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Buchbesprechung: „Einsatz und Auswirkung von Zeitarbeit – Empirische Evidenz für Deutschland“

Obwohl die Zeitarbeitsbranche in öffentlichen Debatten und Medienberichten immer wieder thematisiert bzw. teilweise skandalisiert wird, fällt auf, dass mehr Meinungen als empirisch nachgewiesene Fakten verbreitet bzw. ständig wiederholt werden. Der Lehrstuhlinhaber für Unternehmenssteuerung und Personalmanagement an der RWTH Aachen, Dr. rer. pol. Axel Minten, will mit seiner Studie "Einsatz und Auswirkung von Zeitarbeit - Empirische Evidenz für Deutschland"  insoweit einige Forschungslücken schließen. Er untersucht bestimmte Wirkungsweisen der Beschäftigungsform anhand eines Datensatzes von fast 12.000 Zeitarbeitsbeschäftigten nebst ihren Einsätzen bei Einsatzunternehmen sowie weiteren Panel-Daten aus Sicht der Akteure.

Im Vordergrund der empirischen Analysen stehen die Fragen: „Was macht Zeitarbeit mit den Beschäftigten? Welche Determinanten beeinflussen die Arbeits- und Lebenszufriedenheit sowie Motivation und Arbeitsmoral der Zeitarbeitnehmer? Welche Rolle spielen dabei Klebe- bzw. Brückeneffekte? Ist Zeitarbeit eher Sprungbrett oder Endstation für die Nutzer/innen?

Der gesellschaftliche Diskurs des „Dreiecksverhältnisses“ orientiert sich an folgenden Kriterien:

  • Wichtiges Instrument in Zeiten volatiler Wirtschaftsabläufe?
  • Beitrag zur Beschäftigungsstabilisierung?
  • Flexibilisierungsmotor für Betriebe?
  • Sprungbrettfunktion durch Übernahmen?

Die Studienergebnisse zeigen, dass frühere Zeiten von Arbeitslosigkeit die Wahrscheinlichkeit einer Zeitarbeitsbeschäftigung deutlich steigern. Bei kurzfristigen Personalengpässen wird Zeitarbeit zur Kompensation eingesetzt (gilt aber weniger für Fachkräfte als für Aushilfstätigkeiten). Unabhängig von ihrer jeweiligen Unternehmensstrategie, jedoch in Abhängigkeit von der Ausstattung der Personalabteilungen, sind Entleihunternehmen grundsätzlich bereit, das vorübergehend überlassene Personal in ihre Stammbelegschaft zu übernehmen. Insoweit kann Zeitarbeit in Deutschland generell als Sprungbrett dienen. Eine vom Autor gefundene niedrigere Arbeitszufriedenheit von Zeitarbeitern im Vergleich zu „Normalbeschäftigten“ lasse sich vor allem auf Unterschiede in den Arbeitsbedingungen und auf eine subjektiv deutlich stärker empfundene Arbeitsplatzunsicherheit zurückführen. Jedoch äußern Zeitarbeitnehmer eine deutlich höhere Lebenszufriedenheit als arbeitslose Personen. Zu den Faktoren, welche die Motivation positiv beeinflussen, zählen ein angemessener Verdienst, eine größere Projektlänge der Überlassungen sowie Übernahmen.

Axel Minten kommt abschließend zu folgenden Ratschlägen an die Beteiligten:

  1. Personen, die über eine Zeitarbeitsbeschäftigung nachdenken, sollen bei der Auswahl des Personaldienstleisters bzw. bei den Angeboten für Überlassungen darauf achten, dass für sie passende Arbeitsbedingungen und eine möglichst hohe Arbeitsplatzsicherheit geboten werden. Insoweit spielt dann auch die Kundenstruktur bei der Auswahl eine Rolle.
  2. Zeitarbeitsbetriebe können sich Wettbewerbsvorteile verschaffen, indem sie attraktive Arbeitsbedingungen und Einsatzfelder generieren. In Kooperation mit den Kunden sollte auf ein gutes Stellen-Matching durch Vermeidung extremer Über- oder Fehlqualifikationen bei den Arbeitnehmerüberlassungen geachtet werden.
  3. Die Entleihunternehmen spielen ebenfalls eine wichtige Rolle für die Motivation und Zufriedenheit der Zeitarbeitskräfte. Sie sollten transparent ihre Einsatzmotive kommunizieren und bei Interesse nach Leistungsbeurteilung schnelle Entscheidungen zu möglichen Übernahmen treffen.

Die Dissertation formuliert interessante Hypothesen und kommt zu empirisch ermittelten Erkenntnissen über die Umstände und Ausgestaltung des Einsatzes von Zeitarbeit sowie die Auswirkungen von Zeitarbeit auf die in dieser Form Beschäftigten. Allerdings bleiben noch immer viele wissenschaftliche Fragen offen, da die diversen Determinanten in dieser Branche vielfach noch eine „Blackbox“ sind. Weitere fundierte Antworten wären aber gut, damit in den gesellschaftspolitischen Debatten weniger Meinungen statt belegter Fakten im Vordergrund stehen.

Blogbeitrag von RA Werner Stolz, iGZ-Hauptgeschäftsführer

Über den Autor:

Werner Stolz ist seit fast 20 Jahren Hauptgeschäftsführer des iGZ. Nach seinem Studium der Rechtswissenschaften und Betriebswirtschaft war er zuvor mehrere Jahre als selbständiger Anwalt tätig.