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Zeitarbeit

Zeitarbeit ist ein vieldiskutiertes Thema. Viele Menschen haben hierzu eine Meinung – nur wenige kennen jedoch die Fakten. Darum stellt der iGZ hier alle relevanten Zahlen, Daten, Fakten und Hintergründe zur Verfügung.

Zeitarbeit zahlt nach Tarif, ist in aller Regel unbefristet und ist ein Arbeitsverhältnis wie jedes andere auch – nur eben mit unter Umständen wechselnden Einsatzorten. Das ist aber für viele andere dienstleistungsorientierte Branchen ebenso normal wie zum Beispiel beim Handwerk, Kundendiensten oder im Vertriebsaußendienst.

 

Grundlagen

Übersichtlich aufbereitet gibt es hier Informationen zur Funktionsweise der Zeitarbeit und interessante Fakten über Zeitarbeitsverhältnisse in Deutschland. Außerdem wird ein Blick auf die Entlohnung sowie die wirtschaftliche Bedeutung der Branche geworfen. Rechtliche Grundlagen runden das Informationsangebot ab.

Funktionsweise

Zeitarbeit funktioniert in einem sogenannten Dreiecksverhältnis. Eckpunkte in diesem Dreiecksverhältnis sind

  1. der Zeitarbeitnehmer
  2. der Zeitarbeitgeber
  3. der Einsatzbetrieb (auch: Kundenbetrieb)

Der Zeitarbeitnehmer hat einen Arbeitsvertrag mit dem Zeitarbeitsunternehmen. Das Zeitarbeitsunternehmen ist sein Arbeitgeber – mit allen daraus resultierenden Rechten und Pflichten. Also bekommt der Zeitarbeitnehmer vom Zeitarbeitsunternehmen zum Beispiel auch sein Gehalt bezahlt. Seine Arbeitsleistung erbringt der Zeitarbeitnehmer jedoch nicht bei diesem Arbeitgeber, sondern bei einem Einsatz-Unternehmen (oder aus Sicht des Zeitarbeitsunternehmens auch häufig als „Kundenunternehmen“ bezeichnet). Dort arbeitet er auf fachliche Anweisung der dortigen Vorgesetzten. Er hilft quasi im Unternehmen aus.

Dieser Einsatz wird rechtlich geregelt in einem sogenannten „Arbeitnehmerüberlassungsvertrag“. Dieser wird geschlossen zwischen dem Zeitarbeitsunternehmen und dem Einsatz-Unternehmen. Er regelt unter anderem auch, was das Einsatz-Unternehmen für den Einsatz des Zeitarbeitnehmers pro Stunde an das Zeitarbeitsunternehmen bezahlen muss. Diesen Betrag nennt man „Verrechnungssatz“.

Der Verrechnungssatz ist immer höher als das Gehalt des Zeitarbeitnehmers, denn von diesen Einnahmen muss das Zeitarbeitsunternehmen unter anderem folgende Kosten decken:

  • Gehalt des Zeitarbeitnehmers
  • Arbeitgeberanteile für die Sozialversicherung und die Berufsgenossenschaft
  • Rücklagen für Urlaub und Krankheit des Mitarbeiters (in denen natürlich ein Anspruch auf Lohnfortzahlung besteht)
  • Rücklagen für „verleihfreie Zeiten“, also Phasen, in denen es keinen Einsatz für den Mitarbeiter gibt, er aber natürlich weiterhin Anspruch auf seinen Lohn hat
  • Kosten für das „interne Personal“, z.B. die Personaldisponenten, die den Einsatz der Mitarbeiter koordinieren, begleiten und neue Einsätze versuchen hereinzuholen
  • Kosten für die Lohnbuchhaltung
  • allgemeine Bürokosten (Miete, Strom, Telefon, Papier…)

Rechtsgrundlage

Das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (AÜG) regelt die Überlassung von Arbeitnehmern durch Arbeitgeber (Unternehmen) „im Rahmen ihrer Wirtschaftlichen Tätigkeit zur Arbeitsleistung“ (§1, Abs. 1 AÜG) – also die Zeitarbeit. Es legt unter anderem folgende Grundsätze fest:

 

Erlaubnispflicht (§1-§3, §4-§5): Zeitarbeitsunternehmen benötigen eine sog. „Arbeitnehmerüberlassungserlaubnis“, die zunächst befristet wird und nach drei Jahren schließlich unbefristet erteilt werden kann.

