Direkt zum Inhalt

Benutzeranmeldung

Blog

Zeitarbeits-Agenda nach Corona: Fahrplan ohne ideologische Sackgassen

Auch nach der hoffentlich bald beendeten Coronakrise mit den bekannten Einschränkungen bleibt die Erkenntnis: Digitalisierung, Globalisierung und der technologische sowie demographische Wandel führen zu drastischen Veränderungen in unserer Arbeitswelt. Die „Arbeitsmarktprognose“ ist immer eine strategische Vorausschau auf die Entwicklung von Angebot und Nachfrage in Deutschland. Die Strukturen werden sich von der Dienstleistungs- zur Wissensökonomie stark verändern. Damit sind auch gesellschaftliche Umbrüche verbunden, die nicht ignoriert werden dürfen. Der einmal erlernte Beruf wird nicht die Tätigkeit bis zum Renteneintrittsalter sein. Schon jetzt sieht man bei Bewerbungen die vielen unsteten Erwerbsbiografien.

Durch die voranschreitende Automatisierung wird der Arbeitsmarkt weiter tiefgreifend umgewälzt. Repetitive Arbeiten können von Maschinen erledigt werden und Algorithmen übernehmen die Verwaltung sowie Auswertung der gewonnenen Daten. Was hingegen gefragter wird als je zuvor, sind kreative Unternehmen, die mit außergewöhnlichen Visionen Geschäftsprozesse verbessern und neue Ideen liefern können. Denn Maschinen programmieren sich nicht selbständig und bisher kann künstliche Intelligenz weder kreativ noch sozial-emotional denken und handeln.

Laut dem Statistischen Bundesamt wird die Zahl der Erwerbstätigen bis 2050 von rund 61 Prozent auf bis zu 52 Prozent sinken. Dies bedeutet, dass der deutschen Wirtschaft durch die Ruhestandswelle der Babyboomer bis zu 15 Millionen Arbeitskräfte verloren gehen.

Vor dem Hintergrund dieser enormen Veränderungsprozesse haben aber auch viele Menschen bei uns schlicht und ergreifend Angst, den Anschluss zu verpassen und auf der Strecke zu bleiben.

Welche Rolle kann eine hierauf ausgerichtete moderne Zeitarbeit spielen? Brauchen wir ein neues Selbstverständnis oder veränderte Rahmenbedingungen für die zukünftigen Herausforderungen?

Die Potentiale der Zeitarbeit sind längst hinreichend dokumentiert (leider aber noch nicht in allen Köpfen vorurteilsfrei angekommen): hohe Integrationserfolge in den Arbeitsmarkt, gewünschte Flexibilität nebst tariflicher Sicherheit für individuelle Lebensführungen sowie hoher volkswirtschaftlicher Nutzen durch erfolgreiches Übergangsmanagement bei Brüchen im Lebenslauf.

Deshalb ist es grundfalsch und zerstört Chancen, wenn die Branche vom Gesetzgeber immer mal wieder ideologisch unter „prekären Generalverdacht“ gestellt und mit Restriktionen, sektoralen Verboten oder übermäßiger Bürokratie belegt werden soll. Nur mit einer kontrollierten Entfesselung legt man Wertschöpfungsketten frei und schafft Mehrwerte für alle. Auch dies eine Lehre aus der oft verpönten Schröderschen Agenda 2010, die aber nachweisbar zur Vollbeschäftigung und sprudelnden öffentlichen Kassen geführt hat. Dies verschaffte finanzielle Spielräume für längst dringend notwendige Investitionen in Zukunftstechnologien etwa zur Verbesserung der Umwelt, in digitale Bildung, die immer notwendiger wird und ermöglicht nicht zuletzt ein stabiles Sozialnetz, damit keiner ins Bodenlose abstürzen muss.

Ergo: Die Zeitarbeit gehört als nützliche Maklerin zu den positiven Faktoren nach Corona, weil sie gleichsam für Flexibilität und Sicherheit steht und zusätzlich weitere wichtige Bedürfnisse erfüllt. Die Branche sollte insoweit viel mehr gefordert und gefördert statt drangsaliert werden.

Von RA Werner Stolz (iGZ-Hauptgeschäftsführer)

Über den Autor:

Werner Stolz hat während seiner hauptamtlichen Tätigkeit beim iGZ seit Anfang 2001 den damaligen kleinen Verbund von 180 mittelständischen Zeitarbeitsunternehmen zum mitgliederstärksten und professionell aufgestellten Arbeitgeberverband iGZ mit gegenwärtig über 3.700 Personaldienstleistern weiterentwickelt. Zuvor studierte er Rechtswissenschaften an der Universität Münster sowie Volks-/Betriebswirtschaft an der Fernuniversität Hagen und arbeitete nach erfolgreichem Abschluss der Staatsexamina als selbstständiger Rechtsanwalt in einer Hammer OLG-Kanzlei und in münsterschen Sozietäten.