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Zeitarbeit und Corona: Faktenlose DGB-Behauptungen

Eine Person im Krankenbett umgeben von Coronaviren und einem Fragezeichen.

Der DGB verbreitet die Botschaft, wonach Zeitarbeitnehmer dreimal häufiger aufgrund des Corona-Virus in einer Klinik behandelt werden müssen. Er nimmt dabei Bezug auf eine Analyse von Routinedaten der Krankenkasse Barmer. Diese ist jedoch nicht repräsentativ: Die Aussage wird auf Basis von 44 Fällen getroffen. Das ist statistisch absolut unseriös. Ein höheres Corona-Erkrankungsrisiko von Zeitarbeitnehmern ist statistisch nicht erwiesen. Hier wird Corona wieder einmal als Trojanisches Pferd benutzt, lange geforderte Regulierungen in der Zeitarbeit durchzusetzen. Die Barmer Ersatzkasse selbst weist in ihrer Untersuchung darauf hin, dass die Zahlen zudem „keine Zufallsstichprobe der Bevölkerung“ darstelle.

Dabei begehen Barmer und DGB im Gleichschritt noch dazu einen weiteren Fehler: Sie vergleichen das Beschäftigungsverhältnis Zeitarbeit mit einzelnen Branchen. Richtig und seriös wäre es jedoch, Zeitarbeitnehmer im Kita- oder Pflege-Einsatz mit Erziehern oder Pflegekräften in Festanstellung zu vergleichen. So, wie das beispielsweise die TKK oder die AOK tun. Ansonsten entstehen "Ergebnisse" ohne Aussagekraft. Das allerdings stört den DGB scheinbar überhaupt nicht, denn er liefert die möglichen Gründe für die nicht bewiesenen erhöhten Infektionsrisiken der Zeitarbeitnehmer gleich mit: Es liege an unklaren Zuständigkeiten beim Arbeitsschutz, extremen klimatische Arbeitsbedingungen, Einsatzwechseltätigkeiten und einem überdurchschnittlich hohen Anteil ausländischer Mitarbeiter in der Zeitarbeit. Die DGB-Schlussfolgerung: Mehr Kontrollen.

Hierzu ist Folgendes zu erwähnen:

  • Der Arbeitsschutz hat in der Zeitarbeit eine besondere Bedeutung. Sowohl das Zeitarbeitsunternehmen, der Arbeitgeber als auch das Einsatzunternehmen sind für die Arbeitssituation vor Ort verantwortlich und teilen sich die Zuständigkeit. Das führt nicht, wie vom DGB behauptet, zu Verwirrung ob der Abstimmungen, sondern zu einer doppelten Verantwortung. Seit Jahren sinkende Unfallzahlen in der Zeitarbeit belegen das.
  • Die besonderen Arbeitsbedingungen, zum Beispiel bei der Fleischzerlegung, haben sicherlich einen Bezug zum Infektionsrisiko. Allerdings unabhängig vom Beschäftigungsverhältnis: Das Virus unterscheidet nicht zwischen Festanstellung und Zeitarbeit. Das belegen die weiteren Infektionsherde in diesen Unternehmen, von denen auch nach dem weitestgehenden Ende des Einsatzes flexibler Beschäftigung weiter zu lesen ist: Das zeigen jüngste Fälle in Husum und Hamm.
  • Zeitarbeit ist vom Prinzip her eine Einsatzwechseltätigkeit. Der ständige Wechsel ist allerdings nicht der Standard. Das weiß der DGB auch. Deswegen hat er sich auch immer für die Einführung einer maximalen Überlassungsdauer eingesetzt. Diese liegt nun bei 18 Monaten. Der Wechsel kommt in Einzelfällen durchaus vor. Aber er ist kein Massenphänomen. Und keinesfalls ist er so intensiv wie zum Beispiel bei Monteuren, die täglich mehrere verschiedene Arbeitsplätze und Kontaktpersonen vorfinden.
  • Der DGB unterstellt, dass es eine Verbindung zwischen der Nationalität der Arbeitnehmer und ihrer Unterbringungssituation gibt. Das mag mit Blick auf Geflüchtete korrekt sein. Ansonsten verstört der Hinweis allerdings. Ausländische Mitarbeiter wohnen ja nicht grundsätzlich in Massenunterkünften. Die Schlussfolgerung aus diesem Argument bleibt auch offen: Möchte der DGB jetzt nicht mehr, dass die Zeitarbeit für viele Geflüchtete ein Integrationsmotor in Arbeit darstellt?

Zur Erinnerung:  Zeitarbeit ist eine Branche, in der alle Unternehmen eine Erlaubnis von der Bundesagentur für Arbeit brauchen und die unter ständiger Kontrolle, auch durch die Zollbehörden, stehen. Der DGB sollte also nicht mit fadenscheinigen „Belegen“ im Windschatten von Corona alten Forderungen vermeintlich mehr Nachdruck verleihen. Es ist eher ein unseriöses, da faktenloses Unterfangen!

Ein Bild von Marcel Speker.

Über den Autor

Marcel Speker ist studierter Politikwissenschaftler und ausgebildeter Redakteur. Er verfügt über Erfahrungen als Journalist und Autor. Als Pressesprecher war er im politischen und arbeitgeberverbandlichen Umfeld, u.a. beim Spitzenverband der rheinland-pfälzischen Wirtschaft (LVU) und dem Verband der Pfälzischen Metallund Elektroindustrie tätig. Er ist Digitalisierungsbeauftragter beim iGZ und seit 2012 leitet er die Kommunikationsabteilung und ist dort zuständig für die Referate Newsdesk, Veranstaltungen und Verbandsmarketing.