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„Das individuelle Schichtmodell macht Zeitarbeitnehmer in der Pflege zufriedener!“

"Gibt es einen Zusammenhang zwischen Persönlichkeitsmerkmalen und Arbeitszufriedenheit bei Pflegekräften in der Zeitarbeit?“, diese Frage stellte sich Sandra Sturmeit in ihrer Bachelorarbeit.

Sandra Sturmeit hat Wirtschaftspsychologie studiert und sich in ihrer Bachelorarbeit, in Podcasts und als Pflegekraft mit der Zeitarbeit befasst: Hier kommt ihr Gastbeitrag.

Ich habe Wirtschaftspsychologie studiert und mich dabei unter anderem intensiv mit vielen HR-Themen befasst. Und bin schon verhältnismäßig früh über das Thema für meine Abschlussarbeit gestolpert: „Gibt es einen Zusammenhang zwischen Persönlichkeitsmerkmalen und Arbeitszufriedenheit bei Pflegekräften in der Zeitarbeit?“ Da ich nebenbei in der Pflege gearbeitet habe, natürlich über Zeitarbeit, habe ich den Satz gehört, den wahrscheinlich viele von den Zeitarbeitnehmern, vor allem aus der Pflege, kennen: „Da muss man ja der Typ für sein.“ Irgendwann dachte ich mir, das will ich wissen, ob das stimmt!

Arbeitszufriedenheit

Bei 5 der 7 Dimensionen der Arbeitszufriedenheit geben Zeitarbeitnehmer eine signifikant höhere Zufriedenheit an als ihre direktangestellten Kollegen. Lediglich bei der Arbeitsaufgabe und dem Arbeitgeber gibt es keinen Unterschied.

In meiner Umfrage wurden auch 7 Dimensionen der Arbeitszufriedenheit abgefragt:

1. Arbeitsaufgabe,

2. Rahmenbedingungen,

3. Entwicklungsmöglichkeiten,

4. Führung,

5. Kollegen
,

6. Arbeitgeber,

7. Gesamtzufriedenheit

Bei der Arbeitsaufgabe ist das verständlich, da sie ja bei beiden Gruppen identisch ist. Interessanter ist, dass es bei der Zufriedenheit mit dem Arbeitgeber keinen Unterschied gibt. Eine Möglichkeit ist, dass die Abläufe im Zeitarbeitsunternehmen noch verbessert werden können, um Entscheidungen transparenter zu machen und die Zufriedenheit zu erhöhen. Bei den Rahmenbedingungen schneidet die Zeitarbeit wesentlich besser ab als die Direktanstellung, die sogar einen negativen Mittelwert aufweist. Das mag an höheren Einkommen, aber auch an der oft gebotenen Möglichkeit der Wunschdienstpläne liegen. Bei den Entwicklungsmöglichkeiten vermute ich, dass vor allem die wechselnden Einsätze den Pflegekräften Einblick in verschiedene Einrichtungen und Arbeitsweisen geben, die ihnen sonst verwehrt bleiben. Auch wenn es keine formale Fort- oder Weiterbildung ist kann das so erworbene Wissen im der täglichen Arbeit genutzt werden, um die Arbeit in späteren Einsätzen zu erleichtern.

Insgesamt wurden 442 Datensätze ausgewertet, von denen 71 aus der Zeitarbeit kamen. Das bedeutet einen Anteil von 16%. Mit dem Ergebnis: Bei 5 der 7 Dimensionen der Arbeitszufriedenheit geben Zeitarbeitnehmer eine signifikant höhere Zufriedenheit an als ihre direktangestellten Kollegen. Lediglich bei der Arbeitsaufgabe und dem Arbeitgeber gibt es keinen Unterschied.

Persönlichkeitseigenschaften

Persönlichkeitseigenschaften sind über längere Zeit stabil und unterscheiden sich dadurch von Stimmungen. Außerdem sind sie bei jedem unterschiedlich ausgeprägt und führen zu einem Verhalten, das typisch für eine Person ist, wenn sie den gleichen Reizen ausgesetzt ist. Der Mensch wird berechenbar. Für die Arbeit habe ich ein Modell ausgewählt, das 6 Dimensionen der Persönlichkeit untersucht: Neurotizismus, Extraversion, Offenheit für neue Erfahrungen, Verträglichkeit, Gewissenhaftigkeit, Risikobereitschaft

 

Außerdem Teil befasste sich mich mit der Arbeitsmotivation.

