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Qualifizierung als Ziel
Zeitarbeitsbranche nach der Wirtschaftskrise
Mit der schwersten Wirtschaftskrise seit Gründung der Bundesrepublik stand auch die Zeitarbeitsbranche vor ihrer ersten großen Bewährungsprobe. Die Zahl der Beschäftigten brach um 18,1 Prozent ein, viele Zeitarbeitsunternehmen mussten ihre Pforten schließen.
Allerdings öffneten sich auch einige Türen. Seit November 2008 darf die Zeitarbeitsbranche das Instrument Kurzarbeitergeld nutzen. Daneben hat die Branche erreicht, dass für Weiterqualifizierungsmaßnahmen Beschränkungen weitgehend gelockert wurden. Auch erkannten zahlreiche Unternehmen, dass Mitbewerbern, die Zeitarbeit als flexible Beschäftigungsalternative nutzten, besser gestellt waren. Denn die Kundenunternehmen der Zeitarbeitsbranche konnten ihr eigenes gut ausgebildetes Stammpersonal in vielen Fällen halten und haben jetzt in Zeiten sich füllender Auftragsbücher bessere Startbedingungen.
Boom nach der Krise
Es ist also damit zu rechnen, dass die Zeitarbeit nach der Krise wieder boomen wird. Die Zahlen belegen diese These: Am Tiefpunkt der Wirtschaftskrise standen im Mai 2009 nur noch 517 000 Zeitarbeitnehmer deutschlandweit in Lohn und Brot. Im August waren es bereits wie der 575 000 Beschäftigte - Tendenz steigend. Selbst aus der vielgebeutelten Automobilbranche gehen wieder erste Aufträge ein. Experten gehen davon aus, dass es bis 2011 in Deutschland bis zu einer Million Zeitarbeitnehmer geben wird.
Umdenken in der Krise
Mit der Krise setzte zudem ein Denkprozess in der Zeitarbeitsbranche ein: Waren ursprünglich gut 33 Prozent der Zeitarbeitnehmerschaft auf dem Sektor der Hilfstätigkeiten eingesetzt, sank diese Zahl um vier Prozent auf derzeit 29 Prozentpunkte. Auf der anderen Seite boomte - trotz der Wirtschaftskrise - die Nachfrage in der Dienstleistung und in der Sparte der akademischen Berufe. Im Bereich der Gesundheitsberufe stieg die Zahl der Beschäftigten in der Zeitarbeit von 14 984 auf 16 697 - ein Plus von 10,3 Prozent. Ähnlich ist die Tendenz bei den Dienstleistungsberufen - hier stieg die Zahl von 27 914 auf 29072. Rund 35 000 Stellen konnten selbst während der Krise durch das Fehlen von Fachpersonal nicht besetzt werden.
Qualifizierung
Auch daraus hat die Zeitarbeitsbranche ihre Lehre gezogen und bietet zunehmend den Mitarbeitern Weiterbildungsmaßnahmen an. Denn qualifiziertes Personal schützt auch in schlechten wirtschaftlichen Zeiten vor dem totalen Absturz.
Einsteiger sammeln Erfahrungen
Durch die Globalisierung, die anziehende Konjunktur und den demografischen Wandel entwickeln sich die Personaldienstleistungsunternehmen zunehmend zu Maklern für hochqualifizierte Arbeitskräfte. Das klassische Bild des Mitarbeiters, der von der Lehre bis zur Rente im Betrieb bleibt, ist bei den Nachwuchskräften nicht mehr gefragt.
Alternative
Immer mehr junge Berufseinsteiger ziehen es vor, die Zeitarbeit als Alternative zu wählen, um praktische Erfahrungen zu sammeln, sich auf unterschiedlichen Gebieten zu qualifizieren und damit auch den eigenen Marktwert zu steigern. Nicht zuletzt auch durch den demografischen Wandel rechnen die Experten künftig mit großen Engpässen bei den akademischen Berufen, besonders bei Mathematikern, Informatikern, Naturwissenschaftlern und Technikern. Schon in sechs Jahren werden, so die Schätzungen, 254000 dieser hoch qualifizierten Arbeitskräfte fehlen.
Manko
Laut einer Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln für den Arbeitgeberverband Gesamtmetall könnte diese Zahl bis zum Jahr 2020 auf insgesamt 426 000 fehlende Kräfte ansteigen. Ein Manko, dass die deutschen Wirtschaftsunternehmen aus eigener Kraft nicht mehr bewältigen werden können - dann sind die Zeitarbeitsunternehmen ganz besonders gefragt. (Wolfram Linke, Pro Magazin, 12/2009)



