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Leadership ist so individuell wie Ihre Persönlichkeit

Eine Person trägt einen grünen und einen blauen Schuh.

Die Herausforderungen moderner Führung? Das Zusammentreffen von hohem Individualisierungsgrad in unserer Gesellschaft, Schnelligkeit der Veränderungen und Optimierungsanspruch bei uns selbst, aber auch seitens der Stakeholder. Eine erste Einschätzung habe ich dazu bereits in der Zdirekt 04/2021 gegeben. Offen bleibt die Frage: Wie kommen wir zu Führungsprinzipien, die dazu beitragen, dass wir mit unseren Teams an einer erfolgreichen Zukunft arbeiten? 

Es wäre natürlich ein Leichtes, Ihnen das x-tausendste Modell an die Wand zu malen, es als den ultimativen Weg und Nordstern zu bezeichnen nach dem Sie sich unbedingt richten sollten. Was würde mich von den Abertausenden Coaches und Professoren unterscheiden? Nichts. Und ich sage Ihnen was: Das sind Experten mit breitem und tiefem Wissen zum Thema Leadership und Führung. Das bin ich nicht. Und das ist nicht schlimm. Ich halte es mit dem Satz „Imitation ist the enemy“. Ein guter Coach wird Ihnen kein Modell vorhalten und Ihnen überstülpen. Ein guter Coach wird mit Ihnen Ihr eigenes Modell entwickeln. 

Sie sind ihr eigener Experte – Sie brauchen ihr Modell 

Ich bin kein Leadership-Experte. Was ich hingegen bin? Der Jens-Experte. Ich kenne mich. Ich weiß, welchen Weg ich bisher gegangen bin, welche Erfahrungen ich gemacht habe. Ich habe eine Geschichte. Ich weiß, wo ich anecke und wo ich begeistern kann. Ich weiß, welche Ansprüche ich an mich und an mein Umfeld habe und welche Werte wichtig sind. Das beantwortet die Frage `Wofür stehe ich?´. Eine zentrale Frage, um ein Team erfolgreich zu führen. Sich selbst zu kennen und das auch zu vermitteln, sorgt für Verlässlichkeit und Orientierung im Team. Und ich wurde im besten Fall eingestellt oder befördert, weil ich genau diese Dinge vermittelt habe. Sollte das nicht also auch die Grundlage für meine ganz persönlichen Leadership-Prinzipien sein? Alles andere wäre auf Dauer nicht authentisch. 

Hinzu kommt die Frage `Was sind unsere Ziele?´. Soll ich den Status Quo verwalten? Oder soll ich neue Geschäftsfelder entwickeln? Soll ich optimieren? Oder einfach nur für Ruhe und Kontinuität sorgen? Zugegeben: Diese Frage beantwortet sich in der heutigen Zeit von selbst. Unsere Wirtschaft ist hochdynamisch. Absatzmärkte, Vertriebskanäle und die Weiterentwicklungen von Produkten und Dienstleistungen sind meist kein Projekt mehr, sondern Tagesgeschäft. 

So weit so gut. Aber würde es nicht schaden auch den Blick nach außen zu richten? Absolut, schließlich führen wir unsere Teams nicht auf einsamen Inseln. Jeder von uns reflektiert, die einen mehr, die anderen weniger. Dazu gehören Gegenüberstellungen, Vorbilder oder Learnings aus der Beobachtung anderer. Mit anderen Worten: Welche gesellschaftlichen Einflüsse haben wir durch das politische und wirtschaftliche Geschehen, was einen enormen Einfluss auf das Handeln und Denken jeder Person im Team hat. Wie geht es der Gesellschaft? Wie gehen wir mit Jung und Alt um? Welchen Stellenwert hat unser Job?  

Das sind die drei Eckpunkte entlang derer ich meine acht persönlichen Leadership-Prinzipien entwickelt habe. 

Meine acht Leadership-Prinzipien 

  1. Klarheit und Fokus schaffen 
    Die Welt heute ist komplex und schnell. Ein Hype jagt den nächsten. Wir dürfen uns ausprobieren, aber müssen nicht alles mitgehen. Wir wägen ab, argumentieren und trauen uns den Fokus bewusst auf ein Thema zu legen oder auch mal bewusst zwei Stufen zu nehmen und die Zwischenstufe auszulassen. 

