"Flexible Instrumente mit Anstand einsetzen"

In seiner Antwort betont der BA-Chef, dass Zeitarbeit aus zwei Gründen gebraucht werde: „Sie ist ein Instrument, um Auftragsschwankungen in den Firmen abzudecken. Mal gibt es sehr viele Aufträge, mal sehr wenige. Und für manche Menschen, die keine oder geringe formale Qualifikation haben und dem Arbeitsmarkt lange fern waren, kann Zeitarbeit ein Einstieg in Arbeit sein.“ Für die Bundesagentur für Arbeit seien Zeitarbeitsunternehmen damit Partner. Zeitarbeit sei sinnvoll und auch per se nicht ungerecht.

Anständige Zeitarbeit

Amazon allerdings bewege sich außerhalb dessen, was er in der Zeitarbeit für den Arbeitsmarkt als richtig empfinde. Weise: „Wir brauchen die Zeitarbeit, aber in einem Maße, das anständig ist.“ Wenn jedoch das Gefühl für Anstand, Ethik und Moral verloren gehe, werden laut weise sehr viele Regulierungen gebraucht. Aber so würden die Probleme nicht gelöst, denn die nächste Regelung werde dann wieder unterlaufen. Es sei besser, auf gute Unternehmensführung zu setzen. Bei Amazon, wo viele feste – auch unbefristete Arbeitsplätze geschaffen worden seien - gebe es auch dafür Hinweise.

Werkverträge notwendig

Ebenfalls thematisiert wurden Werkverträge in dem Welt-Interview: Werkverträge, so der BA-Chef, machen Sinn. Hier gelte indes das Gleiche wie bei der Zeitarbeit: „Wir haben kein flächendeckendes Phänomen des Missbrauchs, es gibt aber ein paar Anzeichen, dass man damit tarifliche Vereinbarungen unterlaufen oder Ausgründungen schaffen kann.“ Generell seien Werkverträge und Zeitarbeit notwendig, denn sonst könnte Deutschland seine gute Wettbewerbsposition auf den Weltmärkten nicht halten. „Wir müssen diese flexiblen Instrumente mit Anstand einsetzen“, betonte Weise.

Fachkräftebedarf decken

Zum Fachkräftemangel meinte er, dieser verschärfe sich kontinuierlich. „Offene Stellen sind immer länger unbesetzt. Ich sehe auch einen latenten Personalbedarf. Wenn eine Firma wachsen und hierzulande einen neuen Produktionsstandort eröffnen will, dann ist eine der ersten Fragen: Finden wir in Deutschland die richtigen Leute dafür?“ Wenn die Firma die Frage für sich mit Nein beantworte und den Standort lieber anderswo ansiedele, „dann kriegen wir davon überhaupt nichts mit“. Die BA werde alles tun, um den Fachkräftebedarf zu decken. (WLI)