Welche Ziele verfolgen Pflegekräfte, was treibt sie zur Arbeit an? Gemessen wurden hier die 4 Dimensionen:

1. Individualität,

2. Karriere,

3.Soziales,

4. Privatleben

Alle Probanden wurden gefragt, ob sie bei einer Zeitarbeitsfirma arbeiten oder direkt angestellt sind. Je nach Antwort wurde gefragt, ob sie schonmal ein Angebot der jeweils anderen Anstellung erhalten haben, dieses bedacht haben und sich darauf beworben haben. Bei den Zeitarbeitnehmer zeigt sich wie erwartet eine abnehmende Zahl. 59 haben bereits ein Angebot zur Übernahme erhalten, 20 haben darüber nachgedacht, 8 haben sich beworben. Bei den Pflegekräften in Direktanstellung zeigte sich ein interessanteres Ergebnis. Von 371 Pflegekräften haben lediglich 82 bereits ein Angebot zum Wechsel erhalten. Über einen Wechsel in die Zeitarbeit nachgedacht haben aber 113. Hier zeigt sich, dass die Zeitarbeit einen anderen Ruf hat als im gewerblich-technischen Bereich, wo Zeitarbeit meist als Notlösung gesehen wird. Danach fällt die Zahl allerdings wieder ab auf 49, die sich auch bei einer Zeitarbeitsfirma beworben haben.

Persönlichkeitseigenschaften

Bei den Persönlichkeitseigenschaften zeigten sich in den meisten Dimensionen keine großen Unterschiede. Das heißt, dass es zwar in den Gruppen verschiedene Persönlichkeiten gibt, die aber in beiden Gruppen gleich oder ähnlich vertreten sind. Lediglich in der Dimension Risikobereitschaft zeigen sich signifikante Unterschiede zwischen beiden Gruppen. Im Mittelwert haben Zeitarbeitnehmer hier einen höheren Wert. Ein Ergebnis, das nicht überraschend ist, da es durchaus Durchsetzungsfähigkeit erfordert, sich in immer neuen Einrichtungen zu behaupte. Denn man weiß nie, was beim nächsten Einsatz auf einen wartet und wie die Kollegen sind. Dadurch, dass es oft sogenannte Feuerwehreinsätze sind ist es nötig, die Verantwortung schnell zu übernehmen, denn eine Einarbeitung ist leider nicht immer gegeben.

Ergebnisse:

Eines der spannendsten Ergebnisse für die Zeitarbeit finde ich noch die Frage, wie sich das jeweilige Schichtmodell auf die Arbeitszufriedenheit auswirkt. Als Antwortalternativen wurden das 2-Schichtsyste, mit Früh- und Spätdienst, das 3-Schichtsystem mit früh-, Spät- und Nachtdienst, reiner Nachtdienst und ein Individueller Dienst genannt. In der Zeitarbeit haben 36,61% der Pflegekräfte das individuelle Schichtmodell angegeben, gefolgt von 33,8% mit dem 2-Schichtmodell. Bei den Mitarbeitern der Zeitarbeit gibt es keine Auswirkungen der Schichtmodelle auf die Zeitarbeit. In keiner Dimension zeigen sich signifikante Ergebnisse. Das mag erst mal überraschen, aber die Erklärung findet sich, wenn man die Ergebnisse der Direktangestellten danebenlegt. Dort zeigt sich, dass die Lage der Arbeitszeiten auf 5 der 7 Dimensionen einen Einfluss hat. Nämlich alle außer Entwicklungsmöglichkeiten und Kollegen. In der Direktanstellung sind 47,7% im Dreischichtmodell angestellt, gefolgt von 26,1% im 2 Schichtmodell. Nur 20,75% haben ein individuelles Schichtmodell vereinbart. Allerdings zeigt sich auch bei der genaueren Betrachtung, dass es immer die Mitarbeiter mit dem individuellen Schichtmodell sind, die signifikant zufriedener sind als ihre Kollegen. In jeder Dimension schneidet das individuelle Modell bezüglich der Arbeitszufriedenheit der Mitarbeiter angeht am besten ab. Eine mögliche Erklärung kann in der bessren Planbarkeit der Arbeitszeit liegen.

Fazit:

Alles in allem zeigt sich, dass die Zeitarbeit in der Pflege einige Stärken hat, wenn es um die Gewinnung und Bindung von Mitarbeitern geht. Dabei ist es immer ein Drahtseilakt, diese mit den Ansprüchen des Kunden in Einklang zu bringen. Denn auch wenn der Wunsch nach planbaren Arbeitszeiten berechtigt ist, der Kunde muss eine Station 24 Stunden am Tag besetzt halten. Auch die Firmenwagen können die Zufriedenheit durch die gestiegene Mobilität erhöhen und die Bindung der Mitarbeiter stärken. Alles in allem zeigt sich, dass es auf eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen ankommt, ob direkt im Arbeitsumfeld oder indirekt.

Über die Autorin:

Sandra Sturmeit ist seit sie 17 Jahre alt ist in der Pflege in Zeitarbeit tätig. Dann absolvierte sie zusätzlich noch eine Ausbildung zur Personaldienstleistungskauffrau und studierte Wirtschaftspsychologie. In ihrer Freizeit produziert sie Podcasts auf Spotify über verschiedene Fragen aus dem Zeitarbeitsalltag.