Engagierte Diskussion beim iGZ-Bundeskongress

Zeitarbeits-Realität nicht aus den Augen verlieren

„Die Politik muss gut Acht geben, sich nicht in Bereiche einzumischen, die von den Tarifpartnern selbstständig geregelt werden können“, erklärte MdB Karl Schiewerling, CDU/CSU-Bundestagsfraktion, im Rahmen einer Podiumsdiskussion beim iGZ-Bundeskongress in Münster.

„Gute Zeitarbeit bietet Chancen“, lautete der Titel der Gesprächsrunde. Moderiert von Andrea Resigkeit, Leiterin iGZ-Hauptstadtbüro, diskutierten MdB Karl Schiewerling, CDU/CSU-Bundestagsfraktion, MdB Maria Klein-Schmeink, Bündnis 90/Die Grünen, Achim Vanselow, DGB, Dr. Luitwin Mallmann, Hauptgeschäftsführer Metall NRW, Bettina Schiller, Mitglied des iGZ-Bundesvorstandes, und MdB Johannes Vogel, FDP-Bundestagsfraktion, über Aspekte guter Zeitarbeit.

Fortschritte

Maria Klein-Schmeink sah Fortschritte in der Arbeit der Zeitarbeitgeberverbände, aber das Ziel Equal Pay sei noch nicht erreicht. Auch Drehtüreffekte gebe es nach wie vor. Es gehe nicht nur um Regulierungswut, sondern darum, dass Menschen dauerhafte berufliche Perspektiven haben. Bettina Schiller betonte, dass gerade die Zeitarbeit jene auffange, die sonst gar keine Perspektiven hätten, und hier seien 90 Prozent der Beschäftigungsverhältnisse unbefristet. „Ziel müsste sein, die Vorteile deutscher Zeitarbeit zu erhalten mit der Arbeitgeberkonstruktion als eigene Branche“, sagte Johannes Vogel. Als Beispiele nannte er die bisher erreichten Ziele wie etwa Lohnuntergrenze und Anti-Drehtürklausel. Als wirklich gelungenes Projekt nannte er die Branchenzuschläge, mit denen die Lohnungleichheitslücke geschlossen sei.


Missbrauch

Karl Schiewerling verwies zunächst auf die Entwicklung der Zeitarbeit. Missbrauch habe die Politik auf den Plan gerufen, die dann von der Branche Lösungen gefordert habe. Die Forderungen seien von den Tarifpartnern auch umgesetzt worden: „Ich begrüße diese Lösungen“, stellte er fest. Auf diesem Wege sei zudem gesellschaftliche Akzeptanz zu erreichen. „Wir werden keine weiteren Anforderungen mit Blick auf Equal Pay an die Branche richten“, erläuterte Schiewerling mit Blick auf die Branchenzuschläge. Achim Vanselow unterstellte der Politik, sich ursprünglich ein Stück weit aus der Verantwortung gezogen zu haben. Das habe sich aber gewandelt. „Was wir nicht wollen, ist eine Spaltung in geschützte und ungeschützte Arbeitnehmerschaft“, meinte er hinsichtlich Zeitarbeit. Er prognostizierte, die Zeitarbeit werde in den kommenden Jahren nicht mehr das Ausmaß haben wie in der Zeit nach der Liberalisierung.

Prekariatsgerede

Luitwin Mallmann erteilte Vanselow eine Absage, er dürfe die verhandelten Tarife und Regelungen wie den Kündigungsschutz nicht einfach ignorieren. Das Prekariatsgerede sei schlicht irreal. Klein-Schmeink bemühte die Statistik. Lediglich ein Drittel seien ungelernte Hilfskräfte, die durchschnittliche Einsatzzeit ende nach drei Monaten, und viele Fachkräfte würden berufsfremd eingesetzt. Vogel dazu: „Die Einsätze enden zu 50 Prozent nach drei Monaten, aber der Arbeitnehmer ist dann nicht arbeitslos, sondern weiterhin Angestellter der Zeitarbeitsfirma.“ Es gelte, diese Funktion der Zeitarbeit zu erhalten.


Attribute

Bettina Schiller mahnte an, dass sich gerade die Gewerkschaften von den Attributen wie etwa „Sklave“, mit denen sie die Zeitarbeitnehmer tituliere, verabschieden sollten – die Mitarbeiter erfreuen sich in ihren Firmen größerer Wertschätzung, als es die Gewerkschaften darstellten. (WLI)