Zeitarbeitsunternehmer reagieren auf vorgesehene AÜG-Novellierung

Armin Zeller

  • Landesbeauftragte/r

"Geplante Regulierungen wenig praktikabel"

"Die geplanten Neuregelungen sehen einen massiven Eingriff in die verfassungsmäßig geschützte Tarifautonomie vor und greifen in ein funktionierendes Tarifsystem ein", reagierte der iGZ-Landesbeauftragte für Baden-Württemberg, Armin Zeller, auf die von der Regierungskoalition anvisierte Novellierung des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes (AÜG).

Besonders bei längerfristigen Aufgaben und unter bestimmten Jobvoraussetzungen ist eine Beschränkung der Überlassungsdauer auf 18 Monate vollkommen praxisfern. Foto: Fotolia

Auf Basis des Koalitionsvertrages soll die Überlassungsdauer künftig auf 18 Monate beschränkt werden, und nach neun Monaten soll Equal Pay gelten. Gemeinsam mit den Ulmer Zeitarbeitgebern Peter Roth und Thomas Schlömp veröffentlichte der Sprecher der iGZ-Landesbeauftragten im iGZ-Bundesvorstand eine Mitteilung.

Verunsicherung

Demnach bemerken sie bereits jetzt eine "tiefe Verunsicherung" bei ihren Kundenfirmen. „Der Anteil der Zeitarbeitnehmer an allen Erwerbstätigen beträgt seit Jahren im Durchschnitt zwei Prozent“, verdeutlicht Zeller die Dimensionen. Hier werde mit Kanonen auf Spatzen geschossen.

Unrealistisch

Die Regulierungen seien vollkommen unrealistisch: Wenn jemand nach neun Monaten das gleiche Entgelt wie das Stammpersonal  bekomme und nach 18 Monaten nicht mehr in dem Job weiterarbeiten dürfe, fange er anschließend finanziell wieder in der untersten Stufe seiner Entgelteingruppierung an. In erster Linie seien von diesen Plänen Zeitarbeitnehmer betroffen, die die Vertretung für Elternzeit und Krankheit übernehmen oder für längerfristige Projektaufgaben engagiert werden.

Praxisgerechte Lösung

Eine Equal Pay-Entlohnung nach neun Monaten sei ebenfalls völlig realitätsfern – die Sozialpartner haben, so Zeller, mit den Branchenzuschlagsverträgen längst eine praxisgerechte Lösung geschaffen. Die Zeitarbeitnehmer erhalten bereits spätestens nach sechs Wochen die erste Lohnerhöhung. Über neun Monate hinweg werde das Entgelt zeitlich gestaffelt dem Lohn der Stammbelegschaft angeglichen. "Zeitarbeit ist kein Jobkiller und schafft auch keine unterbezahlten Jobs", betonen die drei Unternehmer in diesem Zusammenhang.

Wenig praktikabel

"Die Pläne von Arbeitsministerin Andrea Nahles sind nicht nachvollziehbar", erklärt Zeller. Weil die Zeitarbeitsfirmen auch bereits seit zwei Jahren Tariflohn zahlen, "der über dem Mindestlohn liegt." Die Vorschläge aus dem Arbeitsministerium halten die Ulmer Geschäftsführer für wenig praktikabel. (WLI)

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Posted by Faire Zeitarbeit on Montag, 25. Januar 2016