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Gleichberechtigung aus Vernunft: Das Fachkräftezuwanderungsgesetz muss die Zeitarbeit berücksichtigen

Deutschland hat ein Fachkräfteproblem – schon länger. Es wird in der Zukunft aber nicht besser als es in der Vergangenheit war und in der Gegenwart ist. Fachkräfte sind eine ebenso kritische Grundlage der Wirtschaft, wie Strom oder das Internet. Fallen sie aus, steht vieles still. Fachkräfte sind unverzichtbar und können auch nicht durch andere Ressourcen ersetzt werden.

Die jetzige Koalition im Bund nimmt sich der Aufgabe nun an. Ein im Koalitionsvertrag vereinbartes Fachkräftezuwanderungsgesetz soll den Zuzug von Fachkräften regeln. Eckpunkte wurden vorgelegt. Dort heißt es: „Die Zukunft des Wirtschaftsstandortes Deutschland hängt in entscheidendem Maße davon ab, wie gut es uns gelingen wird, die Fachkräftebasis zu sichern und zu erweitern.“ Nach klaren Kriterien, orientiert am Bedarf der deutschen Volkswirtschaft, sollen AkademikerInnen und Fachkräfte gezielt im außereuropäischen Ausland angeworben werden.

Bis hierhin fällt es schwer, dem Konzept im Grundsatz zu widersprechen. Widersprüche offenbaren sich im Detail: Bisher sehen die Eckpunkte nicht vor, das Verbot für Nicht-EU-Bürger, eine Beschäftigung in der Zeitarbeit aufzunehmen, abzuschaffen. Während also hoch- und höchstqualifizierte Kräfte angeworben werden sollen, die per definitionem nicht als bedürftig gelten (bedürftig ist in dem Fall die deutsche Volkswirtschaft), würde damit eine Branche pauschal ausgeschlossen, deren Kern die Anwerbung von und die gezielte Einsatzsuche für Personal ist. Eine Branche, die zudem bewiesen hat, dass sie in der Lage ist, mit kulturellen Unterschieden produktiv umzugehen. Bereits 25 Prozent unserer Mitarbeiter haben einen Migrationshintergrund. Als Rekordhalter in der Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt hat sie dies erneut bewiesen. Im Unterschied zu anderen flexiblen Beschäftigungsformen bietet die Branche nahezu flächendeckend tarifierte Arbeitsplätze, überwiegend in Vollzeit und sozialversicherungspflichtig. Die iGZ-Mitgliedsunternehmen versehen diese noch mit dem iGZ-Ethikkodex und sind Unterzeichner der Charta der Vielfalt. Nicht zuletzt: Als Speerspitze am Arbeitsmarkt bekommt die Zeitarbeitsbranche den Fachkräftemangel selbst außerordentlich zu spüren.

Die deutsche Bundesregierung und der deutsche Gesetzgeber wollen mit dem neuen Gesetz Fachkräfte gewinnen, um einen Fachkräftemangel zu bekämpfen. Es gibt eine Branche, die zum einen unter diesem Fachkräftemangel leidet, zum anderen dafür prädestiniert ist, einen Beitrag zu seiner Abmilderung zu leisten. Selbst noch so kreative Gedankengänge dürften keine plausiblen Gründe hervorbringen, weshalb gerade diese Branche nicht dieselben Chancen erhalten sollte wie jede andere auch.

Dr. Benjamin Teutmeyer, Referent Public Affairs

Über den Autor: 

Studium und Promotion in Politikwissenschaft sowie Dozententätigkeit an den Universitäten Bonn, Erlangen-Nürnberg und der Johns Hopkins University in Washington, D.C.
2011 bis 2014 Volontär und Redakteur beim „unternehmermagazin“
2014 bis 2016 Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Deutschen Bundestag, zuletzt bei dem Parlamentarischen Staatssekretär a.D. Steffen Kampeter
Seit 2016 Referent Public Affairs im Hauptstadtbüro des iGZ in Berlin