 

Mindestlohn (§ 3a): Das AÜG lässt die Einrichtung einer „verbindlichen Lohnuntergrenze“ auf Vorschlag der Tarifvertragsparteien durch das Bundesarbeitsministerium zu. Von dieser nachträglich eingefügten Regelung wurde am 1.1.2012 erstmalig Gebrauch gemacht. Seither gibt es einen Mindestlohn für die Zeitarbeit.

 

Tariföffnungsklausel (§10, Abs. 4): Grundsätzlich muss ein Zeitarbeitnehmer genauso behandelt (und bezahlt) werden, wie ein vergleichbarer Arbeitnehmer im Einsatzbetrieb. Hiervon kann durch Anwendung eines Tarifvertrages für die Zeitarbeit abgewichen werden. Diese Regelung führt zu einer in der deutschen Arbeitswelt einmaligen Tarifbindung von nahezu 100 Prozent.

 

Gesamtes AÜG: Gesetze im Internet

Wirtschaftliche Bedeutung

Zeitarbeit nimmt wichtige Funktionen für die Wirtschaft und den Arbeitsmarkt wahr. Wieso greifen Unternehmen auf Zeitarbeit zurück?

Bedeutung für den Arbeitsmarkt

Zeitarbeit entwickelt sich moderat zur allgemeinen Beschäftigungsentwicklung

Flexibilität als Einsatzgrund für Zeitarbeit:

67 % (IW Consult, 2011)
68 % (Gesamtmetall, 2010)
87 % (Bundesbildungsministerium, 2010)

Kosten als Einsatzgrund für Zeitarbeit:

14 % (IW Consult, 2011)
15 % (Gesamtmetall, 2010)
11 % (Bundesbildungsministerium, 2010)

Welche Funktion erfüllt die Zeitarbeit für den Arbeitsmarkt?

Zeitarbeit bringt Menschen (zurück) in Arbeit. Zwei von drei Zeitarbeitnehmern waren nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit vor ihrer Tätigkeit beim Zeitarbeitsunternehmen beschäftigungslos:

IntegrationseffektZeitarbeit in Deutschland bietet einen hohen Integrationseffekt in Arbeit – auch im europäischen Vergleich.

Fragen und Antworten

Wie funktioniert Zeitarbeit?
Zeitarbeitnehmer werden – zumeist unbefristet und in jedem Fall sozialversicherungspflichtig beschäftigt – bei einem Zeitarbeitsunternehmen angestellt. Ihre Arbeit leisten sie dann in einem so genannten Kunden- oder Entleihbetrieb. Arbeitgeber ist jedoch das Zeitarbeitsunternehmen. Von dort erhalten die Arbeitnehmer auch ihren Lohn.

Wie oft wechselt der Einsatzort?
Das ist unterschiedlich und hängt von der Art der Tätigkeit ab. Manche Projektarbeiten dauern länger. Andere Tätigkeiten, zum Beispiel Krankheitsvertretungen, können kurzfristig beginnen und wieder enden. Wichtig ist zu wissen, dass das Ende eines Einsatzes in der Regel nicht automatisch auch das Ende des Beschäftigungsverhältnisses bedeutet.

