iGZ-Landeskongress NRW in Dortmund

Gesundheitsschutz im Fokus

Menschen brauchen Erholung – nicht nur beim Sport, sondern auch im Arbeitsleben, verdeutlichte Prof. Dr. Ingo Froböse, Deutsche Sporthochschule Köln, nach der Mittagspause beim iGZ-Landeskongress NRW in Dortmund.

Diskutierten konkrete Ideen, wie der Gesundheitsschutz in Zeitarbeitsunternehmen verbessert werden kann (v.l.): Martin Gehrke, stellvertretender iGZ-Bundesvorsitzender, Marcel Speker, Leiter iGZ-Kommunikationsabteilung, und Dr. med. Eiad Awwad, Praevent GmbH.

Zeit für Erholung sorge bei Mitarbeitern für mehr Zufriedenheit, wodurch diese wiederrum weniger anfällig für körperliche und psychische Erkrankungen seien. „Betriebliches Gesundheitsmanagement ist darum unbedingt Chefsache“, legte Froböse den Kongressteilnehmern ans Herz. Unternehmer sollten ihre Mitarbeiter regelmäßig zum „Leistungscheck“ rufen, um zu bewerten, ob sie den täglichen Belastungen standhalten können.

Gesundheitsschutz trägt Früchte

Dass sich betriebliches Gesundheitsmanagement auszahlt, zeigt die Unfallstatistik der VBG, verdeutlichte Martin Gehrke, stellvertretender iGZ-Bundesvorsitzender. Seit Gründung des iGZ war es ein Hauptanliegen des Verbandes, den Gesundheitsschutz zu verbessern und so geringere VBG-Beiträge zu ermöglichen. Das sei mehr als gelungen. „Die Unfallzahlen haben sich deutlich reduziert“, freute sich das Mitglied der VBG-Vertreterversammlung. Dadurch hätten sich auch die Beiträge verringert. „Gegenüber 1998 sparen Unternehmen heute 43 Prozent der VBG-Beiträge, das sind jährlich 260 Millionen Euro“, nannte er beeindruckende Zahlen.

Systematische VBG-Angebote

Grund dafür sei, dass Gesundheitsschutz heute in der gesamten Branche gelebt werde. Schon für angehende Personaldienstleistungskaufleute (PDK) biete die VBG passende Seminare an. „Damit ist die PDK-Ausbildung die einzige kaufmännische Ausbildung, in der auch Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz geschult werden“, hob Gehrke hervor. Zielgruppengerechte Broschüren, Beratungsangebote vor Ort sowie die AMS-Auditierung (Arbeitsschutz mit System) runden das breite Angebot der VBG ab, berichtete Gehrke. Außerdem gab er einen Ausblick auf das neue Prämienverfahren, an dem die VBG derzeit arbeitet. „Wer etwas in Arbeitsschutz investiert, der bekommt Prämien“, fasste Gehrke das neue Konzept grob zusammen. Auch ein neues Bonus-Malus-Verfahren sei in Arbeit.

Konkrete Untersuchungsangebote machen

Um die Frage, wie sich Gesundheitsschutz in der Zeitarbeit praktisch darstellen lässt, ging es in der anschließenden Gesprächsrunde. Besser als Gesundheitstage seien ganz konkrete Untersuchungsangebote, empfahl Dr. med. Eiad Awwad, Praevent Gmbh. Dann könne der Mitarbeiter direkt sehen, wie es um den eigenen Gesundheitszustand bestellt sei. „Das motiviert mehr als viele pauschale Aufforderungen zu gesünderer Ernährung oder einer besseren Körperhaltung“, sprach der Mediziner aus seiner Berufserfahrung.

Über den Mindeststandard hinaus

Gehrke regte an, über den Mindeststandard hinaus etwas für den Arbeitsschutz im eigenen Unternehmen zu tun. „Eine Idee ist zum Beispiel, Mitarbeitern ein zweites Paar Sicherheitsschuhe an die Hand zu geben, damit sie die auch mal wechseln können“, regte er an. Das fördere die Fußgesundheit der Mitarbeiter ohne großen Mehraufwand.

Politische Hintergrundgespräche

Die politische Situation analysierte iGZ-Hauptgeschäftsführer Werner Stolz. Mit einer möglichen Höchstüberlassungsdauer sowie Equal Pay nach neun Monaten plane die Regierung heftige Einschnitte für die Branche. Einigkeit herrschte dabei im Publikum, dass die 18-Monatsbeschränkung die wesentlich schädlichere Regulierung sei. Aufgrund der Branchenzuschläge gleichen sich die Löhne der Zeitarbeitskräfte in elf Branchen ohnehin innerhalb von neun Monaten denen der Stammbelegschaft an.

Überblick über Gerichtsentscheidungen

Aktuelle Rechtsprechungen stellte iGZ-Geschäftsführer Dr. Martin Dreyer vor. „Arbeitszeitkonten sind generell zulässig“, nannte er ein Beispiel aktueller Gerichtsentscheidungen. Darüber hinaus gebe es für Arbeitnehmer auch keine Garantie auf eine regelmäßige tägliche oder wöchentliche Arbeitszeit, sondern lediglich auf die tariflich festgelegte Monatsarbeitszeit. (ML)