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Online-Barcamps für Einsteiger

Online-Barcamps stellen die Veranstalter vor neue Herausforderungen.

Barcamps sind sogenannte „Un-Konferenzen“, die im Gegensatz zu richtigen Konferenzen auf ein festes Programm und bestimmte Referenten verzichten. Jeder Teilnehmer ist zugleich Teil-Geber, der, gleichberechtigt neben allen anderen, sein Erfahrungswissen einbringt und im Gegenzug vom Erfahrungsschatz der anderen Teilnehmer profitiert. Diskutiert werden ausschließlich Wunsch-Themen, die – bei Barcamps, die als Präsenzveranstaltung stattfinden – gleich zu Beginn auf einem Flipchart notiert werden. Das weckt Motivation, sich aktiv einzubringen. Aber: Kann man dieses Format auch online umsetzen?

Sessionplan auf GoogleDocs

Man kann! Genau das habe ich erlebt, als ich im September dieses Jahres am „CLC20 HYBRID“ der Corporate Learning Community, eines Netzwerks von Lern-Experten, teilnahm. Rund sechs Wochen vorher hatte ich mich zur Online-Teilnahme angemeldet. Danach stieg die Vorfreude täglich. Und ich wurde nicht enttäuscht: Schon etwa 4 Wochen vor dem Termin gab es ein frei zugängliches GoogleDocs-Dokument auf der Internetseite des Camps mit dem Sessionplan, der sich nach und nach füllte. So konnte ich mir frühzeitig meine Wunsch-Themen zusammenstellen und mich in der Zwischenzeit auch auf diese Themen vorbereiten.

Holpriger Start mit ZOOM

Am Veranstaltungstag selbst ging mir dann doch ein wenig die Pumpe, als ich meinen Rechner hochfuhr: Würde das Experiment gelingen? Würde etwas von dem inspirierenden Flair vergangener Präsenz-Barcamps entstehen, auch wenn sich das Gros der Teilnehmer erstmals nicht ‚live und in Farbe‘ begegnete? Für die 390 Anmeldungen hatten die Veranstalter vorsorglich ZOOM mit der “Large Meeting Option für 500 Teilnehmer” ausgestattet. Ich hatte mich schon sehr früh eingeloggt, um von der ersten Minute an dabei zu sein. Doch die Teilnehmerzahlen der Eröffnungsrunde stagnierten plötzlich bei 100! Später stellte sich heraus, dass ein fehlendes Häkchen in den Benutzereinstellungen einem größeren Teilnehmerkreis den Zugriff verwehrt hatte. Schnell wurde ein Youtube-Live-Stream eingerichtet, über den schließlich auch die übrigen Interessenten die Begrüßung miterleben konnten. Eine wunderbare Spontan-Reaktion der Community! 

Tipps und Impulse

Nach der Begrüßungsrunde ging’s dann hinein in die einzelnen Sessions. Über die entsprechenden Links im Sessionplan konnte ich die von mir favorisierten Themen direkt ansteuern. Dabei kamen Konferenzsysteme wie Zoom, TEAMS oder BlueJeans zum Einsatz. In meiner ersten Session um 11 Uhr erwartete mich eine gut aufgelegte Linda Zolliker von der Connect Solutions AG als „Session-Owner“ im Kreise 15 weiterer dazugeschalteter Teilnehmer. Linda Zolliker hatte bei der Swiss Connect Academy einen Blended Learning Lehrgang zum Thema Leadership Management aufgesetzt und berichtete darüber. Daraus ergab sich ein spannendes Gespräch aller Teilnehmer über Punkte, die bei der Gestaltung von Blended Learnings zu beachten sind: Es muss regelmäßige Train-the-Trainer-Fortbildungen geben, um fit zu werden für die digitale Wissensvermittlung, bestimmte Dozenten-Fragen sollten vorab geklärt werden, zum Beispiel: Wie gestalte ich den ‚Icebreaker‘ virtuell? Und schließlich die Frage: Wie kann ich Online-Seminare so spannend gestalten, dass alle Teilnehmer „dranbleiben“ und nicht zwischendurch abschalten? Hier konnte ich jede Menge guter Tipps und Impulse mitnehmen.

Persönlicher Austausch im Vordergrund

Weiter ging’s mit „Individuellen und teambasierten Lernmethoden“ auf Initiative von Angelika Raab und Jürgen Latteyer, Corporate Learning Coaches bei der DATEV. Auch hier wieder: Spannender Austausch und bereichernde Teilnehmer-Inputs von allen Seiten. Und schließlich, am frühen Nachmittag, endlich die Session zu meinem Lieblings-Thema: „Online-Barcamps für Einsteiger“ mit Hannes Kropf, Agiler Coach bei ITERGO, und zahlreichen Interessenten aus der Nähe und der Ferne. 
Hier sah der Erkenntnis-Gewinn dann so aus, dass ein Technik-Check zwei Tage vor dem Start in jedem Fall ratsam ist, um bei Bedarf rechtzeitig nachjustieren zu können. Deutlich gemacht werden sollten ebenfalls die Spielregeln, zum Beispiel „Kamera an!“, denn auch Online-Barcamps leben vom persönlichen Austausch. Ideal sei eine Vorstellungsrunde, bei der jeder drei „Hashtags“ zu seiner Person benennen könne. Für die Vernetzung der Barcamp-Teilnehmer untereinander biete es sich an, je vier Teilnehmer für 45 Minuten in sogenannte „Breakout Rooms“ zu entsenden. Das sind abgetrennte virtuelle Räume bei Zoom, aus denen dann nachher wieder alle Teilnehmer zur Ergebnisbesprechung in einer zentralen ZOOM-Sitzung zusammengeführt werden können. Weitere Interaktionsmöglichkeiten können sich über die Einbindung der interaktiven Präsentations-Software Mentimeter ergeben, einer Software, mit der zum Beispiel Erwartungen der Teilnehmer an ein Barcamp ermittelt und für alle sichtbar gemacht werden können. Grundsätzlich ist es wichtig, immer drei Ansprechpartner im Orga-Team vorzuhalten: Einen für die Technik, einen Moderator und einen für den allgemeinen Support, damit bei komplexen Fragestellungen kein Durcheinander entsteht. Gecheckt!
Dokumentation der Sessions
Im Nachgang zu diesem durchweg informativen und spannenden Online-Barcamp führten Links aus jeder Session zu einem Dokumentations-Kapitel im digitalen Sessionplan, der mir ja bereits bei der Vorbereitung auf das Barcamp gute Dienste geleistet hatte. Und so habe ich bei diesem Online-Event nicht nur bereichernde Lernerfahrungen und wertvolle Kontakte zu Lern-Experten bundesweit und darüber hinaus gewonnen, sondern zugleich wegweisende Informationen für die weitere Ausgestaltung unserer iGZ-Bildungsveranstaltungen und iGZ-Lernwelt erhalten.

Über die Autorin

Bettina Richter studierte Anglistik, Romanistik und Politikwissenschaften an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Nach ihrem Tageszeitungsvolontariat und mehrjähriger Redakteurstätigkeit sammelte sie Erfahrungen als Pressereferentin und Online-Redakteurin. Seit Anfang 2015 arbeitet Bettina Richter für den iGZ, wo sie seit Juni 2018 gemeinsam mit dem Fachbereich Bildung die Themen „Digitale Bildung“ und neuerdings auch „Ausbildung“ vorantreibt.