Wieviel Geld verdient ein Zeitarbeitnehmer?
Zeitarbeitnehmer müssen grundsätzlich genauso bezahlt werden, wie die Mitarbeiter im Kundenbetrieb, die vergleichbare Tätigkeiten ausüben („equal pay“), es sein denn, es findet ein Tarifvertrag für die Zeitarbeit Anwendung („Tariföffnungsklausel“). Der iGZ hat einen solchen Tarifvertrag mit der DGB-Tarifgemeinschaft ausgehandelt. Dieser ist ab dem 1.11.2012 durch sogenannte Branchenzuschlagstarife etwa mit der IG Metall oder IG BCE ergänzt worden. Seit dem 1. April 2018 liegt der niedrigste Tariflohn in der Zeitarbeitsbranche bei 9,49 Euro (West) bzw. 9,27 Euro (Ost).

Woran erkennt man ein gutes Zeitarbeitsunternehmen?
Wichtig ist das Vorliegen einer Erlaubnis zur Arbeitnehmerüberlassung. Die Mitgliedschaft im iGZ begreifen wir als Qualitätssiegel. Nutzen Sie auch das Vorstellungsgespräch mit dem Personaldisponenten zum gegenseitigen Kennenlernen. Achten Sie darauf, ob Ihre Qualitäten richtig erfragt werden und auch schwierigere Punkte Ihrer Situation Berücksichtigung finden.

Ist Zeitarbeit nur etwas für Ungelernte?
Mit 30 Prozent gibt es keine Berufsgruppe, die so stark vertreten ist, wie die der Helfer. Allerdings bedeutet dies im Umkehrschluss auch, dass 70 Prozent der Zeitarbeitnehmer in anderen Bereichen eingesetzt sind. Der Bereich der höher- und hochqualifizierten gewinnt rapide an Bedeutung. Dies gilt für Facharbeiter, Ingenieure und viele Spezialisten.

Was ist, wenn ein Kundenbetrieb einen Zeitarbeitnehmer übernehmen möchte?
Dies ist in den allermeisten Fällen kein Problem. Die Übernahme von Zeitarbeitnehmern in den Kundenbetrieb ist keine Ausnahme: Schon heute bleibt jeder dritte Zeitarbeitnehmer im Kundenbetrieb „kleben“. Nicht zuletzt deswegen spricht man oft von der „Brückenfunktion“ von Zeitarbeit.

Entlohnung

In Tarifverträgen regeln diese die Rahmenbedingungen der Arbeit und auch Entgeltsteigerungen. Für Zeitarbeitnehmer in Deutschland gilt: Sie müssen grundsätzlich – auch in der Entlohnung – so behandelt werden, wie der vergleichbare Mitarbeiter im Einsatzbetrieb. Es sei denn, es kommt ein Tarifvertrag für die Zeitarbeit zur Anwendung. Eine solche tarifliche Regelung bildet aktuell die Grundlage für fast alle Zeitarbeitsverhältnisse, die es in Deutschland gibt. Eine so hohe Tarifbindung wie in der Zeitarbeit gibt es in keiner anderen Branche in Deutschland.

Mindestlohn

Der Zeitarbeitsgrundlohn ist als Branchen-Mindestlohn allgemeinverbindlich, auch für Zeitarbeitnehmer, die aus dem Ausland nach Deutschland überlassen werden. So wird hier effektiv Lohndumping ausgeschlossen.

Branchenzuschläge

Es gibt Branchen, in denen gibt es spürbare Unterschiede in der Entlohnung zwischen Mitarbeitern der Zeitarbeit und der sogenannten „Stammbelegschaft“ im Einsatzbetrieb. Für diese Branchen sind Branchenzuschlagstarife vereinbart worden. Je länger der Einsatz dauert, desto höher sind die Branchenzuschläge. Sie nähern sich in fünf Schritten und binnen neun Monaten an das Entgeltniveau im Einsatzbetrieb an und schließen so die „Tariflücke“:

Branchenzuschläge

 

Tarifvertragswerk

Im iGZ-DGB-Tarifwerk sind neben der Bezahlung auch viele andere Fragen rund um das Arbeitsverhältnis geregelt. In der Tarifhauptbroschüre sind der Entgeltrahmentarifvertrag, der Entgelttarifvertrag, der Manteltarifvertrag und der Tarifvertrag zur Beschäftigungssicherung zusammengefasst.