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"Bad news are good news": Zur täglichen Presseabreit beim iGZ

iGZ-Pressesprecher Wolfram Linke berichtet über seinen Alltag

Wer als Sprachrohr das Wort für eine Wirtschaftsbranche ergreift, deren Beliebtheitsgrad ein gehöriges Stück unterhalb dessen der Feuerwehr angesiedelt ist, sollte damit rechnen, dass die tägliche Arbeit die Tatkraft eines Don Quijote erfordert. Ähnlich dem wackeren spanischen Ritter gilt es regelmäßig gegen die Windmühlen der Vorurteile zu reiten. Getreu dem Motto „Bad news are good news“ werden nahezu täglich Sensationen gesucht, wo eigentlich keine sind. Das erfordert eine durchdachte und vor allem transparente Strategie im Umgang mit den Medien.

Der Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen (iGZ) hat sich angesichts des schlechten Images der Zeitarbeitsbranche schon frühzeitig dazu entschlossen, einen möglichst offenen – und besonders auch schnellen – Umgang mit den Medien zu pflegen. Das bedeutet in der Praxis aber zuweilen auch, einen Missstand, sofern vorhanden, zu akzeptieren. Gleichzeitig wird in diesem Zusammenhang auf Perspektiven und Alternativen hingewiesen. Meldet also beispielsweise eine Krankenkasse, dass Zeitarbeitnehmer im Vergleich zu anderen Arbeitnehmern häufiger krank sind, wird das nicht – sofern korrekt – nur bestätigt. Der Verband weist auch auf Präventionsprogramme hin, die speziell dazu entwickelt wurden. Und wenn sich die Tageszeitung (taz) meldet, weil sie kaum glauben mag, dass Pflegedienstkräfte in der Zeitarbeit mehr verdienen als ihre bei den Pflegeeinrichtungen angestellten Pendants, hat die Zeitung nur Minuten später die entsprechenden Zahlen und Statistiken dazu in ihrem E-Mail-Postfach.

Um möglichst flexibel und kurzfristig reagieren zu können, werden die hausinternen Abstimmungswege des Zeitarbeitgeberverbandes so kurz wie eben möglich gehalten. Hierbei wird auf die Objektivität des Inhalts größtmöglicher Wert gelegt, denn marktschreierische Hurrameldungen kommen in Redaktionen meist sehr schlecht an und landen unmittelbar im Papierkorb. Ebenso vermieden wird empörtes Abstreiten, denn das schreckt Redakteure eher völlig ab und hat zur Konsequenz, dass sie sich nie wieder melden.

Neben der Reaktion wird auch die Aktion im dreiköpfigen iGZ-Referat Presse gepflegt: Den Redaktionen werden Inhalte zu aktuellen Themen der Zeitarbeitsbranche angeboten – das reicht von Pressemitteilungen zu politischen wie auch wirtschaftlichen Ereignissen bis hin zur Berichterstattung über eigene Veranstaltungen und Hintergrundreportagen aus der Welt der Zeitarbeit.

Zusätzlich gilt es auch immer wieder, Position zu beziehen. Das für die Branche gültige Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (AÜG) ist das in Deutschland am häufigsten geänderte Gesetz – und das, obwohl es erst knapp über 40 Jahre existiert. Nicht jede Änderung war und ist immer sinnvoll, und dann ist der Verband als Stellvertreter für die Interessen der Zeitarbeitsunternehmen besonders gefragt. Für den Pressesprecher und seine Stellvertreterin bedeutet das, die Stellungnahme des Verbandes öffentlich zu publizieren sowie Funktionsträger und Geschäftsführung mit ihren Statements in den Medien zu positionieren.

Das erfordert einen intensiven Telefonverkehr, denn die Pressestelle dient an dieser Stelle als Mittler, um eigene Interessenvertreter in die Ton- und Fernsehstudios zu bringen. Das kann dann auch schonmal eine Talkshow im Abendprogramm der öffentlich-rechtlichen Sender sein. Vorab gehört natürlich ein Briefing dazu. Außerdem organisiert der iGZ in loser Folge professionelle Medientrainings für seine Funktionsträger, um reibungslose Auftritte zu gewährleisten.