  2. Immer in Bewegung, nie still stehen - Neugierig bleiben, nie aufhören zu lernen 
    Unser Business sind Marketing und Kommunikation. Beide müssen Treiber in Organisationen sein. Wir haben an der Wahrnehmung und dem Wachstum große Anteile, indem wir optimieren, verbessern und Erfolge erzielen. Wenn wir state of the art sein wollen, dann müssen wir uns kontinuierlich reflektieren und weiterentwickeln. 

  3. Entscheidungen treffen – Verantwortung übernehmen – Risikobereitschaft fördern 
    Daten und Analysen zu generieren, ist in dieser Welt nicht die Herausforderung. Aber Kunden, Mitglieder und Themen kommen und gehen immer schneller. Die Veränderungsbereitschaft und Fluktuation nimmt zu. Dem entgegnen wir, indem wir die Initiative ergreifen und Entscheidungsfreude und Entschlossenheit zeigen. Wir versuchen Neues und gehen Risiken ein. Dabei stehen wir für Erfolge, aber auch falsche Entscheidungen ein. Aus Misserfolgen lernen wir für unseren weiteren Weg. 

  4. Herausfordernd - ohne Silos 
    Wir fordern uns selbst, aber auch andere heraus. Marketing und Kommunikation haben eine Strahlkraft und brauchen Input, die jenseits unserer Abteilungsgrenzen liegen. Deshalb fordern wir ein und begleiten Entwicklungen, jenseits des Marketings, die für unseren Erfolg Treiber sind.  

  5. Mit Schwarmintelligenz und Gleichberechtigung zur Stärke 
    Ich habe eine Idee. Du hast eine Idee. Also haben wir schon zwei Ideen plus eine gemeinsame Idee, wenn wir unsere Ideen zusammenbringen. Die Basis für Kreativität ist der Austausch und das Herausfordern, Hinterfragen und Vorantreiben miteinander. Dabei spielen Seniorität, Zugehörigkeit und Status keine Rolle. Impulse sind aus jedem Blickwinkel willkommen und bringen Mehrwert. 

  6. Mitarbeiter mit Motivation und Willen weiterentwickeln 
    Verantwortung zu übertragen, ist ein Motivationsfaktor. Wer Verantwortung will und den Weg nach vorne sucht, bekommt diese. Für Marketing und Kommunikation braucht es Mitarbeiter mit Gestaltungswillen und eigenem Antrieb. Im Sparring entwickeln wir dabei Projekte und Themen, in denen ich auf Dauer nur noch Partner statt Treiber bin. 

  7. Transparent sein - Harte Wahrheiten in Aufbruchstimmung umwandeln 
    Ein großes Thema in Führungspositionen: Wieviel Wahrheit darf ich meinen Mitarbeitern zumuten. Ich denke: So viel wie möglich, ohne dass es uns schadet. Ich erwarte Eigenverantwortung und Vertrauen, dass darf und muss ich auch zurückgeben.  

  8. Think Big 
    Wir wollen gestalten? Dann am besten ohne Schranken. Bedenkenträger und Retrospektive sind Gradmesser, aber auch Bremser. Ich halte es damit, im ersten Schritt groß zu denken, um Spaß an der Sache zu entwickeln. Streichen und verkleinern aufgrund äußerer Umstände, kommt erst im zweiten Schritt. Große Dinge klein zu machen, funktioniert meist besser als kleine Dinge groß zu machen. 

Das sind die acht Leadership-Prinzipien, die ich, vor dem Hintergrund meiner Historie in Agentur und Beratung, in Beobachtung und in Zusammenarbeit mit Kunden, über die Jahre entwickelt habe. Ich erhebe weder Anspruch auf Vollständigkeit, noch darauf, dass sie ultimativ sind. Es sind meine eigenen, ganz individuellen Leadership-Prinzipien und das ist wichtig.  

Daher stellt sich die Frage: Was sind Ihre Leadership-Prinzipien? Haben Sie diese klar definiert und auch schon mal runtergeschrieben? Finden sich diese in Ihrer DNA wieder? Im besten Fall können wir zu jedem unserer Leadership-Prinzipien mindestens eine Situation und ein Beispiel nennen, das uns geprägt hat. 

Also: Hören wir auf uns zu verstellen, nach Modellen und Idealen zu streben. Wichtig ist, dass wir eine eigene Idee von Leadership haben. Dass wir wissen, wofür wir stehen. 

Wofür stehen Sie?