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Führungskraft Frau - und die besondere Karriere-Chance Personaldienstleisterbranche

Die Gleichstellung von Frauen und Männern in der Gesellschaft ist ein festes Grundprinzip der Europäischen Union. Dass dieses Ziel in der Praxis, insbesondere am täglichen Arbeitsplatz, noch bei weitem nicht erreicht ist, zeigten jüngst die Beleidigungen gegen die ZDF-Sportkommentatorin Claudia Neumann bei der Fußball WM 2018. Fußballkommentatoren sind grundsätzlich umstritten, keine Frage, hier aber ging es um etwas anderes, um mehr. Die Angriffe kamen ausschließlich vom männlichen Publikum und fußten allein auf der Tatsache, dass Claudia Neumann als Frau eine für viele in der Wahrnehmung reine Männersportart analysiert. Neumanns Fachkompetenz ist laut Experten unbestreitbar – dennoch sah sie sich während ihres WM-Jobs einem regelrechten Shitstorm ausgesetzt. 

2018 wird deutlich: Es gibt ihn immer noch, diesen real existierenden Gender Gap. Nicht nur im Sportuniversum Fußball. Ein weiteres, interessantes Beispiel ist hier durchaus die Situation deutscher Führungskräfte. Denn die EU hat explizit für diese Arbeitnehmer-Zielgruppe ein klares Ziel formuliert: Die Sicherung der Gleichstellung von Frauen und Männern in Führungspositionen („equality in decision-making“) ist zu garantieren.

Der aktuelle Führungskräfte-Monitor 2017, der einen Untersuchungszeitraum von 20 Jahren abdeckt, zeigt allerdings auf, dass weiterhin wesentliche Anstrengungen zur Gleichstellung der Geschlechter in Führungspositionen notwendig sind. Der Frauenanteil unter den Führungskräften habe zwar in den vergangenen zwei Jahrzehnten zugenommen, an der Spitze großer Unternehmen hätten aber weiterhin männliche Manager das Sagen. Eine Thematisierung der Altersstruktur innerhalb männlich dominierter Führungszirkel wäre ein weiterer relevanter Diskussionspunkt.

Natürlich gibt es auch Anstrengungen seitens der Politik. So sieht das in Deutschland im Mai 2015 verabschiedete Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen eine verbindliche Geschlechterquote von 30 Prozent in Aufsichtsräten von börsennotierten und mitbestimmten Unternehmen vor. Ein weiteres Gesetz vom Juli 2017 soll die Transparenz der Gehälter vorantreiben, um einen realen „equal pay“ zwischen den Geschlechtern zu erzielen.

 

Anteil der Frauen in Führungspositionen in der Personaldienstleisterbranche liegt bei über 50 Prozent

Spannend wird es, wenn man sich im Vergleich den Bereich der Zeitarbeitsunternehmen betrachtet. Laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) liegt der Anteil der Frauen in Führungspositionen bei über 50 Prozent. Zum Vergleich: Auf dem deutschen Gesamtarbeitsmarkt schafften es nur 27 Prozent der Frauen, als Führungskraft tätig zu werden. 

Es stellt sich die Frage: Warum gibt es überdurchschnittlich viele Frauen als Personaldisponenten und in der Führung bei Personaldienstleistern? Die Tätigkeit als Personaldisponentin erfordert ein hohes Maß an Empathie, soziale Kompetenz, Diplomatie, Verantwortungsbewußtsein, Zuverlässigkeit und Fingerspitzengefühl. Darüber hinaus ist eine natürliche Kontaktfreudigkeit von Vorteil, ebenso Intuition und die Fähigkeit zum Multitasking. Diese Soft Skills bringen Frauen sehr oft schon aufgrund ihres Naturells mit. Die Zeitarbeit bietet aus meiner Sicht den optimalen Nährboden, um all diese positiven Eigenschaften einer Frau erfolgreich einzusetzen. Und da die Quote der Frauen im Bereich der Personaldisponenten schon sehr hoch ist, wächst folglich auch die Anzahl der weiblichen Führungskräfte.

 

Frauen sind den männlichen Kollegen aufgrund ihrer Soft Skills überlegen

Frauen sind aufgrund ihrer Soft Skills ihren männlichen Kollegen weit überlegen. Besonders in der Kommunikation unterscheidet sich das Vorgehen und Verhalten bei Frauen und Männern. Ein wichtiger Faktor, wenn man bedenkt, dass Führung zu 80 Prozent aus Kommunikation besteht.

Die gelebte Empathie von Frauen ist anders als die der Männer; weibliche Mitarbeiter haben ein besonderes Fingerspitzengefühl im Umgang mit Menschen. Männern mangelt es häufig an Emotionalität, an Einfühlungsvermögen, in das direkte Hineinversetzen in das Gegenüber. In der Zeitarbeitsbranche geht es aber um Menschen, oft Menschen in realer Jobnot. Und genau an diesem Punkt sind diese Soft Skills, diese primär weiblichen Eigenschaften von Vorteil.

