Oftmals höhere Gehälter und weniger Überstunden

Pflege: Zeitarbeit bietet bessere Bedingungen

„Kein Bock auf Festanstellung in der Pflege“ titelte die Tageszeitung taz einen Artikel über Zeitarbeitskräfte in der Pflegebranche. Laut einer Sonderauswertung der Bundesagentur für Arbeit im Auftrag des Interessenverbandes Deutscher Zeitarbeitsunternehmen (iGZ) erhöhte sich die Anzahl von Zeitarbeitskräften in Pflegeberufen von Juni 2016 auf Juni 2017 um 20 Prozent.

Kein Wunder, findet iGZ-Pressesprecher Wolfram Linke. Der Arbeitsdruck bei den Direktangestellten sei zu hoch, zitiert die taz den iGZ-Vertreter. Das bestätigt auch die Statistik: Laut taz-Artikel ist die Fallzahl in Krankenhäusern zwischen 1995 und 2014 um rund zwölf Prozent gestiegen, während gleichzeitig die Anzahl der Pflegekräfte um rund 13 Prozent abnahm.

Gute Erfahrung als Zeitarbeitskraft

Krankenpfleger Tim Schenk hat gute Erfahrung mit der Zeitarbeit gemacht. Früher sei er oft von Kollegen beschimpft worden, wenn er nicht ständig einspringen und Doppelschichten leisten wollte. „Die habe ich als Zeitarbeiter nicht“, sieht er einen klaren Vorteil. Und: „Die Bezahlung ist meistens genauso oder besser.“

Fachkräftemangel bringt höhere Löhne

Diese Erfahrung hat auch Zeitarbeitsexperte Linke gemacht. Aufgrund des Fachkräftemangels seien Pflegekräfte sehr begehrt. Sowohl die Bedingungen als auch die Bezahlung seien darum mindestens genauso gut, oftmals besser. Das sei zwar im Grunde absurd, weil Krankenhäuser eigentlich an den Personalkosten sparen sollen – für Zeitarbeitsbeschäftigte aber letztlich mehr Geld ausgeben. „Aber was sollen sie machen, wenn sie niemanden finden?“, fragt Linke. Viele Kliniken müssten auf externes Personal zurückgreifen, weil sich schlicht niemand direkt bei ihnen bewerbe. (ML)