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Blended Learning: Modeerscheinung oder Lernmethode der Zukunft?

Wir leben in einer zunehmend digitalisierten Welt: Während ich hier und jetzt an meinem dienstlichen E-Mail-Account Dutzende von Mails empfangen kann, saust bei mir zuhause der Staubsauger-Roboter über das Laminat oder „Alexa“ spielt auf Wunsch meinen Lieblingssong. Diese Entwicklung schlägt sich auch im Bildungssektor nieder: Die wachsende Flut an Informationen führt dazu, dass die Halbwertszeit von Wissen kürzer wird. Wissensinhalte müssen in immer kürzeren Abständen wieder aufgefrischt werden, ansonsten gelten sie als veraltet. Damit wird der Trend zum lebenslangen Lernen zu einer Verpflichtung für alle. Die Verantwortung für Lerninhalte liegt zunehmend in der Hand der Lerner. Und genau hier setzt die neue Blended-Learning-Strategie des iGZ-Fachbereichs Bildung an, bei der die Vorzüge von Online-Angeboten mit den positiven Effekten von Präsenzveranstaltungen vermischt werden. Am Donnerstag, 27. Oktober, und Freitag, 28. Oktober 2018, bereitet der iGZ seine Referenten im Rahmen von Präsentations- und Moderationsschulungen umfassend auf die neuen Methoden vor.

Was ist Blended Learning?

Direkt übersetzt bedeutet der Begriff „vermischtes Lernen“. Blend bezeichnet im Englischen, wie etwa bei der Herstellung von Kaffee oder Tabak, die Vermischung verschiedener Ausgangsbestandteile, um eine hohe Qualität des Endprodukts zu sichern. Mit Blick auf die Organisation von Lerninhalten bedeutet dies: Die didaktisch sinnvolle Verknüpfung von Online-Angeboten mit den Vorteilen des persönlichen Erfahrungsaustauschs in Präsenzveranstaltungen. Für den iGZ heißt das konkret: Präsenzworkshops sollen in Zukunft von Online- und Feedback-Angeboten flankiert werden. Die dazwischen liegenden Zeiträume können die Teilnehmer als Selbstlern-phasen nutzen.

Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für die Referenten?

Kürzlich fragte ich einen unserer Referenten, was denn, mit Blick auf die verstärkte Entwicklung von Online-Angeboten beim iGZ, seine größte Sorge sei. Die Antwort kam wie aus der Pistole geschossen: „Wie ich erreiche, dass die Teilnehmer bei unseren Webinaren auch wirklich ‚dranbleiben‘ und nicht zwischendurch in die Küche gehen, um sich etwas zu kochen.“ Diese Reaktion zeigt die Brisanz der bevorstehenden Veränderungen: Das neue Lernen stellt den Bereich Bildung vom Kopf auf die Füße. Nicht nur die Lerner werden mit völlig neuen Anforderungen konfrontiert. Auch das Selbstverständnis und der Aufgabenzuschnitt der Referenten wandeln sich.

Vom Referenten zum Lernbegleiter

Während in den klassischen Präsenzseminaren der Vergangenheit der Referent die Inhalte im Wesentlichen „Top Down“ vermittelte, bewegen sich die Referenten von Morgen als wahrhaftige „Lernbegleiter auf Augenhöhe“ auf ihre Schützlinge zu, die sie beraten und unterstützen. Weiterer Vorteil für die Learning-Community: Es liegt in der Natur der Sache, dass diese Art zu lernen auch „Bottom Up“-Impulse zulässt, so dass ein reger Austausch entsteht. In gleicher Weise wandeln sich die Personalentwickler in den Unternehmen immer mehr zu Kompetenzentwicklern. Denn künftig soll es weit weniger um die Vermittlung von reinem „Vorratswissen“ als vielmehr um die jobbezogene Weitergabe der vom Unternehmen geforderten Kompetenzen gehen. So werden die Lerner langfristig befähigt, die Herausforderungen der Zukunft selbstorganisiert zu meistern.

Bettina Richter, iGZ-Bildungsreferentin

Über die Autorin

Bettina Richter ist studierte Amerikanistin und ausgebildete Redakteurin. Sie verfügt über Erfahrungen als Pressereferentin und Online-Redakteurin. Seit Anfang 2015 arbeitet Bettina Richter für den iGZ, für den sie seit Juni 2018 gemeinsam mit dem Fachbereich Bildung das Thema „Digitale Bildung“ vorantreibt.