Fest steht auch: Selbstbewusste und kontaktfreudige Frauen bewerben sich vorrangig im Vertrieb oder im Personalbereich. Sie wollen zielgerichtet mit Menschen arbeiten, um ihre Emotionen und Empathie einzubringen. Für die Tätigkeit als Personaldisponentin benötigt man sowohl eine Affinität zum Vertrieb als auch zum Personal. In diesem Beruf kann man beide Bereiche perfekt verbinden. Für mich war diese Kombination vom ersten Tag an die Basis für meinen Traumjob, den ich noch heute mit Herzblut und viel Begeisterung lebe.

 

Führungskraft in Teilzeit: Top-Chancen in der Personaldienstleisterbranche 

Wie schafft man es nun in der Zeitarbeit-Branche, auch in Teilzeit als Führungskraft erfolgreich zu sein? Ein Zauberwort heisst: flexible Arbeitszeitmodelle.

Mütter haben gelernt, gut zu strukturieren und zu organisieren, sie sind hochmotiviert und engagiert. Aufgrund der variablen Arbeitszeiten können Arbeitsalltag und Familienleben mit Kinderbetreuung gut aufeinander abgestimmt werden.

Wichtig ist aber auch: Als Führungskraft ist es zeitlich nicht möglich, alle operativen Tätigkeiten im Detail selbst umzusetzen. Ein Top-Leader zeichnet sich dadurch aus, dass er sein Team qualitativ hochwertig ausbildet, zielorientiert leitet und eine gute emotionale Bindung zu diesem Team herstellt. So kann jede Führungskraft die anfallenden Aufgaben auch in weniger als 40 Wochenstunden schaffen. Vorausgesetzt die Person ist bereit, eine gewisse Flexibilität mitzubringen. Denn: Wird man bei seinen Mitarbeitern gebraucht, muss man als Führungskraft vor Ort sein. Es ist somit essentiell, für die Betreuung eigener Kinder auf eine Art „Backup-Pool“ aus Familienmitgliedern und Freunden zählen zu können.

Leider scheinen diese Errungenschaften der Personaldienstleisterbranche in vielen anderen Branchen noch nicht auf fruchtbaren Boden gefallen zu sein. Allzu häufig befinden wir uns auch 2018 noch in einer (fast reinen) Männerwelt, in der es Frauen mit Karriereplänen nach wie vor schwer haben. Primär zählt weiterhin die abgearbeitete Anzahl der Stunden als relevantes Kriterium für ein Emporklettern der Karriereleiter. Hinzu kommt für viele Frauen die Herausforderung, sich als weibliche Chefin unter der dominierenden Männerriege in Führungspositionen zu behaupten. Eine Teilzeit-Mutter hat es dabei selbstverständlich noch schwerer.

 

Was sich ändern muss

Trotzdem ist eine Steigerung des Frauenanteils in Führungspositionen kein Selbstläufer. Stattdessen müssen sich mehrere Parameter ändern:

1. An erster Stelle steht die Schaffung besserer struktureller Voraussetzungen für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

2. Mehr und auch bezahlbare Betreuungsangebote sind unerlässlich, um Frauen die Teilhabe am Berufsleben zu ermöglichen.

3. Auch das gesellschaftliche Bewusstsein sowie die Entwicklung einer neuen Unternehmenskultur, in der es selbstverständlich ist, dass Frauen in Führungspositionen arbeiten, sind wichtig.

3. Mentoring-Programme können helfen, damit Frauen die sogenannte gläserne Decke in die oberste Führungsebene durchbrechen, also in die Top-Etagen von Unternehmen und Organisationen aufsteigen können.

4. Insgesamt bietet sich die Zeitarbeitsbranche für Frauen mit Karriereplänen an, denn hier sind die meisten Herausforderungen schon Realität, sind zum Beispiel flexible Arbeitszeitmodelle möglich.

Die Arbeit in der Personalvermittlungsbranche bietet somit die besten Vorrausetzungen für weibliche Führungskräfte. Oder anders formuliert: Zeitarbeit – eine gute Wahl!

Ach, übrigens: Hoch im Norden, in Norwegen, ist man übrigens in Sachen Fußball schon weiter. Die norwegische Ex-Nationalspielerin und Kommentatorin Lise Klaveness, 37, übernahm jüngst als erste Frau die sportliche Leitung beider Fußballnationalteams in Norwegen. Respekt und: Gratulation!

Manuela Schwarz, iGZ-Vorstandsmitglied Marketing

Manuela Schwarz

Über die Autorin:

Manuela Schwarz ist Mitglied des iGZ-Bundesvorstands und Geschäftsführerin des iGZ-Mitglieds equal personal.