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Jens Spahn könnte auf seiner Tour an die Elbe Déjà-vu-Gefühle bekommen

Aufgeben ist seine Sache nicht: Jens Spahn könnte auf seiner Tour an die Elbe Deja vu-Gefühle bekommen. Bereits vier Jahre zuvor hatte sich der damals 34-Jährige um ein hohes Amt der CDU beworben und die Wetten standen schlecht. Am Rhein gelang der Coup, in einer Kampfabstimmung fegte Spahn auf dem Kölner Parteitag den Merkel-Vertrauten Hermann Gröhe aus dem Präsidium. Seitdem verkörpert Spahn die Hoffnung vieler Jungunionisten auch in die  erste Reihe aufzusteigen. Seine Ämter wuchsen mit seinem Ehrgeiz, zunächst holte ihn Wolfgang Schäuble als Staatssekretär ins Finanzministerium, dann machte Angela Merkel ihn zum Bundesgesundheitsminister wieder auf Kosten von Gröhe.

Fast 14.000 Menschen haben die drei nominierten Kandidaten für den CDU-Parteivorsitz live gesehen. Ein Kopf-an- Kopf-Rennen von Friedrich Merz und Annegret Kramp-Karrenbauer haben die Medien daraus gemacht, Spahn scheint abgeschlagen auf Platz drei. Doch Insider warnen, die letzten Wochen hat der Nordrhein-Westfale gut genutzt. Fast täglich telefonierte er mit Unterstützern, traf sich auch neben den Regionalkonferenzen mit der Basis. Erst in den letzten Tagen bestimmte aber der Gesundheitsminister die Themen. Musste er mit der Forderung nach einer Abstimmung über den Migrationspakt und die künftige Umweltpolitik noch Merz die Schlagzeilen überlassen, so schlugen die Hartz IV-Thesen ein und Spahn landete auf Seite Eins. „Besser ein schlecht bezahlter Job, als keiner“! Nicht alle würden dem neuen Hardliner zustimmen, der seinen Abschluss an der Fernuniversität Hagen machte.

Spahn will provozieren. Er bekennt sich zu seiner Homosexualität und während AKK noch am alten traditionellen Familienmodell mit Mann und Frau festhält, hat Spahn seinen Lebenspartner, einen Journalisten aus Berlin, letztes Jahr geheiratet. "Ich bin positiv überrascht von Jens Spahn", den Satz hörte man letzte Woche häufiger, auch wenn vielfach folgte "aber für ihn ist es noch zu früh". Spahn findet, dass die CDU ein Problem hat, wenn er mit 38 Jahren noch als Jungspund gilt. Er hat sich mit dem Festhalten an der Kandidatur als Mann der Zukunft empfohlen. Vielleicht beginnt seine schon am 8. Dezember an der Elbe.

Andrea Resigkeit, Leitung Fachbereich politische Netzwerke/ Hauptstadtbüro

Über die Autorin:

Andrea Resigkeit ist Leiterin des iGZ-Hauptstadtbüros. Sie begleitet und kommentiert die Politik in verschiedenen Funktionen seit vielen Jahren aus unterschiedlichen Blickwinkeln.