Ein hoher Stellenwert wird dem persönlichen Kontakt zu den Journalisten beigemessen. Zwanglose Hintergrundgespräche wie auch Besuche in den Redaktionen gehören zur Routine der iGZ-Presseabteilung. Dank des gegenseitigen Austausches wird der Journalist im Ergebnis nicht mehr mit jedem Betriebsjubiläum belästigt und weiß umgekehrt, dass ein bestimmtes Thema wohl gerade wirklich wichtig ist, wenn ihm eine Pressemitteilung des Verbandes ins Haus flattert. Ist das Vertrauen erst einmal aufgebaut, sinkt umgekehrt auch die Hemmschwelle, sich zwecks Recherche beim iGZ zu melden und Informationen abzufragen.

Als Alternative hat der iGZ auf seiner Homepage ein umfangreiches Wissensarsenal geschaffen, das von den Medien mittlerweile häufig genutzt wird. Neben Fakten zur Zeitarbeit werden unter anderem auch Grafiken zur Veranschaulichung der Inhalte angeboten, die laufend aktualisiert werden. Zur täglichen Herausforderung gehört es also, ebenso sachliche wie seriöse Informationen schnellstmöglich an den Adressaten zu bringen.

Angesichts der Tatsache, dass Journalismus ein extrem schnelles Geschäft ist, gehört es zur Zielsetzung, Anfragen mindestens innerhalb weniger Stunden, höchstens aber innerhalb eines Tages zu beantworten. Bei der Erreichbarkeit der Medien muss heutzutage außerdem darauf geachtet werden, dass längst auch Social Media zum Alltag des Journalismus gehören. Facebook oder Twitter werden ebenso als Informationsquellen genutzt wie etwa Newsdienste via WhatsApp. Die Beobachtung dieser Tendenzen obliegt ebenfalls dem iGZ-Pressereferat. Neben Auftritten in Facebook, Xing und Twitter wurden auch ein WhatsApp-Dienst eingerichtet, der innerhalb von nur drei Monaten bereits rund 1.000 Abonnenten hatte. Oberstes Gebot dabei: Besonders die Kanäle in den Social Media müssen täglich mit News oder Diskussionsangeboten versorgt werden, sonst versiegt die Quelle der Besucher.

Neben diesen Aufgabenstellungen, die sich jeden Tag aufs Neue wiederholen, publiziert der iGZ ein eigenes Verbandsfachmagazin („Z direkt!“), in dem spezielle Zeitarbeitsthemen bis hin zum juristischen Fachbeitrag aus verschiedensten Blickwinkeln beleuchtet werden. Da der Bezug des Magazins kostenlos ist, wird es auch gern von Fachjournalisten abonniert. Als Service werden Artikel in dem vierteljährlich erscheinenden Fachblatt mittels QR-Code vertaggt, der dann bequem per Smartphone gescannt werden kann, um an weiterführende Informationen zu gelangen. Das klingt nach einem Rundum-Sorglos-Infopaket für Journalisten, ist aber noch lange kein Grund, die Hände in den Schoß zu legen: Mediale Trends und Bewegungen gehören auf jeden Fall mit auf die tägliche Rechercheliste einer Pressestelle, denn schon morgen könnte es sein, dass sich plötzlich alle nur noch auf Instagram tummeln…

 

Über den Autor:

Wolfram Linke ist seit Juni 2008 Pressesprecher des Interessenverbandes Deutscher Zeitarbeitsunternehmen. Davor arbeitete er 18 Jahre lang als Redakteur bei einer Tageszeitung, bildete regelmäßig Volontäre aus, führte Praktikanten in die Welt des Journalismus ein und hielt zahlreiche Fachvorträge zum Thema Medien. Linke ist außerdem Certified Microsoft Technology Associate (Windows und Netzwerke) und hat mehrere weitere Microsoft- sowie Adobe-Zertifikate. Seit März 2014 ist er Vorsitzender des Pressevereins Münster – Münsterland.