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„Unter den Rumänen regiert die Angst!“

Seit die Bundesregierung plant, Zeitarbeit in der Fleischindustrie zu verbieten, wissen die Arbeiter nicht mehr, wie ihre Zukunft aussieht!

Violeta Leica ist 22 Jahre alt und stammt aus Rumänien. Ihr Deutsch ist sehr gut, dabei lebt die ehemalige Tourismusstudentin erst drei Jahre in Westfalen. „Ich habe Angst um meinen Job“, sagt sie freimütig. Violeta Leica betreut rumänische Zeitarbeiter. Alle haben Angst, seit die Bundesregierung diskutiert, Zeitarbeit in deutschen Schlachthöfen zu verbieten. „Wir haben doch alles richtig gemacht, bei uns hat keiner Corona“, sagt auch ihr Chef Eduard Bermann. Rund 150 Mitarbeiter hat sein mittelständisches Unternehmen, rund die Hälfte arbeiten in der Fleischverarbeitung.

Tausende Rumänen bangen um ihre Zukunft

Der Schlachtriese Tönnies hat tausende Arbeiter in eine Krise gestürzt. Aber nicht nur seine eigenen Helfer an den Bändern, auch Tausende Rumänen, die hier bei anderen Arbeitgebern hart arbeiten und sich eine Zukunft aufbauen wollten. „Vor allem die Jungen wollen bleiben“, sagt die Personaldisponentin. „Wenn sie Deutsch sprechen, können sie schnell aufsteigen zum Maschinenführer.“ 2.000 Euro brutto gibt es dafür, tariflich festgelegt, mit 40-Stunden-Woche, 24 Tagen Urlaub, Fortzahlung im Krankheitsfall, Weihnachts- und Urlaubsgeld - ein sozialversicherungspflichtiger Beruf, wie ihn die Mehrheit in unserem Land hat.

Viele Fragen kommen jetzt auf

In Rumänien gebe es rund 350 Euro netto monatlich, sagt Leica. Der Mindestlohn beträgt 2,81 Euro. Die Mitarbeiter würden jetzt viel fragen: Wie geht es mit uns weiter? Einige hätten sich ein Auto gekauft: Wer soll die Rate von 300 Euro bezahlen, wenn hier der Job wegfällt? Seit der Coronakrise steigt auch im EU-Land am Schwarzen Meer die Arbeitslosenzahl sprunghaft an. Viele dieser EU-Bürger waren froh, hier ein Auskommen zu haben. Zwei bis dreimal die Woche geht Leica zu den Mitarbeitern nach Hause, hilft, wenn es Schwierigkeiten mit Behörden gibt oder es Arzttermine zu koordinieren gilt.

Existenz gefährdet

Die Mitarbeiter wohnen in Mietwohnungen, jeder hat ein Zimmer. „Ich behandele meine Leute anständig,“ sagt Firmeninhaber Bermann. Er kann es nicht fassen, dass ihm die Bundesregierung seine Existenz gefährden will. Der Familienvater schrieb an Abgeordnete, sogar an Angela Merkel. Weil nur nichtssagende Antworten kamen, hat er eine Petition eingereicht. „Ich werde dauernd kontrolliert, muss eine Arbeitnehmerüberlassungs-Erlaubnis haben, die kontrolliert die Bundesagentur für Arbeit. Regelmäßig tauchen auch Beamte in den Räumen der bundesrepublikanischen Personaldienstleister auf. Jeder Arbeitsvertrag muss genauestens protokolliert, jeder Arbeitseinsatz genauesten festgehalten werden.

Prüfvorschriften sind stark angezogen worden

Seit der Novellierung des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes 2017 sind die Prüfvorschriften auf Druck der Gewerkschaften stark angezogen worden. Häufig fahren auch Beamte in Schutzkleidung vor.“ Die Zöllner prüfen, ob die Lohnuntergrenze eingehalten wird. Seit 2003 gibt es für die Zeitarbeit Tarifverträge mit den Gewerkschaften, allgemein verbindlich, wer trickst kann mit einem Bußgeld von bis zu 50.000 Euro rechnen und seine Konzession verlieren. Als Verlierer fühlt sich Bermann jetzt schon: „Ich soll für die Verfehlungen anderer büßen?“ So hatte sich der Personaldienstleister, der im Jahr 2008 sein Unternehmen in Bielefeld gründete, den Rechtsstaat nicht vorgestellt.

Von Andrea Resigkeit, iGZ-Fachbereichsleiterin Grundsatz im Hauptstadtbüro Berlin

Über die Autorin:

Andrea Resigkeit ist iGZ-Fachbereichsleiterin Grundsatz. Seit 1. Juli 2009 leitet Andrea Resigkeit das iGZ-Hauptstadtbüros in Berlin. Sie ist Journalistin und hat für zahlreiche Tageszeitungen und das Fernsehen gearbeitet. Zuvor war sie stellvertretende Hauptgeschäftsführerin der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA).