Direkt zum Inhalt
Printer Friendly, PDF & Email

Neue Beweise vorgelegt: Zeitarbeit hat viele Vorteile

In einer aktuellen Expertise der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) zum Thema „Neue Beschäftigungsverhältnisse: Daten, Fakten, Argumente“ wird auch ausführlich die Zeitarbeitsbranche beleuchtet. Die Autoren weisen darauf hin, dass die Zeitarbeit mit rund 2,5% aller Beschäftigten den kleinsten Anteil der sog. „atypischen Arbeitsverhältnisse“ ausmacht. Trotzdem ist die öffentliche Wahrnehmung der Branche auch aufgrund der medialen Berichterstattung sowie der ständigen politischen Debatte eine andere.

Auch werden immer wieder viele Mythen kultiviert und Märchen statt wahrer Geschichten aus dem Alltag der Personaldienstleistungen verbreitet. Dies ist schade, weil dies der Humus für viele Vorurteile ist.

Dabei eröffnet die Zeitarbeit ganz viele Chancen und ist für viele Menschen eine gute Wahl.

Denn, so die KAS-Studie:

  • In der Branche werden fast nur sozialversicherungspflichtige Vollzeitstellen angeboten;
  • Die Arbeitsverhältnisse laufen in der Regel auch dann bezahlt weiter, wenn der Einsatz beim Kundenbetrieb endet;
  • Alle Zeitarbeitskräfte bekommen faire tarifliche Gehälter;
  • Wie in anderen Wirtschaftsbranchen gelten die gleichen Arbeits- und Sozialgesetze (Kündigung, Urlaub, Entgeltfortzahlung etc.)
  • Über Zeitarbeit können „on the job“ neue vielfältige Kenntnisse und Fähigkeiten erworben und alte aufgefrischt werden;
  • Nicht erwerbstätige Menschen erhalten einen niedrigschwelligen Einstieg in den ersten Arbeitsmarkt;
  • Nach Bewährung sind viele Kundenunternehmen bereit, die überlassenen Mitarbeiter/innen zu übernehmen und selbst weiter zu beschäftigen:
  • Auch geringer Qualifizierte erhalten über die Branche Chancen, einen Arbeitsplatz zu finden, wo sie sich nach weiter entwickeln können.

Die KAS-Autoren stellen fest, dass gerade auch die Sozialpartner der Branche, also etwa der iGZ mit den Einzelgewerkschaften beim DGB, mit dem Abschluss von Tarifpaketen dafür gesorgt haben, dass diese Beschäftigungsform längst nicht mehr „prekär“ sind, sondern anständig vergütet werden. Jedenfalls liegen auch in den nächsten Jahren die allgemeinverbindlichen Zeitarbeits-Mindestlöhne über dem gesetzlichen Mindestlohn. Zusätzlich haben die Branchenzuschlagstarifverträge ein cleveres System geschaffen, dass eine Lohnangleichung mit den Stammbeschäftigten in diversen Hochlohn-Einsatzfeldern vorsieht. Insoweit waren eigentlich einige Eingriffe des Gesetzgebers in das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (gesetzliches Equal Pay, Höchstüberlassungsdauer etc.) zumindest überflüssig und wohl auch in Teilen nicht im Interesse der betroffenen Zeitarbeitskräfte.

Die Groko hat deshalb ja auch in ihrem Regierungsprogramm vorgesehen, dass diese Neuregelungen im Jahr 2020 auf den Prüfstand gestellt und wissenschaftlich evaluiert werden sollen. Insoweit, so die KAS-Broschüre, bleibt abzuwarten, ob sich diese Neuregelungen tatsächlich bewährt haben oder ob Veränderungsbedarf besteht.

Werner Stolz, iGZ-Hauptgeschäftsführer

 

Über den Autor:

Werner Stolz ist Hauptgeschäftsführer des Interessenverbands Deutscher Zeitarbeitsunternehmen e.V. Er hat während seiner hauptamtlichen Tätigkeit beim iGZ seit Anfang 2001 den damaligen kleinen Verbund von 180 mittel-ständischen Zeitarbeitsunternehmen zum mitgliederstärksten und professionell aufgestellten Arbeitgeberverband iGZ mit gegenwärtig über 3500 Personaldienstleistern weiterentwickelt. Zuvor studierte er Rechtswissenschaften an der Universität Münster sowie Volks-/Betriebswirtschaft an der Fernuniversität Hagen und arbeitete nach erfolgreichem Abschluss der Staatsexamina als selbstständiger Rechtsanwalt in einer Hammer OLG-Kanzlei und in münsterschen Sozietäten.
 

KAS-Studie zum Download: https://www.ig-zeitarbeit.de/sites/default/files/redaktion/artikel/2018/kas_53331-544-1-30.pdf