iGZ-Bundeskongress: Diskussion um Sozialpartnerschaft in der Zeitarbeit

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Regionale Seite: Nordrhein-Westfalen

Sven Kramer

  • Bundesvorstand
  • Stellvertretende(r) Bundesvorsitzende(r)
  • Tarifkommission

"Zeitarbeit die Blaupause für Digitalisierung"

„Wir haben haben Tarifverträge verhandelt, weil wir eine eigenständige Branche sind“, unterstrich Sven Kramer, stellvertretender iGZ-Bundesvorsitzender und Vorsitzender der iGZ-Tarifkommission in seiner Diskussion mit Stefan Körzell, Mitglied des Geschäftsführenden Vorstandes des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), die Position der Zeitarbeit in der deutschen Wirtschaft.

Diskutierten, moderiert von Christiane Stein, die Sozalpartnerschaft (v.l.): Sven Kramer und Stefan Körzell.

Im Rahmen des iGZ-Bundeskongresses im ehemaligen Bundestag in Bonn debattierten beide, moderiert von Christiane Stein, Fernsehjournalistin und Moderatorin, vor knapp 600 Zuhörern über die Sozialpartnerschaft in der Zeitarbeitsbranche. „Der Abschluss von Tarifverträgen im Jahr 2003 war absolut der richtige Schritt. Wir sind ja mit der untersten Entgeltstufe auch weit über dem gesetzlichen Mindestlohn und werden auch dadurch attraktiv für Mitarbeiter“, betonte Kramer.

Experten verhandeln

Körzell bestätigte, es sei immer richtig, Tarifveträge abzuschließen. „Das muss man nicht dem Gesetzgeber überlassen, denn die Experten sitzen in den Verhandlungsgemeinschaften. Wir haben höchste Regelungskompetenz, das ist maßgeschneidert, individuell angepasst und deshalb allgemein akzeptiert“, erläuterte das DGB-Vorstandsmitglied.

Monitoring

Kramer reagierte: „Es wäre schön, wenn sich die Gewerkschaften auch so verhalten würden. Aber zuzulassen, dass mit der AÜG-Reform fragwürdige BA-Anweisungen durchgewunken werden, ist schon kritisch. Ein vorheriges Monitoring wäre bitter nötig gewesen.“

Gemeinsam regeln

Körzell unterstrich, „die Gewerkschaften haben da gesetzliche Regelung angemahnt, wo Zeitarbeit nicht mehr laut gesetzlicher Definition praktiziert wurde.“ Der iGZ und auch die Gewerkschaften seien denn auch heftig unterwegs gewesen, um das zu unterbinden. Wie sich die AÜG-Reform jetzt auswirke, bleibe abzuwarten. „Wenn die Zeitarbeit eine ganz normale Branche sein will, müssen wir auch Dialoge zwischen den Tarifverhandlungszeiten führen. Nun müssen wir mal gemeinsam gucken, was die Tarifpartner zusammen regeln können“, schloss Körzell. Kramer indes verdeutlichte, es sei gut und billig, „wenn man sich in Verhandlungszeiten nicht an einem anderen Tisch trifft – jetzt sollten wir erstmal die Branchenzuschlagstarife verhandeln und uns danach wieder zusammensetzen.“

Ganz normale Branche

„Wir akzeptieren den Anspruch, eine ganz normale Branche zu sein und wollen auch den Dialogprozess abseits der Tarifgespräche anstoßen“, signalisierte Körzell Gesprächsbereitschaft.

Nicht verallgemeinern

Der stellvertretende iGZ-Bundesvorsitzende erklärte, er hätte lieber mit Körzell und den Gewerkschaften, aber ohne Gesetzgeber verhandelt. Man dürfe nicht nur einen Missstand aufgreifen und ihn dann auf die ganze Branche verallgemeinern. „Aus solch einer Nummer kommt man dann auch schlecht wieder heraus, Ergebnis war denn ja auch die Koalitionsvereinbarung“, mahnte Kramer mehr Fairness im Umgang miteinander an.

Digitalisierung gestalten

Zum Thema Digitalisierung äußerte Körzell, die Gewerkschaften wollen die Digitalisierung gestalten. Die Frage sei nun, „Wie soll der Wechsel zwischen niedrig qualifizierter Arbeit hin zu qualifizierten Tätigkeiten laufen?“. Körzell: „In Berufsschulen entsteht manchmal der Eindruck, die Schüler haben Unterricht in einem deutschen Museum.“

Flexibler Wandel

Kramer erklärte, durch die Digitalisierung würden ja nicht alle Arbeitsplätze wegfallen – es brauche Rahmenbedingungen, um Mitarbeiter in dieser Zeit vernünftig abzusichern, damit sie den Wandel flexibel schaffen. „Zeitarbeit ist eigentlich die Blaupause für die Digitalisierung. Wir brauchen Mitarbeiter und Helfer, die uns dabei unterstützen das zu realisieren“, stellte Kramer fest.

Gesetzgeber nicht nötig

Körzell folgerte: „Wenn wir das zwischen den Tarifparteien regeln können, braucht man auch keinen Gesetzgeber.“ Jetzt sei erstmal die Bundestagswahl abzuwarten, um zu schauen, wie sich die politische Situation weiterentwickele. Körzell: „Schau´n mer mal.“ (WLI)