu, dass die Nachteile der AÜG-Reform für Zeitarbeitnehmer überwiegen. CEO Dr. Dieter Traub zieht das Fazit: „Unsere Umfrage zeigt, dass eine Gehaltssteigerung durch Übernahme oder Equal Pay unter dem Strich mit deutlich größeren Ängsten und Unsicherheiten auf Seiten der Zeitarbeitnehmer bezahlt wird. Wir müssen unseren Arbeitnehmern die Vorteile in der Zeitarbeit durch Equal Pay und eine unbefristete Beschäftigung nun noch deutlicher erklären und ihnen Sicherheit geben.“

Tendenzen

Die Umfrage fand zu einem sehr frühen Zeitpunkt statt, nachdem zum 1. Januar 2018 erstmals für eine größere Zahl von Beschäftigen die Bestimmungen zu Equal Pay wirksam wurden. Die Studie weist damit auf Tendenzen hin, die sich am Arbeitsmarkt in den kommenden Monaten verfestigen könnten – nicht zuletzt aufgrund der noch zu erwartenden Auswirkungen der Gesetzesreform.

Tiefer Einschnitt

Insbesondere das erstmalige Eintreten der 18-monatigen Höchstüberlassungsdauer am 1. Oktober 2018 wird ein weiterer tiefer Einschnitt für die Branche sein. Für die Befragung im Februar wurden rund 1.500 Zeitarbeitnehmer befragt, die zum 1. Januar 2018 von der Equal Pay-Regelung betroffen waren. (WLI)