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Clubhouse – ausgeschwatzt?!

Die Social-Rede-App Clubhouse wurde zum Zwischenhoch gehypt, ihr ging aber auf der Zielgeraden die Luft aus. Auch der iGZ hat das neue Format ausprobiert.

Try and error – einfach mal ausprobieren und wenn es sich nicht bewährt, dann auch den Mut haben, wieder loszulassen. Als die App Clubhouse Anfang Februar in Deutschland immer beliebter wurde, haben auch wir uns entschlossen, die neue Rede-App auszuprobieren – mit der iGZ-Clubzeit Freitagnachmittags. Mal im kleineren, mal im größeren Kreis haben wir aktuelle Themen besprochen, die die Zeitarbeitsbranche bewegen, und die zurückliegende Woche Revue passieren lassen.

Clubhouse war zu dem Zeitpunkt einzigartig, vereint die Erfindung eines US-amerikanischen Start-ups aus San Francisco doch klassische Fernseh- und Radio-Talkshows, Diskussionen in sozialen Netzwerken und Dialoge von Bürgern. In virtuellen, öffentlichen Räumen kommen Politiker, Promis, Journalisten, Experten und interessierte Bürger ganz privat zusammen und tauschen sich aus, manchmal mehr in Konferenzen, manchmal eher in Diskussionsrunden, die Talkshows ähneln oder wie Podcasts daherkommen. Wer Redebedarf hat, hebt die Hand oder schaltet das Mikro an, wenn er bereits das Rederecht hat.

Von Platz 1 abgestürzt

Zwischenzeitlich stand die App Clubhouse sogar auf Platz eins der meistgeladenen kostenlosen Apps – und das, obwohl sie nur für iphone-Nutzer angeboten wird. An einer Beta-Version für Android-Geräte arbeitet das Start-up noch. Der Hype ist auch auf diese Art der künstlichen Verknappung zurückzuführen: Nur iphone-Nutzer und nur auf Einladung kann „mitgeclubt“ werden. Neben dieser künstlichen Verknappung spielt auch die Fear of Missing out (FOMO) eine Rolle. Gerade Führungskräfte, Prominente (oder solche, die gern prominent wären) mussten natürlich bei der App dabei sein.

Ruhe nach dem Sturm

Doch mittlerweile ist es um Clubhouse ruhig geworden. Heute suche ich vergebens nach den Marketingmorgenrunden und den vielzitierten „total wertvollen Gesprächen“. Auch die Push-Benachrichtigungen auf meinem Handy, dass ein Kontakt aus meinem Adressbuch gerade in einem Gesprächsraum aktiv ist, sind selten geworden. In den deutschen App-Charts von Apple taucht die Clubhouse-App nicht mal mehr in den Top 100 auf. „Nach dem anfänglichen Hype ist Ernüchterung eingetreten.", zieht Tobias Kollmann, Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Duisburg-Essen, Bilanz. Zusammen mit dem Berliner Start-up für Meinungsumfragen und Marktforschung, Civey, hat er 5.000 Bürger und 500 Clubhouse-Nutzer zu der App befragt. Das Ergebnis: Clubhouse ist weniger bekannt als gedacht. „Die Nutzerzahlen bleiben mit vier Prozent der Bevölkerung sehr gering", sagt Kollmann.

Die abflauende Begeisterung hat wohl auch technische Gründe. Durch die Fokussierung auf das Apple-Betriebssystem erreicht Clubhouse nur einen kleinen Teil der möglichen Nutzer, der Marktanteil von Android-Geräten liegt bei 70 Prozent. Zudem wird die App – so ein weiteres Ergebnis der Civey-Umfrage - selbst von Fans nicht für die tägliche Kommunikation, sondern nur für gezielte Zusammenkünfte im Rahmen von Online-Events genutzt.

Konkurrenz zieht nach

Erschwerend kommt hinzu – und das ist für Clubhouse das viel größere Problem -, dass die Konkurrenz nicht schläft: Facebook hat mit „Hotline“ bereits einen eigenen Clubhouse-Klon entwickelt, eine Mischung aus Clubhouse und Instagram live mit Audio- und Video-Chatfunktionen, das sich gerade im öffentlichen Beta-testing befindet. Streaming-Dienst Spotify hat den Anbieter Betty Labs gekauft, um ebenfalls Live-Audio-Formate a lá Callin-Radioshows an den Start zu bringen. Außerdem wollen auch Reddit, Discord, Telegram und sogar Linkedin mit Clubhouse in dieses Segment vorstoßen.

Bisher am weitesten fortgeschritten ist wohl Twitters Clubhouse-Klon „Spaces“. Nutzer mit mindestens 600 Followern können den Dienst bereits nutzen. Geplant ist, zukünftig auch Eintrittspreise für einzelne Talks verlangen zu können. Bei Clubhouse können User zwar über eine neue Spendenfunktion ihre liebsten Moderatoren direkt unterstützen. Eintrittsgelder zu erheben, ist dort aber nach wie vor nicht möglich.

Der iGZ hat sich entschieden, der Entwicklung erstmal Rechnung zu tragen, und hat seine iGZ-Clubzeit eingestellt. Aber wer weiß – manchmal leben Totgesagte ja doch länger und Clubhouse hat sich doch nicht ausgequatscht?! Oder wir hören uns bald wieder – auf Spaces, Hotline oder Reddit? Oder einfach mal wieder am iGZ-Telefon oder in einer unserer digitalen Veranstaltungen? Talk soon!

Über die Autorin

Sara Schwedmann, Redakteurin iGZ-Newsdesk

Sara Schwedmann ist Redakteurin im Fachbereich Kommunikation in der iGZ-Bundesgeschäftsstelle in Münster. Die studierte Politik- und Wirtschaftswissenschaftlerin ist ausgebildete Journalistin und Social-Media-Managerin. Zuletzt arbeitete sie als Wirtschaftsredakteurin und PR-Referentin für die Institut der deutschen Wirtschaft Medien GmbH. Beim iGZ ist Sara Schwedmann als Chefredakteurin für das Verbandsmagazin Zdirekt! sowie für die Social-Media-Kanäle zuständig.