Bild

Nach einer aktuellen Studie empfinden viele Bewerber den Aufwand bei der Jobsuche als zu hoch. Die einzelnen Schritte von Beginn der Jobsuche über das Anschreiben bis hin zum Abschluss des Bewerbungsverfahrens kosten nach Meinung der Befragten zu viel Zeit. Zeitarbeitsfirmen könnten den Bewerbungsprozess für beide Seite erleichtern.

Pilotversuch mit anonymisierten Bewerbungen

Die meisten Fälle beziehen sich auf eine mutmaßliche Benachteiligung wegen einer Behinderung und des Geschlechts (jeweils fast ein Viertel aller Beschwerden). Mit den anonymisierten Bewerbungen soll eine Benachteiligung von ethnischen Minderheiten oder Älteren verhindert werden, wie die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle, Christine Lüders, der Zeitung sagte. Bewerber müssen dann weder ein Foto, noch den Namen, die Anschrift, das Geburtsdatum, den Geburtsort und den Familienstand angeben. «Nur die Qualifikation zählt», betonte Lüders: «Unsere tägliche Beratungsarbeit belegt, dass allein die Angabe eines türkischen Nachnamens die Chance auf eine Einladung zum Gespräch deutlich reduziert.»

Vorurteile

Allerdings schütze das Verfahren nicht vor Vorurteilen im weiteren Einstellungsverfahren wie beispielsweise im Vorstellungsgespräch. «Doch manchmal ist es schon Gold wert, überhaupt eingeladen zu werden, um gegen die Schere im Kopf anzukommen», sagte Lüders. In Frankreich oder den USA ist eine anonymisierte Bewerbung in vielen Unternehmen schon lange üblich.

Vor Einführung gewarnt

Die familiengeführten Unternehmen in Deutschland haben vor der Einführung anonymisierter Bewerbungen gewarnt. "Unternehmen benötigen die Angaben von Alter und Geschlecht, weil dies für die Vergabe der meisten Arbeitsplätze von entscheidender Bedeutung ist", erklärte der Präsident der Verbandes, Patrick Adenauer. "Bewerbungsunterlagen, die Arbeitssuchende fast völlig unkenntlich machen, verteuern die Personalsuche und Einstellungen ganz erheblich", fügte er hinzu. Auswahlverfahren ohne Informationen zu Alter oder Geschlecht erforderten "unzählige zusätzliche Bewerbungsgespräche und Nachfragen". Solche Vorschriften münden in "ein großes Arbeitsbeschaffungsprogramm für Headhunter und Zeitarbeitsagenturen", erklärte Adenauer. Höherer Aufwand und Kosten bei Einstellungen schadeten vor allem Bewerbern für einfache Tätigkeiten, weil "man hier als Arbeitgeber häufig besonders kurze Entscheidungsprozesse benötigt."