120 Teilnehmer bei ES-Unternehmerforum für Personaldienstleister

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Vortrag Werner Stolz [pdf 2,9 MB]
Regionale Seite: Hessen

Helga Schwitzer: "Zeitarbeit kein Lohndumpinginstrument"

Die Stimme der Vernunft hat auch ein Gesicht: “Die Rahmenbedingungen der Zeitarbeit sind nicht mehr diskreditierbar. Bei einem Eingriff in das komplizierte Gefüge der Tarifverträge muss der Gesetzgeber aufpassen, weil man nicht ohne Konsequenzen in dieses Gefüge eingreifen kann“, mahnte iGZ-Hauptgeschäftsführer Werner Stolz beim achten ES-Unternehmerforum für Personaldienstleister in Fulda angesichts der Koalitionsvereinbarungen zur Zeitarbeit.

iGZ-Hauptgeschäftsführer Werner Stolz: "Gesetzgeber kann nicht ohne Konsequenzen in Tarifgefüge eingreifen."

Die geplante Beschränkung der Überlassungsdauer auf 18 Monate habe, so Stolz, etwas von einem Würfelspiel. Nach Forderungen von zwölf und 24 Monaten einigten sich die Koalitionsparteien auf 18 Monate. Auch die Equal Pay-Forderung nach neun Monaten Einsatz sei Makulatur, wenn der Arbeitnehmer nach 18 Monaten weggeschickt werde und damit quasi auf Null zurückfalle.

Branchenzuschläge

Diese Pläne seien mit Blick auf die längst existierenden und mittlerweile bewährten Branchenzuschlagstarife, mit denen das Gehalt der Zeitarbeitnehmerschaft an das Entgelt des Stammpersonals angeglichen werde, völlig überflüssig. „Der Spagat zwischen Flexibilität und Sicherheit muss genauso bestehen bleiben wie die Tarifautonomie“, forderte Stolz vor den rund 120 Teilnehmern. Mit den Tarifwerken sei der Gesamtschutz der Zeitarbeitnehmerschaft in Deutschland realisiert. Allerdings gebe es auch noch einige Baustellen. Als Beispiele nannte er unter anderem das Image der Branche, die Gesetzgebung und die Tarifentwicklung. „Wir können aber stolz auf das Erreichte sein“, fasste der iGZ-Hauptgeschäftsführer zusammen.

Zeitarbeit kein Lohndumpinginstrument

Helga Schwitzer, bis November 2013 geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall, bestätigte in ihrem Vortrag, die Tarif-Verhandlungen mit der Verhandlungsgemeinschaft Zeitarbeit (VGZ) der Zeitarbeitgeberverbände sei „stets sehr konstruktiv gewesen“ und die Umsetzung der Branchenzuschläge sei „im Wesentlichen erfolgreich“. Die IG Metall fokussiere sich laut Schwitzer jetzt auf Werkverträge. Zeitarbeit sei kein Lohndumpinginstrument mehr, sondern ein Flexibilitätsinstrument der Wirtschaft. Auch sie sehe noch Baustellen wie etwa die Lohnangleichung im Osten und Equal Pay.


Diskutierten über mögliche Wege der Zeitarbeitsbranche in die Zukunft (v.l.): Thomas Bäumer, Helga Schwitzer, Sven Astheimer, Edgar Schröder, Werner Stolz und Timm Eifler.

Podiumsdiskussion

Auf Einladung Edgar Schröders diskutierten im Anschluss Werner Stolz, Dr. Timm Eifler (Geschäftsführender Gesellschafter der Firma Hanfried, Vorstandsvorsitzender der RAL Gütegemeinschaft Personaldienstleistungen e.V.), Helga Schwitzer, Thomas Bäumer (BAP-Vizepräsident) und Edgar Schröder, moderiert von FAZ-Wirtschaftsredakteur Sven Astheimer, über die aktuelle Situation und Wege in die Zukunft der Branche.

Fachvorträge

Zum Auftakt des Unternehmerforums referierten Sven Astheimer, Prof. Dr. Ricarda B. Bouncken, RA Dr. Alexander Bissels (CMS Hasche Sigle) und Katharina Bitter (Head Performance) in Fachvorträgen zu verschiedenen Aspekten der Zeitarbeit. (WLI)