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Ausland

EU-Zeitarbeitsrichtlinie regelt Equal Treatment

Im Oktober 2008 hat das Europäische Parlament die EU-Richtlinie für die Zeitarbeit verabschiedet. Seitdem gilt der Grundsatz des Equal Treatments sowie des Equal Pays in der gesamten Europäischen Union. Zusätzlich regelt die Zeitarbeitsrichtlinie unter anderem den Zugang zu Gemeinschaftseinrichtungen im Einsatzunternehmen, die berufliche Weiterbildung sowie die betriebliche Vertretung von Zeitarbeitnehmern. Abweichungen von der EU-Richtlinie sind nur möglich, wenn es in einem Land eigene Tarifverträge gibt, beispielsweise in Deutschland (Tarifvertrag) und Österreich (Kollektivvertrag). In vielen Europäische Ländern ist Zeitarbeit schon seit mehreren Jahrzehnten gesetzlich geregelt. Wie zum Beispiel in den Niederlanden, Frankreich und Österreich.

Niederländer nutzen das 3-Phasen-Modell

In den Niederlanden ist Zeitarbeit seit den 1960er Jahren gesetzlich geregelt. 2016 waren von den rund 8,4 Millionen Erwerbstätigen circa 770.000 Zeitarbeitnehmer (9,2 Prozent). 1998 wurde in den Niederlanden das 3-Phasen-Modell eingeführt:

  • Phase 1: Der Zeitarbeitnehmer erhält nur für die Dauer seines Einsatzes beim Kunden des Zeitarbeitsunternehmens einen Arbeitsvertrag.
  • Phase 2: Wenn der Zeitarbeitnehmer mindestens anderthalb Jahre bei derselben Zeitarbeitsfirma beschäftigt war, kommt er in die zweite Phase: Er bekommt einen Arbeitsvertrag, der auf zwei Jahre befristet ist. Das bedeutet, der Zeitarbeitnehmer wird auch bezahlt, wenn er bei keinem Kundenunternehmen im Einsatz ist.
  • Phase 3: Sobald der Zeitarbeitnehmer dreieinhalb Jahre für ein Zeitarbeitsunternehmen gearbeitet hat, erhält er einen unbefristeten Arbeitsvertrag. 

Zusätzlich wurde 1998 Equal Pay, also die gleiche Bezahlung von Zeitarbeitnehmern und Stammbeschäftigten, eingeführt. Zwischen Unternehmen und Gewerkschaften geschlossene Tarifverträge können jedoch zu Abweichungen führen.

Agenturprinzip in Frankreich

Im Gegensatz zu Deutschland werden Zeitarbeitnehmer in Frankreich nur für die Dauer des Einsatzes im Kundenunternehmen angestellt und bezahlt. Dieses Modell nennt sich „Agenturprinzip“. Diese gesetzlichen Regelungen gibt es seit 1972. Der Zeitarbeitnehmer muss sich nach seinem Einsatz beim Kundenunternehmen wieder arbeitslos melden und hat keine Ansprüche auf Lohnfortzahlungen. Zeitarbeitskräfte in Frankreich erhalten einen Zusatz von 10 Prozent auf das Grundgehalt eines Stammbeschäftigten. Von rund 25,12 Millionen Erwerbstätigen in Frankreich waren 2016 rund 2,2 Millionen als Zeitarbeitnehmer beschäftigt.  

In Österreich wird zwischen Angestellten und Arbeitern unterschieden

Seit 1988 wird Zeitarbeit in Österreich durch das Arbeitskräfteüberlassungsgesetz (AÜG) geregelt. Dort wird zwischen Angestellten (kaufmännische Berufe, höhere, nicht kaufmännische Dienste und Kanzleiarbeiten) und Arbeitern unterschieden. Angestellte sind dem Angestelltengesetz (AngG) und dem Kollektivvertrag (=Tarifvertrag) für Angestellte im Handwerk und Gewerbe unterstellt. Arbeiter wiederum fallen unter die Gewerbeordnung und werden nach dem Kollektivvertrag für Arbeitskräfteüberlasser entlohnt. Der Mindestlohn für Zeitarbeitnehmer richtet sich nach dem Tarifvertrag, der auf das Kundenunternehmen zutrifft. Das Entgelt richtet sich nach einem vergleichbaren Stammbeschäftigten oder nach dem ortsüblichen Tarif. Insgesamt 76.712 Zeitarbeitnehmer waren 2017 in Österreich beschäftigt, davon ca. 58.000 Arbeiter, der Rest Angestellte. Insgesamt gab es in Österreich 2017 4,26 Millionen Erwerbstätige.