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Zeitarbeit in Deutschland | Unternehmen für Zeitarbeit

Die Zeitarbeit feiert ihr Comeback

Die Geschäfte der führenden Personaldienstleister ziehen wieder an. Nach Branchenführer Randstad meldete gestern auch Adecco im dritten Quartal eine Belebung. „Erst war es nur die Finanzbranche, jetzt hat sich die positive Entwicklung etwas verbreitert“, sagte Konzernchef Patrick de Maeseneire.

Auch Konkurrent Randstad sieht eine Trendwende: „Das Deutschland-Geschäft hat während des gesamten Quartals wieder angezogen“, meldete der Branchenprimus in der vergangenen Woche. Nachdem zunächst die Nachfrage aus dem Bankensektor gestiegen ist, fragt nun vor allem auch die Industrie wieder verstärkt Leiharbeiter nach. Das gilt für Nordamerika und Frankreich, etwas verhaltener aber auch in Deutschland. (...)

Konjunkturindikator

Die Zeitarbeit gilt als einer der wichtigsten Konjunkturindikatoren. In Krisenzeiten werden Zeitarbeiter am schnellsten entlassen – weil das am einfachsten ist. Bei den ersten Anzeichen einer Erholung werden sie aber auch als Erste wieder engagiert – weil sich Unternehmen so eine gewisse Flexibilität erhalten. Insgesamt liegen die Umsätze der großen Personaldienstleister aber immer noch unter Vorjahr. (...)

Fesseln gelockert

Deutschland ist für die Branche erst seit 2003 richtig interessant: Damals lockerte die rot-grüne Bundesregierung der Leiharbeit die Fesseln, seitdem dürfen Zeitarbeiter beispielsweise länger als ein Jahr in einem Unternehmen eingesetzt werden. Für Politik und Wirtschaft war das zunächst eine Erfolgsgeschichte: 60 Prozent der Zeitarbeiter waren zuvor arbeitslos. Kaum eine Branche hat vom Aufschwung in den Boomjahren 2005 bis 2008 so profitiert wie die Personalvermittler. Kaum eine Branche wurde aber auch so vom Absturz im vergangenen Herbst getroffen wie die fast 20 000 Personalvermittler in Deutschland.

Wende zeichnet sich ab

Doch nun zeichnet sich eine Wende ab: In Deutschland zeigen die Beschäftigtenzahlen seit Mai wieder nach oben. Dem Zeitarbeitsindex des Bundesverbandes Zeitarbeit zufolge sind seitdem 71 000 neue Jobs entstanden, die allerdings zum Teil auf eine saisonübliche Entwicklung zurückzuführen sind. Aktuell sind damit 588 000 Menschen in der Zeitarbeitsbranche beschäftigt. Noch vor einem Jahr beschäftigten die Personaldienstleister allerdings im Schnitt 200 000 Menschen mehr in Deutschland.

30 Prozent Rückgang

„Insgesamt rechnen wir mit einem Rückgang in der Zeitarbeitsbranche von rund 30 Prozent in diesem Jahr“, sagt Hartmut Lüerßen vom Marktforschungsunternehmen Lünendonk. Weggefallen sind vor allem Hilfstätigkeiten in Lager und Produktion. „Mittelfristig wird die Zahl der Zeitarbeiter in Deutschland wieder kräftig steigen“, ist sich der Experte sicher.

Schutz für Stammbelegschaft

Wie weit Unternehmen gehen können, zeigt das Beispiel Airbus Deutschland. Nach zahlreichen Krisen der Vergangenheit hat sich der Flugzeugbauer entschlossen, massiv auf Zeitarbeiter zu setzen. So stehen 17 500 fest angestellten Airbus-Beschäftigten 6500 Zeitarbeiter gegenüber. Die Rechnung geht für Gewerkschaften und Betriebsräte auf: Die Betriebsvereinbarung „Sicherheit durch Flexibilität“ schützt die Stammbelegschaft.

Katalysator

„Die Krise könnte für die Zeitarbeit in Deutschland als Katalysator wirken“, sagt Branchenexperte Hartmut Lüerßen. Der jüngsten Lünendonk-Studie zufolge verschiebt sich die Nachfrage nach Zeitarbeitskräften im kommenden Jahr. Während Autoindustrie und Logistik in der Bedeutung abnehmen, dürften Dienstleister, Gesundheits- und Umweltbranche an Bedeutung zunehmen. Die Zeitarbeitsfirmen konzentrieren sich auf höherqualifizierte Berufsgruppen, die Nachfrage ist hier weniger konjunkturanfällig“, sagt Lüerßen.

Qualifizierung

Das zahlt sich aus: „Wir sind von der Krise nicht so stark getroffen wie etwa Adecco. In Branchen wie Pharma haben wir trotz Krise sogar ein leichtes Wachstum gesehen“, sagt Frank Schabel, Marketingchef der deutschen Tochter der Hays-Gruppe, die vor allem auf höherqualifizierte Berufsgruppen wie Ingenieure oder Chemiker setzt. „Unternehmen nutzen die Flexibilität externer Experten. In der Krise, aber auch, wenn es wieder aufwärtsgeht“, sagt Schabel. (Handelsblatt, 06.11.09)