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(Zeitarbeits-)Jahr 2021: Freude oder Furcht?  

Wird 2021 zum Lachen oder zum Weinen?

Wird 2021 ein Jahr zum Freuen oder Fürchten für die Zeitarbeitsbranche? Vor allem wohl ein Jahr anhaltender Ungewissheiten und fortgesetzter Veränderungen.

Ungewiss, wie schnell die Pandemie durch Kontaktbeschränkungen wieder eine neue Normalität im gesellschaftlichen Miteinander zulassen wird. Ungewiss, wie stark der Lockdown die Konjunktur weiter abkühlt. Erst wenn das Infektionsgeschehen deutlich abflacht (und eine „Herdenimmunität“ in der Bevölkerung durch die angelaufenen Schutzimpfungen möglichst schnell erreicht wird), wird die deutsche Wirtschaft auf ihren Erholungspfad zurückkehren können.

Die Coronakrise hat sich natürlich auf die Arbeitnehmerüberlassung negativ ausgewirkt. Auch wenn der aktuelle Januar-Monatsbericht der Bundesagentur für Arbeit feststellt, dass die saisonbereinigte Beschäftigung mit 9.000 Personen gegenüber dem Vormonat wieder leicht gestiegen ist, so gibt es im Vorjahresvergleich einen Rückgang von 72.000 oder -6,5 Prozent. Der Grund für diesen Einbruch ist aber nicht nur das vom Coronavirus geprägte Krisenjahr 2020.  Anhaltende strukturelle Umbrüche etwa im Automobil(zulieferer)bereich (Beschäftigungsrückgang in der Metall- und Elektro-Industrie um 151.000 Beschäftigte oder -6,5 Prozent) wirken sich seit geraumer Zeit negativ auf die dortige Zeitarbeitsnachfrage aus. Durch die gesetzlich eingeräumten Kurzarbeitsregelungen auch für Personaldienstleister ist die Branche gemessen an den Herausforderungen bislang glimpflicher davongekommen, als zu befürchten war. Entgegen aller Unkenrufe gibt es in der Zeitarbeit kein leichtfertiges „hire and fire“, sondern ein großes Interesse, die Beschäftigten auch durch Abbau von Überstunden und Arbeitszeitkonten möglichst lange zu halten.

Mehr Klimaschutz und Digitalisierung

Insgesamt beschleunigt der Corona-Schock den Strukturwandel in der gesamten Wirtschaft hin zu mehr Klimaschutz und Digitalisierung. Diese Umbrüche haben auch Auswirkungen auf die Zeitarbeit. Die Einsatz- und Qualifikationsanforderungen werden sich zukünftig sicherlich ändern. Das früher weit verbreitete „Bauchladenprinzip“ ist längst kein Markt-Renner mehr. 

Wird die Krise im Laufe des Jahres hoffentlich keine dominierende Rolle mehr spielen, rücken „alte Themen“ wie der enorme Fachkräftebedarf der Unternehmen erneut in den Vordergrund. Die Alterung der Bevölkerung durch den beginnenden Renteneintritt der Babyboomer wird sich im neuen Jahrzehnt massiv beschleunigen. Bessere Zuwanderungsoptionen, eine höhere Erwerbsbeteiligung von Frauen und älteren Beschäftigten sowie andere bislang ungenutzte Potenziale müssen erschlossen werden, da sonst der Wirtschaftsmotor ins Stottern kommt. Ohne die Zeitarbeitsakteure als Vermittlungs-Profis mit ihren arbeitsmarktpolitischen Brücken- und Integrationsfähigkeiten wird es bei der Bewältigung dieser großen Herausforderungen nicht gut funktionieren. 

Superwahljahr 2021

In sechs Bundesländer werden in diesem Jahr neue Parlamente und Regierungen gewählt. Im Bund endet mit dem Ausscheiden von Bundeskanzlerin Angela Merkel eine Ära. Leider mussten wir in der Vergangenheit immer wieder die Erfahrung machen, dass die Parteien durch das Bedürfnis nach emotionaler Mobilisierung und inhaltlicher Abgrenzung häufig auch die flexiblen Beschäftigungsformen ins ideologische Visier genommen haben. Sorgen wir also mit unserem Geschäftsgebaren dafür, dass dieses Fahrwasser nicht neue Quellen erhält. 

Mutige Reformen statt unsachlicher Verbote

Für einen Neustart nach der Pandemie benötigten die Betriebe Rückenwind von der Politik: Vorfahrt für Wachstum und Arbeitsplätze, für mehr Dynamik und stetige Innovationen. Dazu ist bislang von der Politik recht wenig zu hören. Statt unsachlicher Verbots- oder Restriktionsdebatten braucht Deutschland für wichtige Bereiche unserer Gesellschaft eine Erneuerung von Strukturen, die krisenresistenter sind als bisher. Diese mutigen Reformen sind notwendig, um unseren Sozialstaat auch in Zukunft zu erhalten und unsere Wirtschaft auf die Herausforderungen der Globalisierung und des Älterwerdens unserer Gesellschaft einzustellen. Es darf nicht sein, dass in dieser schwierigen Situation auf unverantwortliche Weise vorhandene Verunsicherungen der Bürger instrumentalisiert werden. Mit populistischen Kampagnen wurden nur Ängste geweckt und geschürt, weil nachhaltige Reformen nicht auf Knopfdruck wirken. Vielfach werden ihre positiven Wirkungen erst später zu spüren sein.

Unsere Branchendevise sollte also auch 2021 lauten: selbstbewusst auftreten, die Leistungen nicht unter den Scheffel stellen, Veränderungen unternehmerisch tatkräftig aufgreifen und weiterhin als Problemlöser eine anerkannte Rolle spielen. Dies macht Freude und gibt keinen Anlass zur Furcht!

Über den Autor:

Werner Stolz ist seit fast 20 Jahren Hauptgeschäftsführer des iGZ. Nach seinem Studium der Rechtswissenschaften und Betriebswirtschaft war er zuvor mehrere Jahre als selbständiger Anwalt tätig.