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Wirtschaftsweise fürchten Wirtschaftseinbruch
30.03.2020

Schwere Rezession infolge der Corona-Pandemie

„Die deutsche Wirtschaft wird 2020 deutlich schrumpfen“, heißt es in einem aktuellen Sondergutachten des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Die sogenannten Wirtschaftsweisen rechnen mit einem Einbruch des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von im schlimmsten Fall 5,4 Prozent im Gesamtjahr, im besten Fall könnte das BIP auch nur um 2,8 Prozent zurückgehen.

Zeitarbeit in der M+E-Industrie: Die Metall- und Elektro-Industrie beispielsweise war schon vor der Coronakrise in die Rezession gerutscht, wie auch neueste Zahlen zur Zeitarbeit in der Branche belegen.
Zeitarbeit in der M+E-Industrie: Die Metall- und Elektro-Industrie beispielsweise war schon vor der Coronakrise in die Rezession gerutscht, wie auch neueste Zahlen zur Zeitarbeit in der Branche belegen.

„Entscheidend für die wirtschaftliche Entwicklung dürfte sein, ob es gelingt, die Ausbreitung des Corona-Virus effektiv zu bekämpfen, sodass die verschiedenen Einschränkungen sozialer und wirtschaftlicher Aktivitäten schnell aufgehoben werden können“, schreiben die Ökonomen um den Vorsitzender des Sachverständigenrates Lars Feld in ihrem Gutachten „Die gesamtwirtschaftliche Lage angesichts der Corona-Pandemie“.

Der Sachverständigenrat hat drei denkbare Szenarien erarbeitet: „In allen drei Szenarien beendet die Ausbreitung des Corona-Virus die sich abzeichnende konjunkturelle Erholung abrupt, sodass eine Rezession im ersten Halbjahr 2020 in Deutschland nicht zu vermeiden sein wird.“

Szenario 1: Normalisierung über den Sommer

Eine Normalisierung der wirtschaftlichen Lage über den Sommer halten die Wirtschaftsweisen für am wahrscheinlichsten, sodass das BIP in diesem Jahr um 2,8 Prozent schrumpft. Zum Vergleich: 2009 war die größte europäische Volkswirtschaft infolge der globalen Finanzkrise um 5,7 Prozent eingebrochen.

Szenario 2: das „lange U“

Im schlimmsten Fall würden die gesundheitspolitischen Maßnahmen über den Sommer hinaus andauern und die wirtschaftliche Erholung sich erst im Jahr 2021 einstellen. Dann würde das Bruttoinlandsprodukt dieses Jahr um 4,5 Prozent schrumpfen und 2021 nur sehr langsam um 1,0 Prozent wachsen. Die Erholung hätte dann den Verlauf eines langen "U". Die Regierung müsste dann wohl neue Hilfspakete schnüren.

Szenario 3: das „ausgeprägte V“

In einem weiteren Risikoszenario würde es bei großflächigen Produktionsstilllegungen und ebenfalls länger andauernden gesundheitspolitischen Maßnahmen zu einem Konjunktureinbruch von 5,4 Prozent kommen. Bei einer vergleichsweise schnellen Erholung ("V"-Form) könnte es 2021 aber mit 4,9 Prozent Wachstum wieder bergauf gehen.

Unternehmerische Kapazitäten erhalten

Von der Politik fordern die Wirtschaftsweisen vor allem, Erkrankte gut zu versorgen und die Ausbreitung des Virus effektiv zu begrenzen. Zur Stabilisierung auf den Finanzmärkten trage eine "klare Kommunikation" bei. Die Erholung nach dem konjunkturellen Einbruch schließlich könne die Politik unterstützen, indem sie die unternehmerischen Kapazitäten "möglichst" erhalte, die Einkommen stabilisiere und die langfristige wirtschaftliche Entwicklung in der Krise unterstütze - etwa die Weiterbildung und die Digitalisierung fördere, rät der Sachverständigenrat.

In der Rezession sinkt der Bedarf an Zeitarbeitnehmern

Die Metall- und Elektro-Industrie beispielsweise war schon vor der Coronakrise in die Rezession gerutscht. Dies spiegelt sich auch in den Zahlen der Zeitarbeiter wider, wie eine Sonderauswertung des Betriebspanels des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) für den Arbeitgeberverband Gesamtmetall zeigt. Die Zahl der in der Metall- und Elektro-Industrie eingesetzten Zeitarbeitnehmer lag zum 30.06.2019 bei knapp 146.000 und damit bei 3,6 Prozent der Stammbelegschaft. Im Jahr zuvor waren es 212.000 bzw. 5,3 Prozent. Die Zeitarbeitsunternehmen können diesen Rückgang durch die aktuelle Kurzarbeiterregelung etwas abfangen. (SaS)

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