Neue Lünendonk-Studie mit eigenem Kapitel zu Reform-Auswirkungen

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AÜG-Reform: Tiefe Einschnitte erwartet

Nichts Gutes schwant den Zeitarbeitsunternehmen, wenn sie über mögliche Auswirkungen der Reform des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes nachdenken – laut jetzt veröffentlichter Lünendonk-Studie zu Zeitarbeits- und Personaldienstleistungsunternehmen in Deutschland 2017 fürchten 81,3 Prozent der Befragten eine Konsolidierung des Marktes.

Fast zwei Drittel (64,6 Prozent) erwarten eine enorme Einschränkung der Flexibilität des deutschen Arbeitsmarktes, und 60,4 Prozent rechnen mit einer Qualitätseinbuße bei Projekten mit längerer Dauer. 58,3 Prozent prognostizieren zudem, dass kleinere Zeitarbeitsunternehmen vom Markt verschwinden werden.

Eigenes Kapitel

Die Auswirkungen der AÜG-Reform waren den Autoren so wichtig, dass sie ihnen diesmal ein ganzes Kapitel in der Studie widmeten. Die Branche stehe mit der Reform vor großen Herausforderungen. Vor allem fehle eine gesetzliche Definition von Equal Pay, und auch bei der Höchstüberlassungsdauer seien noch Fragen offen. Die Autoren rechnen damit, dass sich negative Auswirkungen erst 2018 nachhaltig auswirken werden. Es zeichne sich allerdings ab, „dass das Umfeld aufgrund der bestehenden rechtlichen Unsicherheiten herausfordernder wird.“

Schwur zum Jahreswechsel

Nichts Genaues weiß man nicht, könnte das Lünendonk-Fazit auch lauten: „Aus der Marktperspektive ist zu erwarten, dass die Zeitarbeitsunternehmen mit den Risiken der individuellen Ermittlung von Equal Pay sowie der wesentlichen Arbeitsbedingungen unterschiedlich umgehen. Gleiches gilt für die Einsatzunternehmen. Manche Anbieter werden die Einsatzzeiten bis zur Höchstüberlassungsdauer von 18 Monaten in diesen Konstellationen mitgehen, manche nicht. Manche Kunden werden die Zeitarbeitnehmer in dieser Konstellation mit Ablauf der Neunmonatsfrist für Equal Pay austauschen, andere nicht. Zum ersten Schwur kommt es zum Jahreswechsel 2017/2018“, warten die Experten ab.

Hohe Nachfrage

Mehr Sicherheit gibt´s beim Blick auf das Jahr 2016: „Der Markt für Zeitarbeit und Personaldienstleistungen war 2016 von einer stabilen Konjunktur geprägt. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind weiterhin stabil. Die hohe Nachfrage nach flexibler externer Unterstützung durch Zeitarbeitskräfte setzte sich weiter fort“, fasst das Institut zusammen. Das Marktvolumen sei (am Umsatz gemessen) um sechs Prozent auf 32,2 Milliarden Euro gestiegen. Bei den Zeitarbeitskräften registrierte die Lünendonk & Hossenfelder GmbH eine Zunahme um 4,6 Prozent.

Digitalisierung

Zunehmend ins Licht des Interesses rücke die Digitalisierung: Mittel- und langfristig stelle sich etwa die Frage, wie sich die Geschäftsmodelle der Personaldienstleister durch die Digitalisierung verändern. Es seien jedoch nicht nur die Personaldienstleister, die laut Lünendonk in die digitale Transformation investieren müssen: „Aus der Marktperspektive betrachtet bestehen in Deutschland erhebliche Hürden für mehr Digitalisierung im Arbeitsmarkt“, stellen die Experten fest.

Hoher Rekrutierungsaufwand

Hürden wie das analoge Unterschreiben der Arbeitsverträge oder das Schriftformerfordernis der Arbeitnehmerüberlassungsverträge erzeugten eine Vielzahl von Medienbrüchen. Und Lünendonk nennt auch ein praktisches Beispiel für die Unpraxis: „Vertrag unterschreiben, einscannen, per E-Mail zuschicken, ausdrucken, unterschreiben, zurückfaxen. Und dann wieder einscannen und archivieren.“ Aufgrund des engen Kandidatenmarktes komme erschwerend hinzu, dass der Rekrutierungsaufwand seit Jahren steige. Im Rekrutierungsprozess seien ganz offenbar noch deutliche Verbesserungspotenziale verborgen.

Die komplette Studie kann wie gewohnt unter „Lünendonk-Studie“ erworben werden. (WLI)